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Kunst

Hommage an seine Heimatstadt Rees

18.02.2010 | 21:00 Uhr
Hommage an seine Heimatstadt Rees

Rees. Manfred Pohle ist ein echter Reeser, der seine Heimatstadt und ihre Menschen liebt. Nach einem überaus arbeitsreichen Berufsleben im Außendienst von Langnese, zudem unterstützte er seine Frau in ihrem Kiosk am Marienhospital in Wesel, suchte er nach einer neuen Beschäftigung.

Dabei kam ihm sein Zeichentalent zugute. „Nur wenn ich konzentriert male, finde ich meine innere Ruhe”, hatte der 68-Jährige festgestellt, dessen Maltalent nicht einmal in der Schule aufgefallen war.

Immer wieder trieben ihn Freunde und Verwandte an, die Werke einmal auszustellen. Bisher zierten sie nur das schmucke Haus am Grüttweg. Schließlich fasste er sich ein Herz und bewarb sich im Kulturamt. Erfolgreich!

Seine Ausstellung hatte er unter das Thema „Bilder einer schönen Stadt – Rees Gestern und Heute” gestellt. Sein erstes Bild ist vier Jahre alt. Seitdem hat er die Maltechnik verfeinert und sich auf die Suche nach Motiven begeben. Dazu hat er sich Literatur besorgt, alte Postkarten gesichtet, aber auch die Werke alter Meister angeschaut. „Überhaupt habe ich mir immer gerne klassische Malerei angeschaut, beispielsweise in Museen in Amsterdam oder Paris. Aber auch die Bilder von Ernst Isselmann und anderen hiesigen Malern habe ich studiert.” Nur kupfern, das wollte er auf gar keinen Fall.

Heinz Köster im Ruderboot

Schließlich wird es wohl kaum ein Gemälde vom Aspeler Meer geben, auf dem der Reeser Heinz Köster im Ruderboot zu erkennen ist. „Er hat mich mit dem Boot dorthin gerudert, damit ich diese besondere Ansicht einfangen kann”, erzählt Pohle.

Bei seinen Recherchen traf Pohle auf wunderschöne Ecken und Plätzchen im alten Rees. Dabei versucht er neue Perspektiven zu finden. Oder erzählende Details in seinen Bildern einzubauen. So hat er auf einem Bild von Ernst Isselmann entdeckt, dass die Sackendrägger nicht nur die Säcke trugen, sondern sie auf Stöttkarren (Sturzkarren) an Land zogen. Solche Karren findet man auf einem seiner Bilder. Ebenso wie das Bild „Stunde Null” seine Mutter zeigt, die mit ihren beiden Söhnen Heinz und Manfred vor der zerstörten Kirche auf dem Markt steht.

Die Ölgemälde haben oftmals Titel in Reeser Platt. Wunderschön das Bild „Op de gönne Kant”, das eine Ansicht auf Rees anno 1910 zeigt. Damals noch mit dem Oldenkottschornstein in der Wasserstraße und dem alten Kolpinghaus. Auf dem Rhein fahren Kribbekrupper (Kribbenkriecher), auch sie hat Pohle nach alten Zeichnungen aus dem Internet rekonstruiert. Und selbst die badenden Damen op de gönne Kant tragen authentische Bademode um 1900.

Sein Lieblingsbild heißt „Bure” und zeigt eine Marktszene vor dem historischen Rathaus. Da unterhalten sich zwei Bauern, Vieh wird angeboten und zwei Pudel schauen sich grimmig an. Es lohnt sich zu verweilen und die kleinen Geschichten, die das Bild erzählt, zu „lesen”.

„Metamorphose” heißt die Trilogie, auf dem das alte Rees, das zerstörte und das heutige zu sehen ist. Übrigens hat Pohle die Bilder gerahmt, sogar die Rahmen selbst gefertigt. Apropos Rahmen. Ein Bild heißt „Jägers Ruh'” und zeigt das zugefrorene Gewässer vor Schloss Empel. Hier ist ein Jäger eingenickt.

Wenn dieser auch nicht gut zu erkennen ist, „der wachsame Jagdhund gehört Pitt Eyting”, schmunzelt Pohle.

„Die alte holländische Schule hat mich mit ihrer Präzision schon immer begeistert”, gibt Pohle zu. Doch nicht nur seine geliebte Heimatstadt hat „dä Rääße Jong”, wie er sich selbst gerne nennt, in Öl auf Leinwand festgehalten. Auch die Ortsteile kommen in seinen Werken vor. Bewundernswert mit wieviel Akribie er beispielsweise Haus Aspel mit den zahlreichen Fenstern gemalt hat. Ihm ist auch aufgefallen, dass nur sehr wenige Maler das heutige Rees malen, schon gar nicht in Öl. Dabei gilt seine Kunst auch als Geschenk an die Stadt und seine Stadtväter, „denen es gelungen ist, das Schatzkästchen zu bewahren”.

Manfred Pohle hat sich ausdrücklich gewünscht, dass seine Bilder nicht im Reeser Stadtmuseum, sondern im Rathaus gezeigt werden. „Damit auch die Rhinkieker ins Rathaus kommen und sich an früher erinnern.” Und die größte Freude empfindet er, wenn sich alte Reeser die Bilder anschauen und dann sagen „So wass datt”.

Elisabeth Hanf

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