Heirat mit Hindernissen
10.02.2012 | 15:46 Uhr 2012-02-10T15:46:00+0100
Rees. Wegen des Hochwassers musste die Hochzeitsgesellschaft Hülkenberg im Ruderboot übergesetzt werden
Welchen Schaden Hochwasser anrichten kann, das dokumentierten die Reeser erstmals 1920 und 1926 bildlich. Mit der Kamera hielten sie fest, wie die Flut in den Straßen eindrang. 1926 stand das Rheinwasser knöcheltief in der Stadt, betroffen waren die Oberstadt, die Wasserstraße, der Kirchplatz und Teile des Marktes.
Das Wasser war aber nicht durch das Krantor (damals schrieb es sich noch Krahntor) in die Stadt gekommen, sondern durch die Kanalisation. Damals leiteten die Bürger ihre Abwässer noch direkt in den Strom. „So rächte sich der Rhein, indem er sein Wasser zurück in die Stadt drückte“, sagt Heinz Belting, der Historisches über die Hochwasser in Rees gesammelt hat. Die Männer mussten tagelang am Deich in Bergswick Sandsäcke hieven, um den Deich zu stabilisieren.
Hochzeit ist fast buchstäblich ins Wasser gefallen
Auch anno 1924 hatte es ein Hochwasser gegeben und hätte fast eine Hochzeit in Esserden buchstäblich ins Wasser fallen lassen. Vorauszusehen war das Hochwasser offenbar nicht: Urplötzlich hatten die Wiesen um Rees im Wasser gelegen. Die Hochzeit von Dora Hülkenberg, der Zwillingsschwester von Landwirt Theodor Hülkenberg, wollte die Familie aber dennoch nicht ausfallen lassen. Bräutigam Everhard Weyers, Lehrer im linksrheinischen Niedermörmter, soll seinen Hauptlehrer Nix und seine Kollegin Mühlbrett gleich mitgebracht haben. „Versteht sich von selbst, dass man vom Hof gleich mehrere Male zu Banndeich rudern musste, um die gesamte Hochzeitgesellschaft trockenen Fußes zur Reeser Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt zu bringen. Der Bruder der Braut, der mit dem Amt des Trauzeugen betraut war und als solcher seine Unterschrift leisten musste, wurde aber rasch wieder nach Hause zurück gerufen – um die letzten noch auf dem Fels stehenden Steckrüben zu ernten, bevor die Wasserflut sie vernichten konnte.
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