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Haldern Pop - das Festival der musikalischen Kontraste

12.08.2012 | 17:39 Uhr

Haldern.   Opulente Klangspektren gab's genauso zu hören wie feine, wohlige Melodien. Die vielen ehrenamtlichen Helfer des Festivals bekamen ein Extra-Ständchen für die reibungslose Organisation.

Ja, es gab sie wieder: die vielen besonderen Momente. Das von der NRZ präsentierte Haldern Pop Festival geizte auch 2012 nicht mit seinen Reizen. Drei Tage bestes Wetter und eine reibungslose Organisation waren das Fundament, auf dem ein buntes Melodienhaus entstehen konnte. Manche Bands steuerten kleine, besondere Steine bei, andere klotzten mit bombastischen Felsen. Jeder dürfte seine Fixpunkte für sich entdeckt haben.

Zwei Schlagzeuger und Kraftgesang

Gerade auf der Hauptbühne am Samstag zeigte sich, dass die Musiker derzeit auf opulente Klangspektren setzen. Kein Zufall, dass etwa Team Me oder The British Expeditionary Force gleich zwei Schlagzeuger aufboten. Merrill Garbus von Tune-Yards (USA) spielte mehrere Schlagzeug-Schichten ein, um dann eine Beat-Armada in den musikalischen Kampf zu schicken. Apropos Tune-Yards. Vogelwild, diese Frontfrau, die einem fast schon Angst einflößen kann, mit ihrem ungewöhnlichen Kraftgesang. So etwas hat man selten gehört.

Es gab auch Gegenpole aus der sanfteren Fraktion: Boy & Bear im Spiegelzelt spielten ein atemberaubendes Konzert. Ein bisschen wie die Fleet Foxes, sonst eher Mumford & Sons: Feinster Folkrock mit starken Soli, warmem Gesang und intimen Momenten. Ähnliches gelang auf der Hauptbühne Patrick Watson mit seiner butterweichen Stimme und den berührenden Balladen.

Warten lohnt sich. Das hat sich beim Haldern Pop sowohl am Freitag als auch am Samstag gezeigt. Als finale Band spielte spät in der Nacht zu Sonntag Alt-J. Für die Engländer wurde es noch einmal richtig voll im Spiegelzelt. Sänger Joe Newman könnte auch ein Afroamerikaner sein, zumindest hört er sich so an. Bei ihrer gefühlvollen Musik mit dezenten Elektro-Einflüssen spielt auch der Rhythmus eine gewichtige Rolle.

Warten hat sich gelohnt

Am Freitag sorgte König Boris von Fettes Brot alias Der König tanzt für eine zünftige Party. „Live ist der schon ein Brett“, umschreibt es Manfred Ludewig aus Kleve umgangssprachlich. Heißt: Der war richtig gut.

Zwei der Hauptacts am Samstagabend waren Wilco und The Afghan Whigs. Sie hatten eines gemeinsam: Beide Konzerte darf man als ordentlich anerkennen, aber die Massen haben sie beide nicht berührt. Wilco strichen bei ihrem sehr amerikanischen Country-Rock die Feinheiten schön heraus. Handwerklich war das 1a, aber es fehlte das gewisse Etwas. Die 1996 aufgelösten The Afghan Whigs haben sich zum zweiten Mal wiedervereinigt: Einst wurde ihnen ein von der Soul-Musik beeinflusster Rock attestiert. Beim Haldern Pop ließen sie die Gitarren lauthals sprechen. Allerdings mit einer Stimme. Da wären mehr Feinheiten schön gewesen.

Wie Two Door Cinema Club Thees Uhlmann den Rang abliefen

Typisch Thees Uhlmann: in der schwarzen Lederjacke. Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool

Das ist der typische Thees Uhlmann. Mit seiner schwarzen Lederjacke nahm der kernige Rockpoet am Freitagabend die Hauptbühne des Haldern Pop Festivals ein. Der Hamburger bot gradlinigen Rock ohne jegliche Experimente – man benötigt kein abgeschlossenes Haldern Pop-Studium, um Zugang zu diesen Melodien zu finden. Hits wie „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinaus“ oder „Und Jay-Z singt uns ein Lied“ (ja, die Titel sind sperrig) feierten die Besucher ab. Sympathie-Pluspunkte sammelte Uhlmann, als er ein Lied den Ehrenamtlern des Festivals gönnte. Die hatten so eine Würdigung auch wirklich verdient, denn es lief alles wie am Schnürrchen, ganz unkompliziert und dabei noch sehr freundlich ab.

Dennoch hat Uhlmann an dem Abend eine Band ein wenig den Rang abgelaufen. Two Door Cinema Club bewegte die Massen noch mehr. Die Nordiren überraschten diejenigen, die ihren Elektro-Pop-Rock vom Debütalbum kennen: Rockiger und schneller lautete ihre Maxime. Von der ersten Reihe bis an den Ständen im hinteren Bereich konnte kaum einer still halten.

Wie Tracy Chapmann - aber männlich

Unter 100 Stimmen kann man Ben Howard immer heraushören. Klingt ein bisschen wie Tracy Chapmann, aber männlich. Und dann kann der englische Künstler ja auch noch Gitarre spielen wie ein junger Gott. Das ließen sich nicht viele entgehen. Der Platz vor der Hauptbühne war sehr gut gefüllt. Ben Howard belohnte das in ihn gesetzte Vertrauen mit einem überzeugenden Auftritt. Auch er ist ein Wiederkehrer, der im Vorjahr im Zelt aufhorchen ließ. Inzwischen ist Ben Howard schon ein Großer. In Haldern erzielte er einen breiten Konsens beim Publikum.

Und wieder ein gelungener Schritt nach oben: Der kanadische Singer-Songwriter Dan Mangan überzeugte im Vorjahr im Spiegelzelt. Seine fröhlichen Folkmelodien funktionierten auch auf der großen Bühne hervorragend. „Das war ansteckend“, meinte Melanie Giesing, Ex-Heeldenerin aus Berlin.

Vollgas mit Oberhofer

Vollgas gaben im Spiegelzelt Oberhofer. Die US-Indie-Rocker rund um Frontmann Brad Oberhofer genoss es sichtlich, das Zelte zum Tanzen zu bringen. Überflüssig, weil einfach nur hässlich war die blaue Palletten-Bluse des Sängers. Die Musik ist auffällig genug.

Ihrem Charme kann man sich einfach nicht entziehen: Wendy McNeill entführte das Publikum auf den Jahrmarkt und erzählte ihre phantasievollen Geschichten – unterlegte von herrlich-skurriler Zigeuner-Musik. Beste Unterhaltung.

Haldern Pop - der dritte Tag
Haldern Pop Besucher

Eine Sieben, eine Glocke, eine Zitrone – das Bühnenbild bei der Instrumentalband Jaga Jazzist im Stile eines Spielautomaten deutete schon an, was da kommen würde. Die vielen verschiedenen Töne, die die neun Musiker aus Norwegen erzeugten, waren zwar nicht piepend-nervig wie bei so einem Automaten, aber die Besucher mussten sich schon mit äußerst vielen Facetten beschäftigen.

Marco Virgillito



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