Gülsüm-Prozess: Plötzlich sprach Yusuf kein Kurdisch mehr
30.11.2009 | 17:38 Uhr 2009-11-30T17:38:53+0100Rees. Die Vernehmung von Vater Yusuf gestaltete sich äußerst schwierig. Das sagten die Kriminalhauptkommissare Günter Kranz und Gerd Hoppmann am sechsten Verhandlungstag im Gülsüm-Mordprozess aus.
So habe man nach dem Mord Yusufs Telefon abgehört und so erfahren, dass er einen kurdischen Dialekt, Mardinli, spricht. Also wurde ein entsprechender Dolmetscher für das Verhör geordert. Leider vergebens. Plötzlich sprach Yusuf nur noch Türkisch. Also erschien ein türkischer Dolmetscher. Was Yusuf allerdings aussagte, teilte er nur zähflüssig und auf Nachfrage mit. Erst hatte er nur einen Bruder in Ulm. Dann fiel ihm auf Nachfrage die Familie in Brilon ein, schließlich Verwandte in Weeze. In seinen Aussagen kam es zu massiven Widersprüchen. Was seinen Strafverteidiger Siegmund Benecken veranlasste, die Ermittler zu fragen, ob ihnen nicht die Idee gekommen sei, dass der angeklagte Vater des Opfers „schwachsinnig” sei. Außerdem, so warf Benecken Hoppmann vor, habe er Yusuf während des Verhörs nichts von Davuts Geständnis gesagt. „Sie waren auf Yusuf als Mittäter festgelegt. Sonst hätten Sie es ihm gesagt.” „Wir verhören nicht nach Klischees”, konterte Hoppmann.
Heute könnte Prof. Dr. Norbert Leygraf zu Wort kommen, der den Prozessverlauf genau beobachtet und im Vorfeld den Hauptangeklagten Davut begutachtet hat. Am Freitag sollen Briefe verlesen werden, die Davut seiner Freundin M. geschrieben und die sie dem Gericht zur Verfügung gestellt hat. Vielleicht werden so wichtige Details, auch aus der Familienstruktur, bekannt.