Großes Lob für die Groiner
08.02.2012 | 17:19 Uhr 2012-02-08T17:19:00+0100
Groin/Wesel. Robert Antretter, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, besuchte zum Ende seiner Amtszeit die Einrichtung in Groin. Ulla Schmidt wird seine Nachfolgerin.
Vor zehn Jahren besuchte Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung aus Marburg, erstmals die Lebenshilfe in Groin. Damals hatte ihn ihr Gründer, Dr. Leo Pünnel, eingeladen, denn die Einrichtung war damals schon bundesweit von Bedeutung. Zum Ende seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Bundesvereinigung besuchte gestern der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete noch einmal die Lebenshilfe und war begeistert, was hier inzwischen geleistet wurde. Ihm war aber auch wichtig, das Grab von Dr. Pünnel zu besuchen.
Eine Neuigkeit brachte Robert Antretter mit. Die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wird ihn als Vorsitzende beerben. „Dank politischer Lobbyarbeit ist unendlich viel geschehen“, lobte Werner Esser, Vorsitzender der Lebenshilfe Unterer Niederrhein, die Arbeit der Bundesvereinigung. Immerhin werden von ihr 170 000 Behinderte betreut.
In Rees und Wesel besichtigte Robert Antretter die Werkstätten, die neuen Wohnverbunde und eine Kindertagesstätte. Dass ein langer Kampf hinter Werner Esser und Geschäftsführerin Verena Birnbacher liegen, um im Sinne der Menschen mit geistiger Behinderung das Bestmögliche zu erreichen, wurde in den Gesprächen deutlich. „Fast 2000 Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten bei uns in den verschiedensten Einrichtungen“, berichtete Verena Birnbacher. „Größenmäßig liegt Ihre Lebenshilfe damit im oberen Drittel bundesweit“, wusste Antretter.
Gerade wurde in Berlin vor 1000 Delegierten ein neues Grundsatzprogramm verabschiedet, das die Lebenshilfe für die Zukunft stärkt, das Thema Inklusion definiert, dabei aber nicht den Elternwillen, die Fürsorge für Menschen mit Behinderung, auch in schweren Fällen, vernachlässigt. „ Es ist uns gelungen, dieses komplexe Papier in verständliche Sprache zu fassen“, so Antretter.
Das nächste Anliegen der Behindertenverbände ist der Wunsch nach einem kleinen Behindertenausweis. „Die Menschen fühlen sich diskriminiert, wenn sie mit einem großen Schild um den Hals Bahnfahren müssen“, weiß der Bundesvorsitzende, der jedoch zugibt, das bis zur Umsetzung ein bis zwei Jahre ins Land gehen.
Dass die Lebenshilfe Unterer Niederrhein eine beispielhafte Einrichtung ist, zeigt sich darin, dass sie als erste das persönliche Budget im Bereich der Werkstatt umgesetzt hat. Der lange Weg dahin wurde in einem Fernsehbeitrag aufgezeigt. Auch die Lebenshilfe muss sich dem demografischen Wandel stellen. Die ersten Rentner gilt es zu betreuen, für sie Tagesangebote zu schaffen, aber auch an Demenz Erkrankte zu beschäftigen.
„Früher sollten Behinderte integriert werden. Sie wurden von außen zu uns hereinholen. Inklusion bedeutet aber, sie gehören von Anfang an zu uns“, erklärte Antretter. „Ihnen müssen von Geburt an alle Möglichkeiten der Teilhabe zukommen.“ Was aber nicht bedeute, dass Förderschulen abgeschafft werden sollten.
Noch strittig ist die Auffassung, wie Menschen mit schwersten Behinderungen untergebracht werden. „Wir sind froh, dass wir es geschafft haben, ein Wohnheim und betreutes Wohnen anbieten zu können“, so Esser. Wichtig, so der Tenor des Besuchs, dass keine Dogmen geschaffen werden, sondern das Wohl des einzelnen im Vordergrund steht.
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