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Gelsenkirchenerin zieht nach Rees

18.08.2011 | 18:14 Uhr
Gelsenkirchenerin zieht nach Rees
Ingrid Conrad aus Gelsenkirchen ist in das Agnes Altenheim in Rees gezogen, da ihre Kinder in der nähe Wohnen. Roy Glisson WAZ FotoPool

Rees.Um ihrem Sohn und seiner Familie nahe zu sein, zog Ingrid Konrad in die Rheinstadt. Hier hat sie sich gleich wohl gefühlt.

Wesel fiel durch, Emmerich auch. „Zu trist“, fanden Ingrid und Wilfried Konrad, als sie vor Jahren erstmals an einen Umzug an den Niederrhein dachten. Bocholt und Rees bekamen bessere Noten. Die Wahl fiel schließlich auf Rees. „Hier in Rees haben wir uns gleich wohl gefühlt“, erinnert sich Ingrid Konrad. Um ihrem Sohn und seiner Familie nahe zu sein, zog das Ehepaar Konrad im Juli 2006 von Gelsenkirchen nach Rees.

Konkret wurde die Wohnungssuche aber erst, als Ingrid Konrad Probleme mit der Gesundheit bekam. „Von diesem Zeitpunkt an haben sich mein Sohn Rainer und meine Schwiegertochter sehr intensiv umgesehen“, weiß die heute 81-Jährige. Die Suche stellte eine besondere Herausforderung dar. Weil Ingrid Konrad auf Hilfe angewiesen war, wollte sie vorübergehend in ein Pflegeheim unterkommen, ihr Mann, der sich noch weitgehend selbst versorgen konnte, in eine Wohnung für betreutes Wohnen ziehen. Obendrein sollten beide Wohnungen so nah wie möglich beieinander liegen. Schließlich wollten die zwei so viel Zeit wie möglich zusammenverbringen.

Gemeinsames
Mittagessen

Sohn Rainer, der mit Frau und den Zwillingen Nele und Malte in Mehrhoog wohnt, wurde in Rees fündig. Seine Mutter siedelte ins Agnes-Heim über, der Vater zog in eine Wohnung, die vis a vis lag. So hatte Wilfried Konrad von seiner Wohnung aus stets das Fenster seiner Frau im Blick. „Mein Mann war sehr besorgt um mich, wenn morgens an meinem Zimmer die Jalousien noch nicht hochgezogen waren, läutete schon das Telefon bei mir“ „Ist was mit meiner Frau?“, wollte Konrad wissen. „Nein“, konnte das Pflegepersonal jedes Mal beruhigen. Sie wird gerade frisch gemacht. Mittags aßen die Konrads zusammen in der Cafeteria. Danach schmiedete das Paar oft Reisepläne. „Wir hatten doch noch so viel vor“, sagt Ingrid Konrad leise. „Wir wollten doch wieder zusammen wohnen, verreisen...“

Daraus wurde nichts. Abends hatte das Paar noch telefoniert, hatte sich eine „Gute Nacht, bis Morgen“ gewünscht. Doch einen gemeinsam Morgen gab es nicht mehr. Wilfried Konrad erlitt in den Morgenstunden einen Herzinfarkt. Das war im Mai 2009. „Im Dezember wären wir 60 Jahre lang verheiratet gewesen“, sagt Ingrid Konrad. Der Tod ihres Mannes tut weh. Immer noch. „Auch wenn mein Sohn dreimal die Woche kommt und sich liebevoll um mich kümmert, so fehlt mir doch mein Mann als Gesprächspartner“, sagt sie. Schließlich habe man in fast 60 Jahren viel zusammen durchgestanden und erlebt.

Sehr lebendig schildert Ingrid Konrad die gemeinsamen Reisen in die Toscana, nach Moskau und St. Petersburg oder in die Normandie. Oder auch nach Teneriffa, bei der sie in einem Überlandbus unterwegs waren. „Dort stiegen auch Bauern zu, die auch Hühner und Ziegen dabei hatten“, sagt sie schmunzelnd. Auf der Fahrt durch die Berge hätten die Landwirte die Ziegen gut festhalten müssen. „Weil die Klapptüren des Busses in jeder Kurve aufklappten“, erklärt die Neu-Reeserin.

Jetzt nimmt die 81-Jährige, die in Nordhastedt in Schleswig-Holstein zur Welt kam, gern an den Ausflügen teil, die das Agnes-Heim organisiert und mal ins Heimatmuseum Bislich, zum Sommerfest des Altenheims St. Joseph in Millingen, zum Schloss Anholt oder zum Haus Aspel führen. Auch im Haus selbst werde viel geboten – von der Weihnachts- über die Muttertags- bis zur Karnevalsfeier, sagt Ingrid Konrad. Das gefällt ihr. Zumal sie weiß, wie sehr das Pflegepersonal unter Druck steht...

Maria Raudszus

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