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Geheilt entlassen

10.10.2012 | 10:12 Uhr
Geheilt entlassen
Sasa Umicevic nach der Kavernom-Operation mit seiner Oma Anna Bogdanka Geerlings und Spendensammlerin Elke Landers (rechts)Foto: Elisabeth Hanf

Rees/Düsseldorf.   Sasa Umicevic, der 21-jährige Student aus Bosnien, wurde erfolgreich in der Neurochirurgie in Düsseldorf operiert. Jetzt erholt er sich bei seiner Oma in Rees.

Es war der 3. Oktober, Tag der Deutschen Einheit, und wie viele sich sehnlichst wünschten, der letzte Tag, an dem Sasa Umicevic einen zerebralen Anfall hatte. Ausgerechnet auf dem Weg zur Klinik. Heute, sechs Tage nach der großen Gehirnoperation, genießt der 21-jährige Medizinstudent aus Bosnien die Ruhe jenseits der Klinik in der Wohnung seiner Oma in Rees: „Es ist alles gut verlaufen. Nach der Prognose von Professor Steiger sind die Anfälle vorbei. Vielen, Vielen Dank!“

Der Direktor der Neurochirurgischen Klinik der Universität Düsseldorf selbst, Prof. Dr. Hans-Jakob Steiger, hatte sich Sasa Umicevic angenommen. „Es ist die traditionelle ärztliche Vorstellung, der Eid des Hippokrates, den Armen zu helfen. Aber wir müssen natürlich die Verwaltung der Klinik davon überzeugen, dass eine Bedürftigkeit gegeben ist und sie nicht vorgespielt wird.“ Das ist Professor Steiger gelungen. Die Verwaltung willigte der Operation zum Selbstkostenpreis zu.

Wegen eines Kavernoms erlitt Sasa immer häufiger epilepsieartige Anfälle. Eile war geboten. Die Anfahrt nach Düsseldorf wird Sasas Oma, Anna Geerlings, noch in Erinnerung bleiben. Ihre Freundin aus Bienen hatte beide in die Uniklinik nach Düsseldorf chauffiert. Auf der Autobahn krampfte Sasa plötzlich, die Fahrerin reagierte prompt, fuhr rechts ran. Etwa fünf Minuten dauerte der Anfall, bei dem Anna Geerlings ihren Enkel immer wieder streichelnd zu beruhigen versuchte, ihn festhielt, damit er nicht gegen die Windschutzscheibe prallte. „Ich kann mich an keinen der Anfälle erinnern“, erzählte Sasa später.

In der Klinik wurde er auf die Operation vorbereitet. Nach dem Gespräch mit der Anästhesistin ergriff ihn die Panik. „Ich hatte richtig Angst. In Bosnien sagt man: ,Es wird schon gut gehen und wenn nicht???’ Hier wurde ich über jede nur mögliche Komplikation aufgeklärt. Was ja richtig ist. Doch wenn man Medizinstudent ist, die Gefahren kennt, wird einem schwindelig“, gibt der 21-Jährige zu. Im OP erinnert er sich nur noch an ein Brennen im Arm. „Und dann bin ich auf der Intensivstation aufgewacht.“ Fünf bis sechs Stunden hat die Operation gedauert.

Wenn Sasa von dem operativen Eingriff erzählt, mag man kaum zuhören wollen: Da wird die Schädelhaut ähnlich einer Skalpierung eröffnet und zur Seite geklappt, der Schädelknochen eröffnet, schließlich im mittleren bis seitlichen Schläfenlappenbereich das Raum fordernde Kavernom entfernt, die Lücke durch Platten verschlossen und die Schädelhaut mit sich selbst auf auflösenden Fäden genäht. „Das war schon Microchirurgie“, schlussfolgert Sasa.

„Es war eine komplexe Operation“, berichtet Prof. Steiger der NRZ. „Ein Balanceakt.“ Denn das Gefäß saß an einer heiklen Stelle, nämlich in der Region, die für das Gedächtnis zuständig ist. Denn es galt ja nicht nur das Kavernom zu entfernen, sondern auch die Epilepsie zu verbessern, die durch elektrische Entladungen in der Umgebung entstanden sind. Das MRT nach der OP zeigt den Erfolg. „Eigentlich müsste jetzt alles gut gehen“, ist Prof. Steiger zufrieden.

Er hat ihn am 22. Oktober noch einmal einbestellt, bevor Sasa zurück nach Bosnien reisen darf. „Für uns ist wichtig, dass das Geld zusammenkommt, damit wir auch bei der nächsten Operation eines Bedürftigen nicht von der Verwaltung ein Defizit vorgehalten bekommen“, argumentiert Prof. Steiger. So trafen sich gestern Elke Landers und Anna Geerlings noch einmal bei einer Spenderin, und der Lions-Club Emmerich-Rees ergänzte die Hilfsaktion mit 1000 Euro. Aber auch Leute aus der Fremde haben gespendet. Denn Familie Landers hat eine Ferienwohnung direkt am Rhein und hat die Spendenaktion auf ihre Internetseite gesetzt. So entdeckte auch ein Kinderarzt aus Heidelberg die Aktion und spendete.

Während Sasa seine Oma noch bewundernd fragt: „Wie schaffst du es, täglich die Thrombosestrümpfe anzuziehen, es ist eine Qual“, darf er zur großen Überraschung der Oma und Elke Landers, die ihn am vergangenen Montag in der Klinik besuchten, mit nach Hause fahren. Hier wird er weiter von Dr. Ulrich Oschilewski betreut, der vor Beginn der Spendenaktion die medizinisch notwendigen Schritte eingeleitet hatte. Sasa ist entlassen. Geheilt! Und mit besten Voraussetzungen ein guter Mediziner zu werden.

Von Elisabeth Hanf



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