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Freispruch für die Cannabis-Oma

11.10.2011 | 17:26 Uhr
Freispruch für die Cannabis-Oma
Wurde hier wiederholt Cannabis angebaut? Das Gericht konnte diesen Beweis nicht erbringen. Foto: Dirk Schuster / WAZ FotoPool

Rees/Kleve.Die 72-Jährige überraschte mit der Aussage, niemals Drogen angebaut zu haben. Obwohl sie dafür gerade in Haft sitzt. „Oh, echt?!“, entfuhr es ihr nach dem Urteil...

Die Angeklagte war über ihren Freispruch sichtlich überrascht. „Oh, echt?!“, entfuhr es ihr, nachdem Peter Schöttler, Vorsitzender Richter beim Landgerichts Kleve, das Urteil gesprochen hatte. Gestern stand die Cannabis-Oma vor dem Klever Landgericht. „Ich möchte einen Freispruch erwirken, weil ich unschuldig bin“, hatte die 72-Jährige zu Beginn der Verhandlung beteuert.

Emmericher Urteil wurde aufgehoben

In erster Instanz war sie am 31. März dieses Jahres vom Amtsgericht Emmerich zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Ohne Bewährung, weil es das Gericht als erwiesen angesehen hatte, dass sie – zum wiederholten Mal – Cannabis in Nebengebäuden einer Mühle in Rees angepflanzt haben sollte. Schon im April 2009 war sie vom Landgericht Kleve wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden.

Das Emmericher Urteil wurde nun vom Klever Landgericht aufgehoben. „Wir sind zwar nicht zweifelsfrei davon überzeugt, dass sie nicht doch wieder aktiv geworden sind“, sagte Schöttler. Aber das Gericht könne es ihr nicht zweifelsfrei nachweisen, begründete er. Bei einer Durchsuchung des von ihr bewohnten Anwesens in Rees wurden am 5. Februar dieses Jahres 33 frische Stauden von Cannabis-Pflanzen auf dem Kompost entdeckt, in den Räumen waren weitere Pflanzenreste und auch entsprechende Lampen für die Aufzucht von Marihuana gefunden worden.

„Nicht zweifelsfrei überzeugt“

„Das alles ist mir untergeschoben worden“, sagte die Angeklagte gestern. Das hatte sie auch schon bei der Emmericher Verhandlung beteuert. Neu war aber: Die Angeklagte ließ gestern das Gericht wissen, dass sie nicht nur Ende 2009/Anfang 2010 kein Cannabis angepflanzt habe, sondern auch 2008 ihre gärtnerischen Hände nicht im Spiel gewesen seien. „Ich habe auch damals schon nichts mit der Plantage zu tun gehabt“, sagte sie. „Aber Sie haben doch gestanden“, hielt ihr Richter Schöttler entgegen. Dazu, so die Rentnerin, habe man ihr geraten. Tatsächlich habe sie den Aufzuchtraum an der Mühle an einen Niederländer verpachtet gehabt und dafür 500 Euro pro Jahr erhalten. Als sie dann mit ihrem Sohn zufällig die Plantage entdeckt habe, sei sie in dessen Begleitung zum Wohnsitz des Pächters gefahren, um diesen ultimativ aufzufordern, die Plantage zu beseitigen. Dieser soll sie ausgelacht und ihr gedroht haben.

Die Frage, warum sie ihren Sohn dann nicht als Zeugen bei der ersten Verhandlung benannt habe, konnte sie nicht schlüssig beantworten. Wohl aber die Sachkenntnis, die sie heute über den Cannabis-Anbau besitzt. „Ich habe mich inzwischen schlau gemacht“, sagte sie.

Dass sie nicht unklug ist, bescheinigte ihr sogar der Vorsitzende Richter. „Sie sind nicht nur intelligent, sondern hochgradig clever“, sagte Peter Schöttler anerkennend, was der Angeklagten ein Lächeln entlockte. Hätte sie tatsächlich wiederholt Cannabis angebaut und Wind von der bevorstehenden Durchsuchung bekommen, „hätten sie sicher besser aufgeräumt und keine Cannabis-Reste hinterlassen“. Auch dieser Umstand sprach letztlich für sie.

Maria Raudszus

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