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Haldern Pop 2011

Festival für den Seelenfrieden

14.08.2011 | 18:29 Uhr
Festival für den Seelenfrieden
Foto: Johannes Kruck / WAZ FotoPool

Haldern.   Die NRZ präsentiert das Haldern Pop Festival 2011: Viele Höhepunkte am Samstag wie Fleet Foxes, La Brass Banda und James Blake.

Jetzt hat die Seele wieder Frieden. Einmal im Jahr sammelt der gemeine Haldern Pop-Besucher so viele schöne Eindrücke – davon kann er eine ganze Weile zehren. Jeder hat seine ganz persönlichen Erlebnisse, an die er denken wird. Gemeinsam teilen sie sich die vielen tollen musikalischen Momente. Die NRZ ist stolz, dieses Festival präsentiert zu haben.

Ein Höhepunkt war sicher der harmonische Gitarren-Pop der Fleet Foxes am Samstagabend. Die US-Musiker aus Seattle sind wahre Gitarrenvirtuosen und beherrschen die Kunst des gemeinsamen Singens wie kaum eine zweite Formation. In der frischen Abendluft konnte man sich den glasklaren Klängen nicht entziehen. Das Publikum war begeistert.

Wir sind Helden: ganz nett, aber nicht überragend

Laut Festivalmacher Stefan Reichmann galt James Blake im Vorfeld des Spektakels auf der Reitwiese vielleicht als die größte Hoffnung. Seit seinem Hit „Limit To Your Love“ kennt so ziemlich jeder die Stimme des 21-jährigen „Produzenten“, wie er im Begleitheft „Datt Blatt“ bezeichnet wird. Das liegt vielleicht daran, weil er Musik nicht im herkömmlichen Sinne macht. Der avantgardistische Künstler untermalt seine grandiose Stimme mit bizarren Effekten. Plötzlich klappert es in der Ferne. Die Stimme wird auch mal verzerrt. Das klingt wie ein melancholischer Roboter. Das Publikum würdigte den Exzentriker, der seine Musik Post-Dubstep nennt, mit viel Applaus. Der meist minimalistische Blake spielte auch einige flottere, tanzbare Stücke - aber er blieb immer abstrakt.

Ein völliger Gegensatz zu Blake waren La Brass Banda. Was für eine Gaudi! Diese für den Musikantenstadl völlig ungeeignete Vollgas-Blasmusik brachte die Masse zum Tanzen. Ihre Mischung aus Ska, Polka und Blasmusik ist wirklich eine selten gehörte. „Versteads ia mi?“, fragte der Sänger Stefan Dettl mit schwerstem bayrischen Akzent. Ganz ehrlich: nicht jedes Wort. Aber genug, um zu erkennen: Dieses Quintett ist total witzig. Als das Cover des Stücks „Around the World“ von Daft Punk anstand, kündigte Dettl „a bayrische Techno“ an: „Der geht so: Bum Zack, Bum Zack.“

Der größte Name des Festivals für ein deutsches Publikum waren Wir sind Helden. Für die Macher des Festivals war jetzt die Zeit reif, sie zu buchen, da ihr 2010 erschienenes Album „Bring mich nach Hause“ reifer klingt als die noch verspielteren Vorgänger. Das Publikum feierte allerdings in erster Linie die alten Hits wie „Nur ein Wort“ oder „Guten Tag“. Die Musiker erwiesen sich als routinierte Handwerker. Der Auftritt war ganz nett, aber riss jetzt auch keinen vom Hocker.

Bei The Black Atlantic kann man sich fallen lassen

Ihren zweiten Auftritt beim Haldern Pop feierten Moss aus den Niederlanden. Sie eröffneten am Samstag den Konzertreigen auf der Hauptbühne mit gitarrenlastigem Poprock. Im Vorjahr spielten sie noch in der Pop Bar. Der Teil des Publikums, der sich nach einer sicher langen Nacht schon zur Mittagszeit vom Zeltplatz vor die Bühne schleppte, erlebte einen launigen Auftritt. Die helle Stimme des Sängers Marien Dorleijn kam gut rüber, meist wurde sie mit viel Hall versehen, was der Musik eine gewisse Ferne verlieh.

Auch zum folgenden Konzert von Alex Winston waren die Festivalbesucher noch nicht ganz wach und in Feierlaune. Das hielt die agile Schwarzhaarige nicht davon ab, ihren tanzbaren Pop mit viel Elan auf die Bühne zu bringen. Ihre Stimme mit starkem Vibrato harmonierte angenehm mit den beiden hellen Stimmen der Hintergrundsängerinnen. Die fünf Musiker, die das Trio begleiteten wirkten allerdings noch etwas schüchtern.

Viel Aufmerksamkeit schenkten die Fans The Black Atlantic aus Groningen im Spiegelzelt: Ihre ruhigen Stücke, versetzt mit auf den Punkt gebrachte Klangelemente, ließen den Zuhörer davon schweben, sofern er sich fallen lassen konnte. Die helle, klare Engelsstimme von Frontmann Geert van der Velde nahm das Zelt wahrlich ein.

Marco Virgillito

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