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Kriminalität

Fall Gülsüm war laut Anwalt "kein Ehrenmord"

12.09.2009 | 17:00 Uhr

Rees/Marl. Spektakuläre Fälle, die Hans Reinhardt als Anwalt durchgeboxt hat, füllten Titelseiten der Boulevardpresse. Einige hängen gerahmt hinter seinem Schreibtisch. Reinhardt ist Strafverteidiger von Davut Semin, der ebenso wie sein Vater Yusuf und sein russischer Freund Miro angeklagt ist.

Sie sollen gemeinschaftlich am 2. März Gülsüm Semin am Groiner Weg in Rees getötet haben. Heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen.

Viele Stahltüren und ein vergitterter Eingangsbereich führen in die Großkanzlei von Hans Reinhardt und Siegmund Benecken, der Vater Semin vertritt. Sie deuten darauf hin, dass sich hier Welten zwischen Gut und Böse treffen. „Es ist hier ein bisschen wie in der Bronx”, scherzt der Strafverteidiger, und vielleicht meint er damit nicht nur die Kanzlei-Etage im Marler Stern.

Kein klassischer Fall

Gülsüm Semin. Foto: ddp

Seit 1990 ist der 49-Jährige als Anwalt tätig. Wieso Vater Semin auf die beiden Anwälte gestoßen ist? „Im Knast spricht sich schnell herum, wer was kann”, vermutet Reinhardt. Und spricht dann über diesen außergewöhnlichen Fall, der, wie er glaubt, vom klassischen Ehrenmord abweicht: „Unüblich ist die ex-treme Brutalität der Tatausübung.” In der Regel werde bei einem Ehrenmord jemand umgebracht, weil er die Ehre der Familie verletzt habe. Opfer sind in der Regel Frauen, die dem patriarchischen Familienbild nicht entsprechen. Die Jungfräulichkeit der Frau gehöre dem Familienoberhaupt, der darüber zu bestimmen habe.

Davut ist, so glaubt sein Verteidiger, massiv dazu überredet worden, die Ehre der Familie wiederherzustellen. Allerdings nicht, wie die Anklage vorwirft, vom Vater, sondern von dem russischen Freund.

„Beim Ehrenmord wird das Opfer erstochen oder so umgebracht, dass es möglichst schnell tot ist. Aber die Vernichtung des Kopfes mit dem zur Unkenntlichkeit zerstörten Gesicht ist nicht typisch für einen Ehrenmord. Das sagen auch die Etymologen”, so Reinhardt. Etwas anderes müsse also eine Rolle gespielt haben. Etwa Alkohol und Drogen, die beide vor der Tat im Asylantenheim konsumiert hätten. „Anschließend sind sie völlig ausgetickt.”

Da sich nämlich DNA-Spuren des Russen am Knüppel befanden, ist davon auszugehen, dass er massiv auf Gülsüm eingeschlagen hat. Diese Mordbeteiligung hatte Davut, vermutlich aus Angst vor seinem Freund, bisher bestritten. Jetzt brach er sein Schweigen.

Schuldfähigkeit

Inzwischen hat sich Davut von Prof. Dr. Norbert Leygraf begutachten lassen. Dabei geht es auch darum, inwieweit eine verminderte Schuldfähigkeit, bzw. eine Reifeverzögerung vorliegt, so dass das Jugendstrafrecht greift.

Aber noch einmal zum Tathergang wie ihn die Verteidigung sieht: Am Tag, an dem Gülsüm ermordet wurde, hatte Davut von der Abtreibung erfahren. Sein Freund habe ihm geraten: „Du musst was tun um mit Gott wieder ins Reine zu kommen”. Beiden, sie sind Moslems, seien alttestamentarische Werte wichtig, so Reinhardt. Wie bekannt hatten sie Gülsüm unter einem Vorwand ins Wäldchen gelockt. „Dabei hat der Russe eine entscheidende Rolle gespielt. Erst habe Davut seiner Schwester eine Schnur um den Hals gelegt. Strangulationsmerkmale seien allerdings nicht zu finden gewesen, so der Anwalt. Dann habe er wieder von ihr abgelassen. In dem Moment habe Gülsüm ihr Handy herausholen wollen. „Die will uns verpfeifen”, habe der Russe panisch reagiert und sei völlig ausgerastet. Wie wild habe er mit dem Knüppel auf sie eingeschlagen. Davut wollte ihn fesseln, was ihm aber nicht gelang. Miro habe solange zugeschlagen, bis Gülsüm tot war. Laut Obduktionsbericht wurde nicht der Körper, sondern ausschließlich Gesicht und Hals getroffen.

Der Vater habe von der Tat nichts gewusst. „Er war zwar streng, aber gerecht. Deshalb halten auch die Kinder zu ihm. Schließlich wurde seitens der Familie keine Nebenklage erhoben.” Reinhardt erzählt aber auch, dass Davut viel um seine Drillingsschwester weine.

Der Prozess beginnt am 6. November um 9 Uhr vor der Jugendkammer im Landgericht Kleve.

Elisabeth Hanf

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Kommentare
06.10.2009
07:00
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von miriam.lessmann | #20

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13.09.2009
22:18
Fall Gülsüm war laut Anwalt kein Ehrenmord
von Herbert Wehner | #19

Warum verwenden Medien immer und immer wieder den Begriff Ehrenmord, und benutzen damit die Sprache derer, die diese Morde aus niederen und ganz besonders verwerflichen Gründen begehen?

13.09.2009
16:23
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von Matthias.Kiesel | #18

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13.09.2009
14:43
Fall Gülsüm war laut Anwalt kein Ehrenmord
von ail | #17

Anmerkung: Laut EU sind die Sitten & Gebräuche des Herkunftslandes bei der Straffestlegung (mildernd) zu berücksichtigen.

Was ich persönlich schade finde...
Bei Islamisten und ihrer menschenverachtenden Ausrichtung nach der Scharia wird dies NICHT berücksichtigt. Hier sollten Gerichte entgegenkommen zeigen und die Scharia anwenden.

Gut wenn Frauen die Geschädigten sind hilft die Scharia auch nicht weiter. Erst bstimmt der Vater, dann der Mann...Selsbtbestimmung gleich Null und allenfalls die Hälfte wert.
Was hier fehlt ist eine starke Frauenbewegung und der Schutz des Staates für Aussteigerinnen. Die Stalker aus der eigenen Familie sollten bei den ersten Nachstellungen ihre, sofern vorhanden, dt. Staatsbürgerschaft verlieren und abgeschoben werden.

13.09.2009
13:25
Fall Gülsüm war laut Anwalt kein Ehrenmord
von AliMomente | #16

Ehrenmorde sind einzustufen wie Morde von Nazis und Weltweit zu ächten.

13.09.2009
12:16
Fall Gülsüm war laut Anwalt kein Ehrenmord
von Mchonour | #15

Dass diese Anwälte ihre Visage morgens noch im Spiegel ertragen können, erstaunt mich immer wieder. Plädoyers wider besseres Wissen zu halten setzt m. E. ein gehöriges Charakterdefizit voraus. Die glauben doch wohl nicht selbst, was sie da rechtfertigen.

13.09.2009
10:55
Fall Gülsüm war laut Anwalt kein Ehrenmord
von Elektrosteiger | #14

Fall Gülsüm war laut Anwalt kein Ehrenmord

Was war das denn sonst???
Unfall, dummer Zufall oder wie oder was???

WARUM wird von der Politik nicht schärfer gegen solche Verbrechen vorgegangen???

Ach so, ich vergaß die Sache mit der Herzlichkeit und so weiter...

Und wer bezahlt diesen Vetreidiger???
Ich hoffe ja nicht, das die Täter Prozeßkostehilfe vom Staat bekommen...

13.09.2009
10:36
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von manilo | #13

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13.09.2009
10:33
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von Matthias.Kiesel | #12

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13.09.2009
09:45
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von Matthias.Kiesel | #11

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