Erst Haldern, dann die Nation
23.01.2012 | 12:28 Uhr 2012-01-23T12:28:00+0100
Haldern.Nein, sie sind nicht zu jung für Rock’n’Roll. Und sie sind auch nicht geboren im falschen Jahrzehnt. Dies behauptet die Band Kraftklub in ihren Texten. Vielleicht, weil sie in einer Zeit aufgewachsen sind, in der Rock-Musik nicht seine beste Phase erlebte. Nicht wie zu Woodstock-Zeiten. Auch die Punk-Ära ist lange her. Und Grunge-Rock war einmal.
Viel mehr könnte das Quintett eine neue Ära prägen, den Klang der neuen Generation. Das deuteten Kraftklub am Samstag bei Rock im Saal an. Nicht zufällig prophezeien viele Fachgazetten: Kraftklub könnte die deutsche Band schlechthin in 2012 werden. Die modernen Punkrocker mit Sprechgesang ließen es im ausverkauften Saal Tepferdt mächtig krachen. Griffige Melodien, mitreißende Rhythmen, astreines Handwerk, glasklarer Sound, viel Dynamik, enorme Bühnenpräsenz... All zu lange werden die kleinen Halderner Bühnen für diese Band nicht mehr reichen. Frontmann Felix Brummer fragte das Publikum: „Haldern, kennt uns jemand von Euch?“ Ein langes „Jaaa“ schallte ihnen entgegen. Obwohl erst Freitag das erste Album „Mit K“ erschienen ist, sind Kraftklub kein Geheimtipp mehr.
Überladener Sound: die Feinheiten gingen verloren
Beim Rock im Saal gab es noch drei weitere Konzerte, die alle relativ kurz ausfielen. Etwas eigenartig ist dabei, dass ausgerechnet Flashguns aus England am meisten überzeugten. Für die Londoner war das Konzert in Haldern eines der beiden letzten Auftritte; sie lösen sich auf. Dennoch kam ihr melodischer, sphärischer Poprock gut an.
Schwerer hatten es da Emanuel & The Fear. Das Ensemble aus New York hatte zunächst mit vielen technischen Problemen zu kämpfen. Und offenbar ließen sie sich vom Titel „Rock im Saal“ inspirieren. Ihren sonst filigranen, orchestralen Poprock boten sie wesentlich rockiger dar. Dadurch war der Sound überladen, die Feinheiten waren kaum noch zu hören. Auch die Stimme von Emanuel Ayvas ging oft unter. Schade, die Band kann mehr. Die Publikumsreaktion war wohlwollend akzeptierend.
Nicht ganz so eklatant, aber ähnlich gelagert verhielt es sich bei Kill It Kid. Was auf Tonträgern neuartig klingt, hörte sich live vor allem brachial an. Beim Blues-Rock der Briten ging das Klavier unter, die Geige hatten sie gar nicht erst eingepackt. Überzeugend waren dennoch die beiden Stimmen. Chris Turpin hat für seine Jugend eine doch sehr reife raue Stimme, Stephanie Ward singt rotzig-lieblich und erinnert an PJ Harvey. Der Saal fand es ok, ließ sich aber nicht restlos begeistern.
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