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Eine Orgel wird 100 Jahre alt

26.05.2012 | 08:00 Uhr
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Eine Orgel wird 100 Jahre alt
Beim Stimmen der Orgelpfeifen (von links) sind Orgelbaumeister Eugenius Zielnik und Azubi Paul Enterlein hoch konzentriert. Fotos: Johannes Kruck

Haffen.   Beim Stimmen der Orgelpfeifen (von links) sind Orgelbaumeister Eugenius Zielnik und Azubi Paul Enterlein hoch konzentriert.

Eugenius Zielnik sitzt irgendwo hinter der Orgelverkleidung zwischen den Pfeifen. Der Orgelbaumeister der Firma Fleiter ist Fachmann für Elektrik und Pneumatik und sorgt dafür, dass die 100 Jahre alte Orgel, deren Jubiläum am Sonntag gefeiert wird, sich von ihrer besten Seite zeigt.

Organist Klaus Lohmann schaut Eugenius Zielnik und dem Auszubildenden Paul Entertlein über die Schulter. „Alles Handarbeit“, erklärt er die Arbeit der Fachleute aus Münster. Für diesen Beruf muss man etwas von Holz, Metal und Elektrik verstehen und natürlich auch ein gutes Gehör haben, wenn die Pfeifen intoniert und aufeinander abgestimmt werden, weiß Lohmann. Die Orgel in St. Lambertus Haffen wurde am 21. Mai 1912 angeliefert und zu Pfingsten erstmals gespielt. Das hat Dorothee Köster, Vorsitzende der kfd Haffen, in der Kirchenchronik gefunden.

Sie hat den Krieg überlebt

Die älteste Orgel von St. Irmgardis steht demnach in Bienen. Diese Orgel aus England stammt aus dem Jahr 1872, aber sie wurde erst 2003 gekauft. Die übrigen Orgeln in Rees wurden im Krieg zerstört. Nur die Fleiter-Orgel in Haffen konnte dank einer glücklichen Fügung erhalten bleiben. Zwar war der Kirchturm zerstört, aber im Jahr 1946 hatte die Gute-Hoffnungs-Hütte fünf Facharbeiter zur Verfügung gestellt, die im Turm über dem zerstörten Gewölbe eine Betondecke eingezogen haben. So wurde die Orgel gesichert.

Klaus Lohmann an der Fleiter-Orgel.

Die Haffener Fleiter- Orgel ist ein Unikat, für St. Lambertus entworfen und auf den Raum genau geplant, mensuriert und intoniert. Aber nicht alles an der Orgel ist alt. Der Spieltisch wurde wohl in den 70er-Jahren angeschafft. Damals wurde die Orgel elektrifiziert. Das Staatshochbauamt, das für die Unterhaltung der Orgel aufkommen musste, hatte 1978 eine Firma in Lübeck beauftragt, die Orgel instand zu setzen. Mit deren Arbeit war man keineswegs zufrieden, so dass ein weiteres Unternehmen nachbessern musste. Schon damals betrugen die Kosten 30 000 Mark.

Ende vergangenen Jahres entschloss sich die Kirchengemeinde, die Orgel komplett überholen zu lassen. Dieses Mal vom Originalhersteller Fleiter, der heute noch Orgeln baut und auch die Haffener Orgel regelmäßig wartet und einmal im Jahr stimmt. 20 000 Euro kostete 2011 die Sanierung. „Die Kunst der aufwendigen Sanierung liegt darin, die warme romantische Klangfülle wiederherzustellen“, weiß Lohmann

Jede Orgel von St. Irmgardis hat eine ander Klangfarbe und bietet damit andere Möglichkeiten des Repertoires. Die Orgel in Mehr hat beispielsweise barocke Klangmöglichkeiten. Nach dem Festhochamt am Pfingstsonntag wird Klaus Lohmann ein halbstündiges Orgelkonzert geben mit Werken von Bach, Vierne, Dupré, Boellmann und Rheinberger.

Gleichzeitig wird im Gottesdienst das 100-jährige Bestehen der Frauengemeinschaft gefeiert. Unter dem Thema „Lasst uns miteinander gehen! BeWEGte Frauen feiern ihren gemeinsamen Weg“ gestalten die Frauen die Festmesse. Nach dem Orgelkonzert lädt die kfd Haffen zum Empfang in die Schützenhalle.

Als Mütterverein aktenkundig

Die Katholische Frauengemeinschaft Haffen feiert ebenfalls am Pfingstsonntag ihr 100-jähriges Bestehen. Und das ist ebenfalls der Orgel zu verdanken. Als nämlich Teamsprecherin Dorothee Köster die Pfarrchronik nach dem Datum der Einweihung der Orgel durchforstete, stieß sie auf die Erwähnung des Müttervereins. Im Jahr 1911 wurde nämlich die Fahne der Frauen eingeweiht. Das nahm die kfd Haffen jetzt zum Anlass, das Datum der Orgeleinweihung auch für ihr Jubiläum zu wählen. Im Jahr 1973 wurde die kfd Haffen neu gegründet. Damals hatte Pfarrer Paul Brüggemann die Frauen des Dorfs ermuntert, sozusagen von Haus zu Haus zu gehen und für die kfd zu werben. Damals wurde Marlies Beckers, die Frau des Diakons, erste Vorsitzende, ihr folgte Hanne Venhorst, Rita Seegers-Wilmsen und jetzt Dorothee Köster. Mit Ehrenmitgliedern ist der Verein 115 Mitglieder stark. Über die Hälfte der Frauen ist über 60 Jahre alt. Der Nachwuchs fehlt. Am Sonntag werden die Frauen den Gottesdienst gestalten, und nach dem Orgelkonzert in die Schützenhalle zum Empfang einladen.

Von Elisabeth Hanf

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