Die Varusschlacht - kein unlösbares Rätsel
05.06.2009 | 18:37 Uhr 2009-06-05T18:37:00+0200
Albert Bömer aus Mehr gibt zu, in Sachen Varusschlacht ein „ganz Verrückter” zu sein. Immerhin präsentiert der Mehrer die wohl umfangreichste Untersuchung der Varusschlacht im Internet. Und das als Gastwirt.
Mehr. Wenn sich auch die hohe Wissenschaft noch nicht auf ihn gestürzt hat, begrüßen es Experten, dass sich Heimatforscher für dieses 2000 Jahre alte Rätsel interessieren. Hätte Albert Bömer allerdings einen „Doktor” vor seinem Namen, würde seiner Forschung wohl mehr Beachtung gezollt.
Obwohl die Klickzahlen auf seiner Internetseite eine andere Sprache sprechen, immerhin zählt er über 30 000 Zugriffe. Besonders zum Jubiläum „2000 Jahre Varusschlacht” rücken seine Forschungen in den Mittelpunkt des Interesses. Denn es geht um den Ort, an dem die Varusschlacht wohl stattfand. Wann immer der Wirt Zeit hat, ergänzt er seine Internetseite, bringt sie auf den neusten Stand der allgemeinen und der eigenen Forschung. So beschäftigen sich auch überregionale Medien mit seinen Thesen. „Ich würde mir aber wünschen, dass sich jemand herablässt, meine Argumente wissenschaftlich zu widerlegen.”
Die Varusschlacht ereignete sich im Herbst des Jahres 9 n. Chr.. Sie war das Ende der römischen Expansion in Germanien.
Wissenschaftler veröffentlichen derzeit, dass in Kalkriese nach jahrhundertelanger Suche der Schlachtort jetzt gefunden ist. Der römische Statthalter Varus wurde mit seinen drei Legionen von germanischen Cheruskern unter Arminius (Hermann) vernichtend geschlagen. Die Schlacht gilt als Anfang vom Ende des römischen Reiches.
Immer noch gibt es mehr als 700 Theorien zum Ort Varusschlacht. Und - wie in Wikipedie nachzulesen ist – wird auch Albert Bömer als Experte genannt.
Neben detaillierten Fakten wird das Thema Varusschlacht auf seiner Internetseite mit Bildern, Graphiken, Animationen und Filmen eingehend erörtert. Gleichzeitig beleuchtet er die bisher geläufigsten Varusschlachttheorien und stellt sie – begründet – in Frage. Denn Bömer hat eine ganz andere These und richtet das Augenmerk auf eine Region für den Ort der Varusschlacht: Achterhoek. Dass er nicht alleine mit dieser Meinung steht, zeigt das Denkmal, das im niederländischen Varssefeld (Varusfeld) an jenes Ereignis erinnert.
Schlacht in Achterhoek
Dass heute die Forscher davon ausgehen, dass die Schlacht in Kalkriese stattfand, beeindruckt Bömer nur bedingt. Denn er hat seine Theorie. Und wenn er die Führungen, etwa im Römischen Museum in Xanten besucht, brennt es schon unter den Fingernägeln, die eigene Forschung kundzutun, „aber ich halte mich schon zurück, denn die Führungen sind okay”.
Noch hat er es nicht geschafft, die Ausstellungen in Detmold, Haltern und Kalk-riese zu besuchen. „Kommt noch!” Erst vorgestern kam die Jubiläumsbriefmarke heraus. Doch Bömer ist kein Trophäenjäger, der deswegen nach Haltern reist. Daa interessieren ihn eher Fakten.
Dazu hat er jüngst ein Flugzeug bestiegen und zur Untermauerung seiner These den Niederrhein zwischen Issel und Rhein fotografiert. Denn ein Besucher seiner Internetseite aus Hamminkeln hat ihn auf einen Wall gebracht, der seine These von der Schlacht in Achterhoek untermauert.
Der Wall
„Er hat mich nämlich auf die Klever Landwehr aufmerksam gemacht. Der Wall zieht sich von Schermbeck bis kurz vor Elten. Teilstücke des Erdwalls sind heute noch zu erkennen.”
Und auch dieser Wall führt zur Achterhoek. Für Bömer ist klar: Die Klever Landwehr ist die bei Paterculus und Tacitus erwähnte Limites. Bei Römerrast vermutet er die Stelle, die Abraham Ortelius als Lager Aliso bezeichnete. Würde, so Bömer, ein hauptamtlicher Archäologe mit dem Spaten hingehen und in Varsseveld graben, er würde fündig. Bömer geht sogar soweit, dass auch andere Ortsnamen als Varsseveld durch Ereignisse im Verlauf der Varusschlacht entstanden sind. Wie Millingen, das den Namensursprung von dem Wort Milla haben könnte, dass die Römer ausgesprochen haben sollen, als sie den tausenden germanischen Kriegern gegenüberstanden.
Was wünscht sich Albert Bömer im Jubiläumsjahr? Dass die 3000-Jahrfeier in Gedenken an Forscher Albert Bömer in seiner Gaststätte „Zur Rose” gefeiert wird? „3000 Jahre Varusschlacht wird in den Niederlanden gefeiert.” Und das Schlusswort? „Der Hermann auf dem Denkmal steht falsch. Aber er guckt in die richtige Richtung.”
0mitdiskutieren