Die Stadtflucht hat eingesetzt
21.02.2012 | 17:53 Uhr 2012-02-21T17:53:00+0100
Rees. Die Reeser Jugend strebte nach dem Umzug gen Mehr aus. Den Jugendlichen wird zu wenig in der Stadt geboten. Das könnte man ändern.
Nach Rosenmontag ist vor Rosenmontag. Und so wird heute Bilanz gezogen. Denn nicht immer ist Superman zur Stelle, wenn es darum geht, den Rosenmontagsumzug am Leben zu erhalten.
Die Gruppe „Master of Disaster“ hatte sich kurzfristig entschieden, doch wieder mit einem Wagen am Zug teilzunehmen. Denn der Reeser Karneval liegt ihr am Herzen. Doch immer weniger Gruppen ergreifen die Initiative, da hohe Kosten und vor allem Zeit die Wagenbauer bremsen. Dennoch sind es besonders junge Leute, die sich im Straßenkarneval engagieren. Wie die Jungschützen des BSV Rees, die Kolpingfamilie oder die A Jugend des SV Rees.
Weitab von den Eltern
Bereits mehrmals zum Thema gemacht haben die Master of Disaster, dass der Karneval in Rees Auftrieb benötigt. Etwa indem sie vor zwei Jahren, da kein Zelt auf dem Markt gebaut wurde, kurzerhand das Zelt auf ihrem Wagen platzierten. Und hierin liegt das Problem: Wohin nach dem Umzug in Rees?, fragten sich vor allem die jungen Jecken. In diesem Jahr schien die Sonne, so dass auf dem Markt gefeiert werden konnte. Doch die Jugend begab sich auf Stadtflucht. Das Bürgerhaus hatte geschlossen. Zum Glück gab es aber den Shuttle nach Mehr. Viele Eltern hatten daher mit dem Problem zu kämpfen, dass ihre Kinder mit Freunden in Mehr feiern wollten. Weitab von den Eltern. „Wir müssen versuchen, die Jugend an Rees zu binden“, lautete der allgemeine Tenor. Momentan flüchtet die Jugend aufs Dorf. Mehr ist in.
Die Erwachsenen liefen die Reeser Kneipen oder das Kolpinghaus an, die sehr gut frequentiert wurden. Aber warum nicht gemeinsam feiern? „Hier müssten Vereine eine Abordnung für ein Gremium stellen, das die Organisation schultert“, schlug Erich Rossmöller, Vorssitzender des SV Rees, am Rande des Rosenmontagszugs vor. Von der A-Jugend, die am Umzug teilnahm, weiß er, dass sie durchaus am Karneval interessiert sind. „Und einige würden bestimmt auch die Bedienung in einem Zelt übernehmen“.
Im kommenden Jahr wird der Reeser Rosenmontagszug 30 Jahre alt. „Vielleicht ist das ein Anlass, einmal etwas Besonderes zu organisieren“, griff Herbert Arendsen vom Vorstand des Karneval Clubs den Vorschlag auf. „Aber das können wir natürlich nicht alleine als Verein Harmonie stemmen.“ Und niemand will den Wirten den umsatzstärksten Tag im Jahr nehmen. Es sei denn, man holt sie mit ins Zelt.
Zelterfahrung haben die „Rääße Dwas Driewers“, die Quertreiber. Der Wagen der Reeser Personenschifffahrt mit Rainer van Laak, Jupp und Gisela Bockem und Rheinkönigin bereicherten ebenfalls den Umzug. Sie könnten beratend zur Seite stehen. Es muss etwas geschehen, sonst wird der Reeser Rosenmontagszug eines Tages Geschichte sein.
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