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Kriminalität

Chefposten erschlichen

02.12.2009 | 05:00 Uhr

Rees. Die Geschichte klingt wie aus einem Krimi. Ein Diplom-Psychologe gerät in eine routinemäßige Fahrzeugkontrolle, einen Führerschein hat er nicht dabei. Bei der anschließenden Abfrage stellen die Beamten fest, dass der Mann überhaupt keinen Führerschein besitzt.

Im Zuge weiterer Ermittlungen kommen weitere unschöne Dinge zu Tage. Der Mann ist in ein Drogendelikt verwickelt. Mehr noch: Er hat sich mit gefälschten Unterlagen bei einer Klinik beworben und dort seit rund zwei Jahren sogar den Posten der Klinikleitung inne. Dabei hat der Mann keinen Doktor-Titel und keine Approbation, also keine staatliche Zulassung zu einem Heilberuf. Die Nachricht muss in Rees wie eine Bombe eingeschlagen sein, denn in der dortigen Fachklinik für Drogenabhängige „Horizont” arbeitete der Mann, dem dies alles vorgeworfen wird. Der Mann soll sich nach Festnahme derzeit wieder auf freiem Fuß befinden.

Fristlose Entlassung

Heinrich Schnieders, Geschäftsführer der Träger-GmbH Pro Homine, hat den Mann, der sich mit gefälschten Papieren den Job erschlichen hat, am Montag fristlos entlassen, wie er auf NRZ-Nachfrage mitteilte. Schnieders mag allerdings nur andeuten, wie die Klinik erfahren hat, dass sie einen Hochstapler beschäftigt hat. „Das war Zufall. Es gab von außerhalb der Klinik Hinweise, die zu entsprechenden Recherchen geführt haben”, sagte Schnieders. Und bestätigt quasi indirekt die NRZ-Informationen.

Schnieders bestätigte aber, dass der inzwischen gefeuerte Leiter von „Horizont” kein Psychologe ist und auch keinen der Doktor-Titel hat. „Er hatte uns einen lückenlosen Lebenslauf vorgelegt, der keinen Anlass gegeben hat, irgend etwas davon anzuzweifeln”, sagt Schnieders. Auch im Laufe der zweijährigen Tätigkeit in der Klinik habe es keinerlei Anzeichen gegeben, dass der angebliche Psychologe nicht über eine entsprechende fachliche Kompetenz verfügt habe, so Schnieders weiter.

Pikant auch, dass der ehemalige Leiter in ein Suchtdelikt verwickelt sein soll, hat er doch selbst bis Montag eine Sucht-Klinik geleitet. „Ja”, bestätigt Schnieders auf Nachfrage, „es gibt diese Vermutung.” Nicht klar ist derzeit, wie lange das Suchtdelikt zurückliegt und was ihm in diesem Zusammenhang vorgeworfen wird, ob er selbst Drogen konsumiert oder gar mit Drogen gehandelt hat. „Aber auffällig ist es ja nicht, wenn sich ein Mann im Milieu auskennt”, so Schnieders.

Darüber hinaus hat der angebliche Psychologe, der aus Süddeutschland stammt, seit einiger Zeit in der Reeser Innenstadt Praxisräume angemietet. Die Schilder sind aber bereits vor drei, vier Wochen entfernt worden.

Maria Raudszus

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