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Besohlte Schwellen

18.01.2012 | 17:01 Uhr
Besohlte Schwellen

Rees.   Die Stadt Rees hat Bedenken: Gemittelte Schallpegel im Schlafzimmer sollen nicht mehr als 30 dB(A) betragen, sie favorisiert entsprechend einen Betontrog als Erschütterungsschutz

Die Güterzüge auf der Strecke Rotterdam-Oberhausen bringen schon jetzt in manchen Halderner Wohnzimmerschränken die Gläser zum Klirren, die Stehlampen zum Umfallen. Wie soll der Erschütterungsschutz zum Schutz der Wohnbebauung aussehen, wenn künftig mit der Betuwe noch mehr und längere Güterzüge über die Strecke rollen? Die Bahn plant den Einbau von sogenannten besohlten Schwellen. Dies sind Betonschwellen, die mit elastischem Kunststoff beschichtet sind. Allerdings nur auf einer Länge von zwei des insgesamt rund 3,6 Kilometer langen Abschnitts in Haldern.

Die zunächst gute Nachricht: Diese besohlten Schwellen werden nicht nur beim dritten Gleis aufgelegt, sondern auch an den beiden bestehenden Gleisen nachgerüstet.

Aber: Die Stadt Rees sieht den Einbau der besohlten Schwellen kritisch. Wieder einmal wurde die kostengünstigste Lösung gewählt. Schon das macht misstrauisch. Zumal auch noch die fachliche Nachweisführung zur Wirksamkeit dieser Technik umstritten ist, heißt es in der Stellungnahme seitens der Stadt.

Bestandsbelastung soll um 20 Prozent erhöht werden

Denn mit den Betuwe-Plänen soll die derzeitige Bestandsbelastung noch mal um 20 Prozent erhöht werden dürfen. Das von der Stadt beauftragte Gutachterbüro geht sogar von einer 25-prozentigen Steigerung aus. Die Stadt möchte das verhindern. Nur ist fraglich, ob ihr das gelingt. Deshalb wird auf der anderen Seite gefordert, wegen der angekündigten Steigerung des Güterverkehrsaufkommens und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Anlieger, den neuesten Stand der Erschütterungstechnik voll auszuschöpfen. Und das auf kompletter Länge des Neubaugleises. Das von der Stadt beauftragte Gutachterbüro nennt unter anderem das sogenannte „Grötz-System“, das aus einem massiven Betontrog samt Unterschottermatte besteht, das für seine hohe Wirksamkeit bekannt ist und auch die technische Zulassung für Fernbahnstrecken besitzt.

Auch der sekundäre Luftschall wird sich erhöhen, laut Bahn um bis zu 2 dB(A), laut Gutachten der Stadt um 3 dB(A). „An der Strecke 3.1 muss bei mehreren Wohngebäuden davon ausgegangen werden, dass nach den Prognosewerten ein sekundärer Luftschallpegel nachts von über 35 dB(A) erreicht wird“, so die Reeser Bauamtsleiterin Elke Strede. Ein bedenklicher Wert. Denn, um einen ungestörten Schlaf zu gewährleisten, sollte der über die Schlafzeit gemittelte Schallpegel im Schlafzimmer nicht mehr als 30 dB(A) betragen, einzelne Schallpegelspitzen keinesfalls 45 dB(A) überschreiten.

Maria Raudszus

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