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„Aushängeschild ihrer Städte“

12.02.2012 | 16:21 Uhr
„Aushängeschild ihrer Städte“

Rees.   Die Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren war zu Besuch in Rees. Ein herrlicher Anblick für die Passanten

Ein herrliches Bild bot sich den Zuschauern, als sich 31 Mitglieder der Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren anlässlich ihrer Regionaltagung zu einem Rundgang durch das historische Zentrum aufmachten. Ausgerüstet mit traditionellen Gewändern trotzten sie ohne lange Unterhosen der Kälte des Tages und präsentierten dem staunenden Publikum ihre Hellebarden, Laternen, Wappen, Schilde oder Schlüssel: „Gott zum Gruße“.

Gildemeister und Reeser Nachtwächter Heinz Wellmann erläuterte seinen Kollegen aus dem Norden und Westen Deutschlands die Geschichte der Kirche St. Mariä Himmelfahrt und scherzte: „Wenn der klassizistische Bau noch heute die spitzen Türme hätte, gehörte sie wohl zum Weltkulturerbe“. Im Innenraum erwähnte Nachtwächter Heinz Belting, dass die Größe des Kirchenraums nach der Anzahl der Katholiken berechnet wurde. Denn jeder sollte einen Quadratmeter Platz haben. Ganz der Tradition verhaftet, stimmten alle das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ an, ehe sie mit dem zwölften Glockenschlag von Bürgermeister Christoph Gerwers begrüßt wurden. Er lobte sie als „Aushängeschilder Ihrer Städte“ und tauschte mit Regionalsprecher Theodor Fromme, dem Rüthner Haarmännchen, Geschenke aus.

„Schock, schwere Not, mein Eheweib ist tot...“

Die malerische Gesellschaft erwies sich beim wärmenden Glühwein als humorvolle Gruppe, die schnell ein Ständchen auf ihren Hörnern blies und gern von ihren Aufgaben erzählte. So der Obernachtwächter aus Schwelm, bei dem es jedes Jahr ein Nachbarschaftsfest mit einem bunten Umzug gibt. Oder Graf Bernhard im Rittergewand, der die Stadt Lippstadt im Jahr 1185 gründete. Frauen wie die Hexe aus Dinslaken oder die Puppenspielerin aus Hameln gehören heute – im Gegensatz zur europäischen Vereinigung – zur Gilde, denn sie haben schon im Mittelalter die Aufgaben ihrer Männer übernommen, wenn diese einmal krank waren.

Der Bocholter Nachtwächter Florian Sauret intonierte zusammen mit einem Flötenspiel auch zu diesem Thema passend ein garstig Lied: „Schock, schwere Not, mein Eheweib ist tot. Wer stopft mir jetzt die Socken, wer kocht mein Abendbrot?“ Und das gefiel sogar den anwesenden „Weibern“...

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