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Schule

Aus Zeitung Instrumente gebaut

25.09.2009 | 18:52 Uhr

Haldern. Die NRZ hat zwei Leben. Mindestens. Erst einmal ist sie Informationsquelle, dann dient sie als Unterlage. Oder kleine Kapitäne falten sie zum Schiff.

Oder große Menschen basteln aus ihr einen Hut, um den Kopf beim Anstreichen zu schützen. All das kannten die Schüler der Klasse 4b am Halderner Motenhof schon. Nicht aber, aus der NRZ ein Instrument zu bauen. Diese Idee hatte Klassenlehrerin Isabell Tekath. Gestern nun hatten die Schüler zur Aufführung des Ungarischen Tanzes Nr. 5 von Johannes Brahms geladen – im Rahmen des medienpädagogischen Zeitungsprojekts ZeusKids der Journalistenschule Ruhr.

Die Schüler hatten längst ihre gerollten Zeitungen herausgeholt, als Isabell Tekath den Knopf des CD-Players drückte. Töne von Violine und Klavier erklangen, mal sanft wiegend, mal brausend und in der Mitte mit lustigen Hupfern, wo ein Wimperschlag lang die Instrumente aussetzen. Im Takt schlugen die Schüler ihre zu Schlegeln zusammengerollten Zeitungen auf ihre Schenkel, gegeneinander oder wirbelten sie durch die Luft. Die Choreografie hatte Isabell Tekath anhand von Symbolen geschrieben. „Ganz einfach nachzuspielen”, lobte Luna (10). Und ihre Klassenkameradin erklärte dann auch gleich die Zeichen, die die Klassenlehrerin über Tageslichtprojektor an die Wand hatte werfen lassen.

„Ich mag besonders den mittleren Teil des Tanzes”, teilte Jonas mit. Weil der so schön laut und schnell sei, verriet der Neunjährige. Das wunderte seine Klassenkameraden nicht im mindesten. Denn Jonas zupft und schlägt daheim leidenschaftlich seine Gitarre. Er weiß auch schon, dass er sie beruflich nutzen will. „Ich möchte Rockstar werden”, sagt er selbstbewusst.

Das erste Leben der NRZ ist bei den Motenhof-Schülern aber auch nicht zu kurz gekommen. Morgens steht Lektüre auf dem Programm. Dann schnippelt jeder den interessantesten Text auf. Merle hat „Älteste Frau der Welt starb mit 115 Jahren” gewählt. „Das ist schon etwas Besonderes”, weiß sie. Und Till, der selbst aktiv Fußball beim SV Haldern spielt, hat Texte von der Bundesliga in sein Heft geklebt. Und gestern wurde auch noch mal das Gedicht von Josef Guggenmos aufgesagt. Zu jeder Strophe über „Das große kecke Zeitungsblatt” hatten sich die Schüler eine Spielszene überlegt. Darin gab es für ein Zeitungsblatt sogar ein drittes unbekanntes Leben. Denn „es entwich mit tausend Purzelbäumen”.

Maria Raudszus

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