Wild leidet keine Winternot
22.02.2012 | 18:58 Uhr 2012-02-22T18:58:00+0100
Plettenberg.Bei der klirrenden Kälte der vergangenen Wochen und dem aktuell nasskalten Wetter stehen Heizung, warmer Tee, dicke Socken und Feuerholz bei den Menschen hoch im Kurs. „Auch die Tiere im Wald haben eigene, sehr unterschiedliche Strategien, mit dem Sauerländer Winter fertig zu werden“, verrät Markus Ingenohl, Förster im Revier Ebbetal des Regionalforstamtes Kurkölnisches Sauerland.
Im Gegensatz zu manchem Zweibeiner, stelle der strenge Frost die meisten Waldbewohner aber vor keine allzu harte Prüfung. Ingenohl beschreibt im Gespräch mit der WR fünf Überlebensstrategien der heimischen Waldtiere.
Wenige halten demnach Winterschlaf. „Igel, Fledermäuse, Siebenschläfer und Haselmaus verschwinden komplett von der Bildfläche“, erklärt der Förster und ergänzt: „Wenn ein Igel jetzt aufwachen würde, hätte er wegen des gesteigerten Energiebedarfs keine Überlebenschance.“ Deshalb sei es wichtig, im Herbst im eigenen Garten für die putzigen Stacheltiere errichtete Laubhaufen bis zum Frühling ruhen zu lassen.
Fledermäuse verbringen den
Rot- und Rehwildim Standby-Modus
„Im Januar und Februar ist für die Füchse Ranzzeit“, weiß Ingenohl. Meister Reineke und Co. haben es aktuell bei der Nahrungssuche hauptsächlich auf Mäuse abgesehen und dabei wegen ausbleibender Schneefälle gute Erfolgsaussichten. „Mäuse fühlen sich unter einer dicken Schneedecke wie in den vergangenen beiden Wintern sehr wohl.“ Dort finden sie gut geschützt und gewärmt auch jede Menge Nahrung, etwa in Form alter Gräser.
Rotwild im Ebbegebirge und Rehwild rund um die Vier-Täler-Stadt verbringen den Winter in einer Art Standby-Modus. „Sie versuchen, möglichst wenig aktiv zu sein und nur Erhaltungsnahrung zu sich zu nehmen“, erklärt Markus Ingenohl die Theorie. In der Praxis führe „Unruhe in den Wäldern“ durch Fußgänger, Jogger, Radfahrer, Walker oder Hunde außerhalb der Waldwege aber zu erhöhter Aufmerksamkeit der Tiere, die wiederum mehr Energie erfordere. „Diesen Energiebedarf deckt das Wild durch den Verzehr von Knospen“, bedauert Ingenohl.
An gezielte Wildfütterung denkt der 50-Jährige derzeit nicht: „Von Notzeiten wie in den vergangenen beiden Wintern sind wir weit entfernt.“ Nur durch die in Salzlecksteinen enthaltenen Mineralien unterstützt der Förster aktuell die Paarhufer. Einzig die Wildschweine tun sich etwas schwer mit der Nahrungssuche, weil sie den gefrorenen Boden nicht aufwühlen, sondern nur oberflächlich absuchen können.
Auch den Pflanzen schadete die sibirische Kälte nur bedingt. „Da hatten wir schon etwas Glück“, erklärt der Förster. Bei einer weiteren milden Woche vor dem Kälteeinbruch wären die Pflanzen wohl schon zu weit entwickelt gewesen und dann erfroren.
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