Trotz treibt Kommissar Bärlach
14.02.2010 | 18:28 Uhr 2010-02-14T18:28:00+0100Plettenberg. Die Kunstgemeinde Plettenberg präsentiert am Sonntag, 21. Februar, um 19 Uhr in der Aula des Schulzentrums Böddinghausen das Kriminalstück „Der Verdacht” nach Friedrich Dürrenmatts gleichnamiger Novelle.
Aufgeführt wird es vom Theater Greve in der Inszenierung von Manfred H. Greve, der auch eine der Hauptrollen spielt.
In „Der Verdacht“ geht es nicht darum, herauszufinden, wer der Mörder ist, sondern darum, ob und wie Kommissar Bärlach wieder aus der Falle kommt, in die er hineingeraten ist. Er hat eine Krebsoperation überstanden und man nimmt an, dass er noch ein Jahr leben wird.
Er liegt im Salemspital in Bern und liest symbolischerweise in der Zeitschrift Life. Ein Bild erweckt den Verdacht seines Arztes, dass der berüchtigte Arzt Nehle, der im Konzentrationslager Stutthof ohne Narkose operierte, mit Dr. Emmenberger, dem Vorsteher einer Zürcher Privatklinik, identisch sei.
Bärlach hätte allen Grund, anderen diesen Fall zu überlassen: Erstens ist er jetzt pensioniert und zweitens hätte er wohl ein Recht darauf, sein letztes Lebensjahr in Ruhe zu genießen. Es ist keine moralische Verpflichtung, die ihn treibt, sondern ein unbändiger Trotz, „in dieser Welt zu bestehen und für eine andere, bessere zu kämpfen, zu kämpfen auch mit diesem jammervollen Leib, an welchem der Krebs fraß“.
Mit seinen Werken wollte Dürrenmatt die Zuschauer aus ihrer passiven Rolle herausreißen. Indem er verfremdete, hinterfragte und die Widersprüchlichkeit unserer Gesellschaft aufdeckte, wollte er die Zuschauer zum Denken anregen. Unbequem, provokant, gescheit, grotesk – das sind Begriffe, die Dürrenmatts stilistischen Zugriff charakterisieren.
Zitate wie „Wer das Scheitern nicht wagt, soll die Hände von der Kunst lassen“, „Vaterland nennt sich der Staat immer dann, wenn er sich anschickt, auf Menschenmord auszugehen“ oder „Niemand köpft leichter als jene, die keine Köpfe haben“ zeigen Dürrenmatts direkte, fast zynische Ausdrucksweise gegenüber den Schwachstellen der Gesellschaft.
Friedrich Dürrenmatt fordert vom Zuschauer mehr, er zwingt ihn oft in die aktive Rolle der Selbstreflexion, er erwartet ein Mitdenken, so wie seine Theaterstücke von den Schauspielern ein Feingefühl für seine Figuren fordern, damit der Zuschauer dranbleibt, mitgeht und sich mit dem Stück auseinandersetzt.
„Der Verdacht“ ist als Theaterstück bestens geeignet, diesem Anspruch gerecht zu werden, denn der Stoff ist an apokalyptischer Dramatik kaum mehr zu überbieten.
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