Staatsanwalt nach Geständnis wohlwollend
20.06.2007 | 09:12 Uhr 2007-06-20T09:12:09+0200Plettenberg/Hagen. (sam) Späte Geständnisse: Der 39-jährige Plettenberger, der im großen Stil Steuern hinterzogen haben soll, konnte sich gestern doch noch dazu durchringen, einen Großteil der Vorwürfe einzuräumen. Seine mitangeklagte Ex-Freundin zog nach
Ob es der Druck der U-Haft war oder die bohrende Befürchtung, im Hinblick auf die Beweislage und nach der Anhörung zahlreicher Belastungszeugen ohnehin verurteilt zu werden - gestern Mittag packte er doch noch aus und das nicht ohne Tränen.
Ein vermeintlicher Subunternehmer habe den Stein ins Rollen gebracht. Ihn habe er regelmäßig mit Arbeiten betraut und zu spät festgestellt, dass der überhaupt keine Firma habe und er ihm somit auch keine "Quittungen" mit Mehrwertsteuer habe ausstellen können. Daraufhin habe dieser Arbeiter für ihn "Quittungen" und einen Abfindungsbeleg besagter Subunternehmen gefälscht, die zumindest in der Form oder zu der Zeit nie für die Firma tätig geworden waren.
Auch gab er zu, dass Schecks auf Konten von Angestellten und Familienmitgliedern eingezahlt und bar wieder abgehoben worden waren. Und hier wirkte seine Begründung alles andere als unglaubwürdig und wurde auch später von der mitangeklagten Ex-Freundin bestätigt: Ihre Tochter sei zu der Zeit an Leukämie erkrankt. Sie hätten nicht gewusst, ob das Mädchen in Deutschland geheilt werden würde, sie nicht vielleicht eine Behandlung in den USA benötige. Daher hätten sie das Geld beiseite geschafft. Nicht ganz so überzeugend wirkte er allerdings, als er beteuerte, dass der Einbruch in seine Firma, bei dem kurz vor der Steuerprüfung unter anderem die Buchhaltung gestohlen worden sein soll, stattgefunden habe.
Letztendlich forderte der Ankläger drei Jahre Haft für ihn und ließ dabei keine Zweifel aufkommen: "Ohne Geständnis hätte ich vier Jahre gefordert." Im Fall der 43-jährigen Mitangeklagten, die nach ihrem Ex-Freund einige Beihilfehandlungen gestanden hatte, regte er eineinhalb Jahre auf Bewährung an. Ein weiterer Vorwurf gegen sie wegen Steuerhinterziehung wurde eingestellt.
Am 26. Juni sollen die Urteile erfolgen.
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