Oberturnwart mit Sachverstand und Herz
05.03.2008 | 22:36 Uhr 2008-03-05T22:36:35+0100Plettenberg. "Wo ist nur die Zeit geblieben?", fragt sich Gerd Komp. ...
... Am Samstag wird der jung gebliebene "Fast-70er" auf der Hauptversammlung des TuS Jahn Ohle (19.30 Uhr, Zur Post) sein Amt als Oberturnwart niederlegen, das er ein Vierteljahrhundert mit viel Sachverstand und mindestens so viel Herz ausübte. "Ich habe dieses Ehrenamt immer liebend gerne bekleidet", betont der pensionierte Pädagoge, der auch als Lehrer für Sport, Geschichte und Religion an der Geschw.-Scholl-Realschule ebenso bekannt wie beliebt dafür war, "nicht alles über den Verstand zu entscheiden, sondern manchmal einfach nur Herz und Bauch sprechen zu lassen".
Damit interpretierte Komp den Begriff von der "langen Leine" mit ausgeprägtem Fingerspitzengefühl. Autorität und freundschaftlicher Umgang mit Schützlingen in Schule und Verein standen für ihn nie im Widerspruch. "Man muss die richtige Mischung aus Wissensautorität und Freundschaft finden - dann funktioniert's."
In der Tat war und ist es oft beispielhaft, wie Gerd Komp gegenseitigen Respekt vorgelebt und damit Generationen von Kindern zu starken Persönlichkeiten geformt hat. Nicht junge Menschen nach starrem Schema zu verbiegen, sondern individuelle Stärken jedes einzelnen zu fördern, ist ihm ein Herzensanliegen.
Er "liebte" seine Aufgaben im TuS Jahn Ohle, "weil dort alles in Harmonie ablief". Harmonie ist einem wie Gerd Komp wichtig. Daher sieht er die Entwicklung, dass sich Kinder in einer immer hektischer werdenden Welt immer mehr zu ihrem Nachteil verändern, mit Sorge. "Früher konntest du als Übungsleiter ohne Probleme mit 20 und mehr Kindern in der Sporthalle arbeiten. Das klappt heute nicht mehr." Die Kinder von heute seien ungleich schwieriger anzuleiten, weil viel mehr "unter Dampf". Statt Spiel, Sport und Austoben draußen wären Stubenhocken, Glotze und Computer angesagt - das präge.
Trotzdem - oder gerade deswegen - gibt Komp einem "Dorfverein" wie dem TuS Jahn Ohle mit einer Sporthalle und einem Sportplatz vor Ort eine Zukunft. "Vorausgesetzt, die Verantwortlichen schaffen auch künftig stets neue, zeitgemäße Sport- und Bewegungsangebote. Dann hat der TuS alle Chancen."
Unter Komps Regie als Oberturnwart hat sich der Verein jedenfalls nie gegen Entwicklungen gestemmt, sondern das Gesamtangebot immer auf eine möglichst breite Basis eines modernen Mehrspartenvereins gestellt - von Turnen bis Leichtathletik, Volleyball bis Hapkido, Tanz bis Fitnesssport.
1966 kam Komp als Junglehrer mit seiner Frau Anke und den beiden Söhnen Arne und Peter in die Vier-Täler-Stadt. Kurz später wurde er in Ohle heimisch. "Das Dorf" ist ihm zur zweiten Heimat geworden, die Menschen dort ans Herz gewachsen.
Auch wenn am Samstag die Ära Komp als Oberturnwart endet, als Übungsleiter für die Leichtathletikkinder (ab 1. Schuljahr), bleibt Gerd Komp sich und dem TuS Jahn Ohle treu. Und das ist gut so.
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