"Missionator" bekehrt das Publikum
20.01.2008 | 20:38 Uhr 2008-01-20T20:38:52+0100Plettenberg. "Warum gibt es in evangelischen Kirchen keine Toiletten? ...
... Damit niemand austritt!" Thorsten Schröder und Micki Wohlfahrt strapazierten am Freitagabend als "Kabarett 3" aus Witten mit ihrem Programm "Nochma' von vorne", ein "Best Of" aus neun Jahren als Kirchenkabarettisten, die Lachmuskeln der rund 170 Zuhörer im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Nach einer kritischen Jahresbilanz hielt beim Neujahrsempfang der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg die gute Laune wieder Einzug: Viel Applaus bekamen die beiden Kabarettisten für eine tolles Programm.
Pfarrer Dietmar Auner bedankte sich zunächst im Namen des Presbyteriums bei allen Mitarbeitern und stellte dann die in elf Sitzungen erarbeitete neue Gemeindekonzeption in einer Power-Point-Präsentation vor. "Das, was Generationen in 112 Jahren geschaffen haben, müssen wir erhalten und bewahren".
Nach dem Verkauf der Krankenhausanteile und der Erhaltung der Hohage-Stiftung, fließen nur die um die Inflationsrate bereinigten Zinsgewinne in den Haushalt ein - das Kapital bleibt unangetastet. "So konnten wir gegen den Trend zwei neue Mitarbeiter für die Jugendarbeit einstellen, denen wir einen für fünf Jahre gültigen Arbeitsvertrag aus diesen Geldern geben möchten. Außerdem liegt uns ein Besuchsdienst für Alte und Kranke als Ergänzung zum Pflegedienst am Herzen, den können wir aber nur mit ehrenamtlichen Mitarbeitern organisieren", hofft Pfarrer Auner, die in der neuen Gemeindekonzeption beschlossenen Schwerpunkte Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit mit den Stiftungsgeldern weiter fördern zu können und das ehrenamtliche Engagement weiter auszubauen.
Technische Probleme verzögerten den Auftritt der Kirchenkabarettisten. Gegen 20.40 Uhr war es dann soweit: Thorsten Schröder und Micki Wohlfahrt, auf Kirchentagen erprobte Kirchenkritiker, zogen das Publikum schnell in ihren Bann und verdienten sich so im Laufe des Abends den Beifall, den sie schon zu Beginn dem Publikum abverlangten.
"Warum gibt es keine Ameisen in der evangelischen Kirche? Die sind 'In Sekten'." Die Helden des kirchlichen Alltags, Kurt und Rudi, machten sich auf den Weg durch Plettenbergs Fußgängerzone, fanden keine Peep-Show für Senioren, wussten allerdings von einer Bürgerbewegung gegen den Bau einer Moschee zu berichten. "Die wollen hier kein Minarett, dabei gibt es doch hier schon so viele Religionen", zählte Rudi alle Freikirchlichen Gemeinden, die evangelisch-lutherische, aber auch die Katholiken auf. "Das ist doch auch so eine Sekte." Auch die Vorstellung, dass die Hindus mit ihren heiligen Kühen eine Bereicherung für Plettenberg seien könnten, erheiterte die Zuhörer. "Dann hätten die in Plettenberg auch endlich einen Ku(h)-Damm."
Dann folgte der starke Auftritt vom "Missionator III" - Helmut. "Das ist der erste künstlich geschaffene Missionar, der darauf programmiert ist, alle aufzuspüren und zu missionieren, die nicht evangelisch sind." Gesagt, getan. Helmut stapfte im Elvis-Look durch den Saal, prüfte alle Besucher auf ihre Konfession, um das Ergebnis mitzuteilen: "Es gibt noch viel zu tun."
0mitdiskutieren