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St. Josef Altenzentrum

Heimleitung sucht jetzt Rat bei Expertin

25.01.2010 | 05:00 Uhr

Plettenberg. Am Freitag platzte die vorerst zweite Bombe: Nach dem Matthias-Claudius-Haus (Note 3,3) erhielt mit dem Altenzentrum St. Josef in Eiringhausen (3,6) das zweite Plettenberger Seniorenheim nur ein schwaches „Befriedigend” von den TÜV-Prüfern des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen.

Wie ihre Kollegin Marita Sievers im Matthias-Claudius-Haus hat auch St.-Josef-Leiterin Heike Biedermann den Schock über diese Beurteilung noch nicht verdaut. Dem Seniorenzentrum des Krankenhauses an der Bracht steht eine Benotung durch den MDK noch bevor (die WR berichtete).

Bereits am Freitagmittag traf sich die St.-Josef-Heimleitung zu einer ersten Analyse mit einer Mitarbeiterin von Karla Kämmer, einer freiberuflichen Organisationsberaterin in Essen, deren Fortbildungen in der Altenbetreuung und Erarbeitung von Experten-Standards sowie Risiko-Einschätzungen europaweit bekannt sind. Am heutigen Montag will Heike Biedermann einen Termin bei der ehemaligen Krankenschwester in Köln wahrnehmen.

Auf persönliche Bedürfnisse eingehen

Die Leiterin der vom Caritas-Verband Altena-Lüdenscheid getragenen Einrichtung an der Karlstraße ist überzeugt davon, die Biographie aller 126 Bewohner von St. Josef auch ohne überzogene Dokumentation genau zu kennen und so auf ganz persönliche Bedürfnisse und Wünschen eingehen zu können. Auch durch engen Kontakt zu allen in Frage kommenden Angehörigen werde in St. Josef gewährleistet, dass jeder Bewohner sein Leben nach ganz individuellen Gewohnheiten weiterführen könne.

Ein Beispiel für das Abwägen zwischen Seelenwellness und Ordnungssinn: Ein an Demenz leidender ehemaliger Buchhalter will seinen „Büro-Schreibtisch” nicht aufgeräumt wissen; natürlich lässt man ihm seine „Ordnung”.

Überhaupt sei das „zukunftsträchtige Thema Demenz” ganz wichtig: Eine Mitarbeiterin bekam gerade eine Fortbildung zur besonderen Ernährung bewilligt. Für Heike Biedermann ist die Vermittlung von Achtung und Fingerspitzengefühl gegenüber den Bewohnern an ihr Personal das Allerwichtigste.

700 Einrichtungen mit „Gut” oder „Sehr gut”

Wenn, so die Internet-Aussage, von rund 1000 vom MDK bislang untersuchten Alteneinrichtungen etwa 700 gute und sehr gute Noten bekamen, könne das nach Auffassung Biedermanns doch nur bedeuten, dass diese Heime ihre Dokumentationspflicht besser erfüllt hätten. „Das wiederum”, so denkt sie laut weiter, „könnte im Umkehrschluss auch heißen, dass die dafür notwendige Zeit bei der unmittelbaren Betreuung der alten Menschen verloren gegangen ist.”

Der geplanten umfangreichen Sanierung des St.-Josef-Altenzentrums wird mit dem Abbau von 126 auf 115 Betten Rechnung getragen. Bereits im Februar beginnen die Arbeiten an der Karlstraße. Unter anderem wird der komplette Altbau saniert, zum Beispiel mit dem Einbau von Duschen statt der Wannenbäder.

Es werden auch kleine Wohngruppen entstehen, in deren Küchen man gemütlich zusammensitzen und Ansprechpartner finden kann. Für Ende April/Anfang Mai ist wieder wie jedes Jahr eine Urlaubsfahrt geplant.

INFO:

  • Heimleiterin Heike Biedermann ist seit Eröffnung des Altenzentrums St. Josef vor 25 Jahren dabei, Pflegedienstleiterin Anja Misera seit zehn Jahren.
  • Die Beliebtheit der Einrichtung mit 126 Bewohnern zeigt sich an rund 150 ehrenamtlichen Helfern – darunter 28 Schüler – , die die festen Kräfte bei ihrer Arbeit unterstützen.

Marlis Denkert

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