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Lesung

Hatice Akyün über das Leben in zwei Kulturen

10.11.2009 | 16:49 Uhr
Hatice Akyün über das Leben in zwei Kulturen

Plettenberg. Attraktiv, lebendig, klug entwickelt die türkische Autorin Hatice Akyün bei der Lesung in Plettenberg einen munteren Dialog mit dem Publikum. Ihr Kommunikationstalent veranschaulicht das Leben in zwei Kulturen. "Ali zum Dessert" heißt das zweite Buch der 40-Jährigen aus Duisburg.

Attraktiv, lebendig, klug entwickelte die Autorin Hatice Akyün (40) aus Duisburg von Anfang der Lesung, eigentlich ein munteres Gespräch mit dem Publikum - umwerfendes Kommunikationstalent. Die Mikrofon-, Sitz- und Licht-Probleme schienen ihr zuzuspielen.

„Der Imam wurde ohnmächtig” oder, mmh!, die Damennabel: Das Publikum leckte sich förmlich die Lippen, so sinnlich beschrieb Hatice Akyün die sie immer wieder verführenden türkischen Gerichte ihrer Mama, so auch die opulente Hochzeitssuppe, nicht zu vergleichen mit der mickerigen deutschen in kleinen Dosen.

Hatices Lieblingsdessert ist seit einiger Zeit ihr Mann Ali: „Ali zum Dessert” heißt ihr zweites Buch, das sie in der Plettenberg Stadtbücherei vorstellte, doch die türkische Familie spielte wieder eine Hauptrolle. Die festliche Stopferei der Lieben, die goldenen Prunkstücke in der Leuchtvitrine, das kennen wir doch . . .?

Sogar ihre lecker perlenden Kostproben türkischer Sprache regten zum Lachen an, na, ja, bei kosendem „Ham, ham” nicht überraschend. Die Gäste, die die Bücher kannten, lachten oft und gern mit denen, die die Autorin erst kennenlernten. Plettenberg lachte sogar bei Witzen, die niemand vorher verstanden hatte.

Eine richtig gute Entertainerin

Hatice, eine richtig gute Entertainerin, die eigentlich umgehend eine eigene Talk-Show benötigte, irritiert: „Soll ich den Krankenwagen rufen?” Köstlich ihre Erinnerung an den Auftritt in der TV-Sendung „Zimmer frei”, passend, da deren Mitmoderatorin Christine Westermann ja Schirmherrin der „Nacht der Bibliotheken” ist, in deren Rahmen Hatice Akyün, die in diesem Jahr den Duisburger Preis für Tolerenz und Zivilcourage der jüdischen Gemeinde erhielt, las.

Die Zuhörer bei der Lesung in Plettenberg waren begeistert. Foto: Marlis Denkert

Eigentlich mischen seit Ali jetzt zwei türkische Familien im Leben der Journalistin mit. Mann und Kind, wenn auch nicht verheiratet, vorbei der familiäre Druck in Zeiten der permanenten Mann-Suche. Schließlich war ihr erstes Buch „Einmal Hans mit scharfer Sauce” eine einzige lange Kontaktanzeige.

Es wurde dann doch nicht der große, blonde Hans, sondern zur Freude der Familien ein Türke. Nicht mehr so relevant die Hochzeit, denn Hatice ist ja inzwischen mit ihren 40 Jahren fast so alt wie Methusalem.

Hinter all der witzigen Schilderung einer fröhlich-schmausenden turbulenten türkischen Großfamilie sind aber die sicher bitteren Probleme eines kleinen, aus Anatolien stammenden Mädchens durchaus spürbar.

Bilder von Hatice werden wach, die nur in der Schule Deutsch spricht, ohne den Bücherbus im Duisburger Vorort verloren gewesen wäre und bis heute ihr gepflegtes Hochdeutsch hoch hält. So ist auch der einzige „Tipp”, den sie bei ihren engagierten Besuchen in Schulen gibt: „Lernt Deutsch!”

Hochachtung vor ihrem starken Willen, als Frau in der türkischen Community mit ihrer Wertschätzung der Meinung „der anderen” den eigenen Weg zu gehen und, die größte Leistung, beides zusammenfügen zu können, Traditionen ihrer Eltern, den Respekt der Familie mit dem modernen freieren Leben in Deutschland. Die Bereicherung durch zwei Kulturen will sie auch ihrer kleinen Tochter vermitteln.

Mit Türken mal das Zuckerfest feiern

Hatices Hoffnung müsste sich doch erfüllen lassen: Statt zu fragen, wie unsere Türken denn Weihnachten begehen, könnte man doch mit ihnen mal das Zuckerfest zum Abschluss der Fastenzeit feiern, oder? Lecker wird es bestimmt, davon konnte man sich vor und in der Pause der Lesung überzeugen, als charmante Schülerinnen des Gertrud-Bäumer-Berufskollegs wie die Profis Tee und türkische Vorspeisen servierten, alles selbstgemacht natürlich.

Apropos: Könnten wir Mutti nicht auch nach dem Familienessen mal wirklich loben: „Gott beschütze deine Hände. Nur Vogelmilch fehlte!” Also nichts, denn Vogelmilch gibt's nicht.

Im Mai 2009 wurde Hatices Blog „Neulich in der Parallelwelt” auf westropolis.de vom Grimme-Institut aus 1700 Vorschlägen für den Grimme-Online Award 2009 ausgewählt.

Marlis Denkert

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Kommentare
20.11.2009
12:38
Hatice Akyün über das Leben in zwei Kulturen
von politikistverlogen | #6

Ich bin öfter in der Türkei: Dabei komme ich mir sehr unerwünscht vor. Eine Medaille hat immer zwei Seiten. Nur unsere Presse berichtet einseitig.

19.11.2009
23:45
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von James.Brunt | #5

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19.11.2009
21:44
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von Thomas.Lau | #4

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19.11.2009
17:03
Hatice Akyün über das Leben in zwei Kulturen
von Der Stammtisch | #3

Nun - ich gehöre nicht zu den Kannibalen und kann von daher mit solchen Rezepten kaum da was beginnen ..!

19.11.2009
15:52
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von Thomas.Lau | #2

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19.11.2009
15:39
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von Thomas.Lau | #1

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