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Ahnenforschung

Grabsteinfotos stehen im Internet

20.01.2012 | 16:04 Uhr
Grabsteinfotos stehen im Internet
Im Internet sind viele Fotos vom Holthauser Friedhof zu finden. Foto: Hendrik Schulz

Plettenberg. Hätten Sie gedacht, dass im Internet Hunderte von Grabstein-Fotos der heimischen Friedhöfe am Hirtenböhl und in Holthausen zu finden sind? Interesse an den Grabsteininschriften haben Ahnenforscher, die an aktuelle Geburts- und Sterbedaten anders nicht herankommen.

Reichlich erstaunt zeigt sich Pfarrer Dietmar Auner von der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg über dieses Internet-Angebot. „Hier nimmt man keine Rücksicht auf die Trauer der Menschen“, erachtet er die gesetzlichen Zeiten für den Datenschutz (30 Jahre nach dem Sterbetag) als richtig und sinnvoll. „Ich verstehe zwar das Interesse von Familienforschern an Familien-Daten, schließlich sind sie das Gedächtnis des Volkes, aber an die Gefühle der Hinterbliebenen denkt man wohl nicht.“

Landeskirchenamtcontra Genealogen

Auner will sich mit dem Landeskirchenamt in Verbindung setzen und nachfragen, wie die Meinung der Kirche zu den Grabstein-Fotos ist. Schließlich handelt es sich um Kirchengelände. Für solche Fotoserien müsste man seiner Auffassung nach eine Genehmigung einholen.

Täglich wächst jedoch die Zahl der Menschen, die wissen wollen, wer ihre Vorfahren waren. Sei es, um einen beeindruckenden Stammbaum der Familie zu erstellen oder weil sie wissen wollen, woher ihr Name und ihre Familie stammen. Genealogie heißt die Ahnenforschung, die durch das Internet einen gewaltigen Aufschwung erfahren hat.

Das „Stammbuch der Familie“ ist stets die erste Quelle, aus der man den Namen seiner Eltern und eventuell auch seiner Großeltern erfahren kann. Sucht man weiter zurück, von 1600 bis 1870, muss man sich in Kirchenbüchern umtun, denn die Städte und Gemeinden haben erst um 1875 damit begonnen, Geburts-, Heirats- und Sterberegister zu führen. „Berechtigtes Interesse“ muss man nachweisen, wenn man Familiendaten aus den dicken Wälzern abschreiben oder als beglaubigte Kopie mitnehmen möchte. Der Hinweis „genealogische Forschungen“ führt in der Regel zum Erfolg.

Wer Geburtsdaten einsehen möchte, ohne direkt mit den Betroffenen verwandt zu sein, muss 110 Jahre warten. Danach, so die Logik, dürfte der Geborene verstorben sein, der Datenschutz ist abgelaufen. Bei Verstorbenen gilt der Datenschutz lediglich 30 Jahre.

Auf der Suche nach Familiendaten bietet das Internet inzwischen eine Fülle von Quellen, inklusive der Grabstein-Fotos von Friedhöfen aus aller Welt. Hauptquelle aber sind die Kirchenbuch-Verfilmungen der Mormonen („Kirche der Heiligen der letzten Tage“) aus den 1930er Jahren. In deren Zentren (z.B. in Wuppertal oder Dortmund) kann man sich die Kirchenbuchfilme nach vorheriger Bestellung (Kosten zwischen 5 und 10 Euro pro Film) ansehen und Daten herausschreiben.

Sogar NapoleonsTruppen durchforstet

Weil die ganz hartnäckigen Ahnenforscher wirklich alles über ihre Vorfahren wissen wollen, wird nach Namen der Taufpaten und ihrer Beziehung zu den Familien gesucht, Verzeichnisse von militärischen Einheiten – inklusive Napoleons Regimenter – durchforstet, Auswanderungs- bzw. Passagierlisten diverser Hamburg-Amerika-Linien nach Hinweisen durchsucht oder auch andere Ahnenforscher nach Verknüpfungen zu ihren Familienzweigen befragt.

Horst Hassel

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