„Grabsteine bieten relativ aktuell Daten“
03.02.2012 | 18:01 Uhr 2012-02-03T18:01:00+0100
Plettenberg. „Grabstein-Fotos stehen im Internet“ hatte die WR kürzlich über Familienforscher und ihre Quellen berichtet. Die versuchen möglichst viel über ihre Vorfahren in Erfahrung zu bringen, sei es über Kirchenbücher, Standesamtsaufzeichnungen oder auch mit Hilfe von Grabsteinen. „Es wird immer Leute geben, die sich solche Nachforschungen verbitten“, schreibt uns Dr. Gert Fehlert dazu.
Der Wuppertaler Genealoge beschäftigt sich seit Jahren mit der Familienforschung. „Ich beschränkte mich von Anfang an nicht auf die genealogischen Daten, mich interessierte auch das Leben der Leute an ihrem Ort und zu ihrer Zeit!“ Seine Suche nach den Vorfahren beschränkt er also nicht auf Namen, Geburts- und Wohnorte, Anzahl der Kinder, Taufpaten und –daten etc., sondern erforscht auch Berufe, das soziale Umfeld der Vorfahren und vieles mehr. Grabsteine helfen ihm, relativ aktuelle Daten von Vorfahren und Verwandten zu bekommen. Pastor Dietmar Auner hatte diese Art der Veröffentlichung von „privaten“ Daten via Foto und Internet in Frage gestellt, will die rechtliche Zustimmung dazu prüfen lassen.
Dr. Gert Fehlert verweist auf moderne Internet-Datensammlungen wie Facebook: „Was sollte mich daran hindern, Facebook zu durchstöbern und Daten zu sammeln?“ Das sei neben den Grabstein-Fotos ein weiterer Konfliktpunkt. Er halte aktuelle Daten, z. B. die von Kindern noch lebender Personen, in seinen genealogischen Veröffentlichungen zurück, erwähne sie niemals schriftlich. Gert Fehlert: „In meinem Geburtsort lagern in Gewölben Dokumente, die zurückreichen bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Diese Papiere können aus Geldmangel nicht gesichtet werden. Es gab damals bezahlte Stadtschreiber, die alles, wirklich alles zu Papier brachten, was ihnen zu Ohren kam. Eine Art lebendes Facebook. Die heute mit großem technischen Aufwand elektronisch gespeicherten Daten werden höchstens ein paar Jahre existieren – für mich ein unfassbarer Wandel!“
Familiengeschichteauf gut 2000 Seiten
Am Beispiel einer genealogischen Forschung zeigt Dr. Gert Fehlert auf, wie Familienforschung erst richtig zu leben beginnt, wenn zum Beispiel die Recherchen ergeben, dass die Urahnin Angestellte in einem Schloss war, sich in den Oberförster verliebte, ein Kind bekam, dies in ein Internat kam, das Ehepaar evangelisch war, aber im katholischen Kirchenbuch geführt wurde. Das Kind besuchte später eine Elitehochschule, arbeitete als Patentanwalt, hatte Kontakte zu höchsten Kreisen der Industrie – auf über 2000 Seiten hat Gert Fehlert seine umfassenden Forschungen inzwischen gebracht. Es ist eine Familiengeschichte, eingebettet in Zeit und Raum der vergangenen Jahrhunderte.
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