Fabrikjob bringt den Durchbruch
21.02.2012 | 00:00 Uhr 2012-02-21T00:00:00+0100
Plettenberg.Dieser Ausbildungsweg ist alles – aber nicht gewöhnlich. Der 27-jährige Sebastian Grau hat gut lachen: Gerade hat er mit Glanz und Gloria seine Prüfung zum Zerspanungsmechaniker (Frästechnik) bestanden.
94 Prozent – das heißt, eine glatte Eins – gab es zum Abschluss eines ungewöhnlichen Ausbildungsverlaufs, ermöglicht durch die Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne mit Sitz in Altena. In der Tasche hat der junge Plettenberger dazu bereits seit Monaten einen Arbeitsvertrag, der direkt nach Prüfungsende in Kraft tritt.
Strahlend balanciert Grau sein Prüfungsstück in einer Hand: Der Kulissenschieber ist klein und unscheinbar. Ins Schwärmen geraten die Ausbilder der Lehrwerkstatt des Märkischen Arbeitgeberverbandes beim Funktionsscheck des Innenlebens. Hier bewegt sich alles passgenau. Die Kulissenführung erlaubt nur Toleranzen im Hundertstelbereich, sonst klemmt es.
Die Prüfer vergaben Bestnoten und die Bemerkung, es sei eines der besten Ergebnisse, die sie in langen Jahren als Prüfer überhaupt gesehen hätten.
Zweite Schicht zum Geld verdienen
Mit konventionellen Fräsmaschinen hat sich Sebastian Grau in seiner zweijährigen Ausbildungszeit nicht lange aufgehalten. „Ich arbeite gern mit Computern.“ Und das in Kombination mit Fräsmaschinen. Bei Ausbildungsbeginn hatte es bei ihm längst gezündet, hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die präzisen, schnellen Schnitte in Metall mit Hilfe modernster Technik seine Berufung sind.
Nach dem Abitur sah es für den Plettenberger weniger zielgerichtet aus. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und musste sich nach einiger Zeit eingestehen, dass Betriebswirtschaft nicht sein Ding ist. Der Job bei einem Plettenberger Metallbearbeitungsunternehmen im Bereich Zerspanung brachte den Durchbruch. Sebastian Grau wollte einen Ausbildungsplatz.
Bei der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne kann man den Facharbeiter-Brief nebenberuflich erwerben. Das dauert natürlich länger und kostet Schulgeld. Bei den meisten Angestellten zahlt das der Arbeitgeber. Aber Sebastian Grau war nicht angestellt. Auf seine Frage, ob man auch als Selbstzahler einsteigen könne und dann noch etwas Zeit habe, um das Geld für die Schule und das Leben zu verdienen, fand Geschäftsführer Horst Meier eine dynamische Lösung: Sebastian machte zwei Jahre kompakte Ausbildung in der Werkstatt; nach Werkstattschluss und am Wochenende folgte dann die zweite Schicht zum Geld verdienen.
Geht doch – ohne sich abzustrampeln und aus der Puste zu geraten: Aus dem Studienabbrecher ist längst ein Durchstarter geworden. Über moderne Frästechnik diskutiert der frischgebackene Ex-Azubi mit den Ausbildungsprofis in der Werkstatt auf Augenhöhe. Und ist schon längst einer der ihren: Den Ausbilderschein hat Sebastian Grau während seiner eigenen Ausbildung gleich mitgemacht.
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