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100-km-Tour

Extremwandern übern Kiez

27.08.2011 | 07:00 Uhr
Extremwandern übern Kiez
Der Plettenberger Josef "Jupp" Spahn nahm am vierten Hamburger Hunderter teil. Die Extremwanderung führte ihn und seine Gruppe in 23 Stunden über 100 Kilometer, darunter auch über die Reeperbahn.

Plettenberg/Hamburg.Vom P-Weg auf die Reeperbahn: Josef Spahn, Bauhofchef im Ruhestand und leidenschaftlicher Extremwanderer, startete beim 4. Hamburger Hunderter mit einer 9-köpfigen Gruppe in Hamburg-Rissen. Ziel: der Stadtteil Bergedorf. 100 Kilometer in 23 Stunden legte der Trupp um Jupp zurück. Mit Zwischenstopp im Rotlicht auf St. Pauli, für den er sich zuvor brav bei seiner Gattin Marion grünes Licht geholt hatte.

Um 20 Uhr ging es los. Organisiert hatte die Tour Martin Schmitz, bekennender Langstreckenwanderer und mehrmaliger P-Weg-Starter. Von Hamburg-Rissen führte der Weg zügig entlang der Elbe über den Europäischen Fernwanderweg E1 Richtung St. Pauli. Wandern in der Nacht bei beleuchteten Hafenanlagen und Kreuzfahrtschiffen – durchaus stimmungsvoll. Eine erste Rast wurde nach fast drei Stunden auf dem Friedhof an der Christianskirche in Altona-Ottensen eingelegt. Am Grab Friedrich Gottlieb Klopstocks wartete passenderweise eine kurze Dichterlesung.

Der Weg über die Große Freiheit, Reeperbahn und an der Herbertstraße vorbei war Kontrastprogramm pur zur beschaulichen Nachtwanderung. Mit Rucksäcken und Wanderstöcken fiel die Gruppe neben einschlägiger Leuchtreklame und der Atmosphäre von Deutschlands bekanntestem Rotlichtbezirk durchaus aus dem Rahmen.

In der einstündigen Pause versorgten Privatleute die Sportler mitten auf dem Kiez in ihrer Wohnung mit Suppe und, na klar, Sauerländer Pils.

Weiter ging’s durch die Innenstadt Richtung Bergedorf, unterbrochen von einem Stopp am Boberger See. Dieses Stück der Tour bereitete einer Mitwanderin Schwierigkeiten, sie stieg aus – ein Rückschlag für den Zeitplan.

Das Frühstück wartete bei Kilometer 45,5 nahe Wentdorf bei Freunden von Wanderführer Schmitz. Spätestens hier wurde klar: Es war kein Hunderter zum Abnehmen, eher zum Zulegen und Genießen. In Escheberg außerhalb Hamburgs gab es direkt das nächste Frühstück und einen Kurzvortrag über die Gegend – Sport lässt sich hervorragend mit Kultur verbinden. So gründete der schwedische Chemiker Alfred Nobel, der mit dem Preis, in der Stadt Geesthacht 1865 eine Fabrik zur Herstellung von Nitroglyzerin, Anfang des 20. Jahrhunderts die größte Sprengstofffabrik Europas.

Gelungene Mischung
aus Sport und Kultur

Bei bestem Wetter führte die Strecke über den Elbedeich nach Winsen an der Luhe, zum Mittagessen beim Chinesen. Ob’s an der Ente süß-sauer lag – hier stieg ein weiterer Wanderer aus. Ebenso ein Berliner Wanderfreund, der den Weg zum Ziel abkürzte, um seinen Zug zu erwischen.

Inzwischen lag die Gruppe 90 Minuten hinter ihrem Zeitplan. Bei Kilometer 84 wurde in Hoopte die Elbe überquert – das Ziel rückte langsam näher. Die erhoffte Pause in der Riependorfer Mühle fiel der mangelnden Flexibilität der Betreiber zum Opfer – gut für den Zeitplan, schlecht für den Magen.

Über eine alte Bahntrasse führte der Weg die letzten 12 Kilometer Richtung Ziel. Frisch gestärkt mit alkoholfreiem Weizen auf den letzten Metern, überschritten die sechs Verbliebenen um Josef Spahn nach 23 Stunden den Zielstrich. „Die gut organisierte Strecke war abwechslungsreich, eine gelungene Mischung aus Sport, Genuss, Kultur und St. Pauli – ein Hunderter der anderen Art“, so Spahns eindeutiges Fazit.

Bernd Maus

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