Dubiose Sammlung: Mitleidsmasche zum Geld verdienen
20.07.2007 | 09:10 Uhr 2007-07-20T09:10:38+0200Plettenberg. (jam) Wird da tatsächlich für benachteiligte Menschen in Südamerika gesammelt, wie es die Aufschrift suggeriert? Steht hier schlichtweg kommerzielles Interesse im Vordergrund? Oder sind gar, wie ein Blick ins Internet zeigt, gemeine Tierfänge
Diese Fragen drängen sich jedenfalls auf, nachdem vor etwa drei Wochen vor zahlreichen Haustüren in Ohle von Unbekannten graue Wäschekörbe deponiert worden sind. Auf dem Boden klebt eine Klarsichtfolie. Darauf wirbt ein "Club für Behinderte in Brasilien e.V., Ahornstr. 50, 65933 Frankfurt", bittet darum "Schuhe, Bekleidung, Wäsche, Textilien, Federbetten, Gardinen, Bettwäsche, Handtücher, Daunen" zu deponieren, keinesfalls aber Lumpen und Stoffreste sollen zur Wiederverwertung gesammelt werden. "Die wertvollen Altstoffe ihres Altschuhs werden getrennt und wiederverwertet. Damit entstehen dringend benötigte Arbeitsplätze."
Das Versprechen , die Körbe würden "morgen bei jedem Wetter wieder abgeholt", ist allerdings nur in Einzelfällen eingehalten worden. Viele Ohler wissen jetzt nicht, was sie mit den Körben vor ihren Haustüren anfangen sollen.
Ein Anruf bei der zuständigen Firma Ercan Recycling führt ins Leere: "Diese e-plus-Mailbox kann zurzeit leider keine weiteren Nachrichten aufnehmen", lautet die Ansage. Michael Erich Lickar, den die WR als Vorsitzenden des Vereins ausgemacht hat, kann sich das nur so erklären, dass ein Versehen unterlaufen sei "und die Mitarbeiter sich in den Urlaub in die Türkei" verabschiedet haben.
Der schlechte Ruf, den seine Organisation ausweislich zahlloser Internetforen deutschlandweit hat, ist ihm bekannt. Danach handelt es sich bei dem Club um eine "verdammte Bande" von Katzenfängern. "Angeblich sollen wir sogar Lockstoffe einsetzen", winkt Lickar ab. "Nichts davon ist wahr."
Ziemlich nah bei der Wahrheit dürfte hingegen Michael Bechatzek, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde, liegen, wenn er "rein kommerzielle Interessen" hinter der Sammlung sieht.
Denn das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen, das nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Manfred Frieling vertrauenswürdige Organisationen mit einem Gütesiegel auszeichnet, führt den "Club für Behinderte in Brasilien e.V." nicht in seiner Liste.
Hier versucht also offenbar ein Unternehmer mit der Mitleidsmasche Geld zu verdienen. Und zwar völlig legal, wie Frieling sagt. Denn nach einer Änderung des Sammlungsgesetzes sind derartige Aktionen nicht mehr anmeldepflichtig.
07:00
[Editiert von Moderator]
Auch in 35799 Merenberg wurde in der vorigen Woche eine solche Kleidersammlung mit dem Verteilen grauer Körbe durchgeführt von einer Fa. Ercan Handan Recycling. Gleichzeitig verschwanden Katzen. Auch meine Katze ist seitdem verschwunden. Ich Habe mit einem Hinweis auf die Sammelaktion und meinem Verdacht auf Zusammenhänge Anzeige bei der Polizei Weilburg erstattet.