Bürgermeister und Weltenbummler
08.02.2011 | 15:41 Uhr 2011-02-08T15:41:00+0100
Plettenberg.Es ist bezeichnend: Noch am Samstag nahm Wilhelm Wicker im Gasthof Käsebrink in Landemert an der Haushaltsplanberatung der CDU-Fraktion teil; einen Tag später verstarb der leidenschaftliche Kommunalpolitiker und bisher einzige CDU-Bürgermeister in Plettenberg im Alter von 85 Jahren. Der Träger des Ehrenrings der Stadt und langjährige Kreistagsabgeordnete war zuletzt gezeichnet von einer schweren Krankheit.
In den Jahren von 1956 bis 1979 gehörte der Finanz- und Gesundheitsexperte dem Stadtrat an und blieb noch bis 2009 in zahlreichen Ausschüssen und Gremien vertreten. „Während seines über 50-jährigen kommunalpolitischen Engagements sowie seinem Einsatz für das Plettenberger Krankenhaus hat sich Wilhelm Wicker stets für das Wohl der Stadt und ihrer Bürger eingesetzt“, würdigt Bürgermeister Klaus Müller das beispielhafte Wirken eines grundehrlichen, aber immer auch streitbaren Mannes.
Überzeugter Christ
und korrekter Beamter
Als Sohn eines Eisenbahners im Bahnhof Nachrodt kam Wilhelm Wicker am 1. November 1925 in Oestrich zur Welt. Mit zehn Jahren fuhr der junge Wicker, inzwischen in Weiße Ahe am Bahnhof Birkenhof zu Hause, jeden Tag mit dem „Herscheider“ zur Schule, zum Realprogymnasium in Plettenberg. 1940 wurde der Vater zum Bahnhof Oberstadt versetzt, jetzt fuhr Wilhelm Wicker mit dem Zug zum Gymnasium nach Altena, weil man in Plettenberg damals nur die Mittlere Reife als Abschluss machen konnte.
1943, das Abitur war noch nicht abgelegt, wurde Wilhelm Wicker zum Militär eingezogen – die Landratte kam zur Marine auf einen „Sperrbrecher“. 1944 sank das Schiff, Wicker wurde in der Festung La Rochelle/Frankreich eingeschlossen, zwei Jahre Kriegsgefangenschaft folgten.
Der Vater war inzwischen nach Wuppertal versetzt, wo der Sohn 1948 sein Abitur nachmachte. Willi Wicker ging in Wuppertal zur Bundespost, heiratete 1951 seine Jugendliebe Gerda Winkemann aus Plettenberg und trat 1952 beim Postamt Plettenberg eine Stelle als Inspektor an.
In der Folge wechselten die Dienststellen: die Post in Altena, in Iserlohn, dann Lüdenscheid. Dort war er in den letzten 20 Berufsjahren tätig, 12 davon als Amtsvorsteher einer Behörde mit 500 Mitarbeitern. Als Oberpostrat, also im Höheren Dienst, ging Wicker mit 65 Jahren in Pension.
Im Jahre 1955 wurde Wicker gebeten, sich als Presbyter der Ev. Kirchengemeinde zur Verfügung zu stellen. Wicker entschied sich damals richtig, nämlich für die Politik. Er wurde noch im gleichen Jahr Mitglied der CDU und saß ein Jahr später als CDU-Ratsherr im Stadtparlament. Treu geblieben ist seit damals nicht nur der Kirche, sondern vor allem dem CVJM.
Seine politischen Ziele konnte er immer dann mit Zufriedenheit verfolgen, wenn es nicht um Parteipolitik ging, wie im Aufsichtsrat der Krankenhaus GmbH des Kreises.
„WiWi-Reisen“
längst legendär
Zudem war er immer bemüht, Verwaltungen – bei der Post ebenso wie in der Kommune oder im Kreis – nur das machen zu lassen, was von privater Seite nicht erledigt werden konnte.
Stolz war Wicker zeitlebens auf die von ihm maßgeblich unterstützte Entscheidung, das neue Gymnasium anstatt in die Else-Aue unterhalb des Dingeringhauser Wegs ins Böddinghauser Feld zu bauen. Auch den Verbleib Plettenbergs im Märkischen Kreis, als es 1975 im Zuge der kommunalen Neugliederung dem Kreis Olpe zugeordnet werden sollte, darf sich Wicker mit als Verdienst ans Revers heften.
Seit 1970 organisierte Willi Wicker als begeisterter Weltenbummler rund 70 Studienreisen, legendäre „WiWi-Reisen“, in alle Erdteile. Es begann mit einer Fahrt nach Rom, dann ging es u.a. siebenmal nach Asien, fünfmal in die USA, zweimal nach Australien.
Wicker hinterlässt Frau, zwei Söhne und eine Tochter mit ihren Ehepartnern, Enkel und Urenkel. Die Trauerfeier findet morgen, Donnerstag, ab 14 Uhr in der Friedhofskapelle am Hirtenböhl statt, anschließend erfolgt die Beisetzung.
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