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Ärztlicher Notdienst soll ausgedünnt werden

07.09.2010 | 16:49 Uhr
Ärztlicher Notdienst soll ausgedünnt werden

Plettenberg.Sollten die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe umgesetzt werden, droht eine drastische Ausdünnung des Notdienstes auf dem Land. Peter Krieger (CDU) spricht von „fahrlässigem Patiententourismus“.

Sollten die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zum 1. Februar 2011 tatsächlich 1:1 umgesetzt werden, droht eine drastische Ausdünnung des ärztlichen Notdienstes auf dem Lande. Auf ihrer Sitzung am Montag übten Mitglieder der Plettenberger CDU-Fraktion heftige Kritik daran, dass Patienten künftig abends ab 18 Uhr, an Wochenenden und an Feiertagen nur noch zwei Notfallpraxen kreisweit zur Verfügung stehen sollen, an den Standorten Lüdenscheid und Iserlohn jeweils besetzt durch einen diensthabenden Arzt.

CDU-Mann Peter Krieger malte bereits das Szenario von einem „fahrlässigen Patiententourismus“, den die KVWL mit ihren Plänen schaffe. Angesichts nicht zumutbarer weiter Wege für die Plettenberger wollen die Christdemokraten alles daran setzen, eine Verschlechterung der Situation vor Ort zu verhindern.

Gemeinsam pfiffiges
Konzept entwickeln

Michael Kaufmann, Geschäftsführer des Krankenhaus Plettenberg, und Facharzt Martin Boncek (v.re.) diskutierten mit der Plettenberger CDU Neustrukturierungspläne der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe KVWL zum ärztlichen Notdienst .

Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Kaufmann sieht dafür gute Chancen, vorausgesetzt die Ärzteschaft vor Ort, das Krankenhaus und die Politik ziehe an einem Strang und erarbeite gemeinsam „ein pfiffiges Konzept für Plettenberg“, auf das man sich mit der KVWL einigen könne. „Wir sind bereits im Gespräch. Das kriegen wir hin. Und dann profitieren alle Seiten davon“, fügte Kaufmann am Montag optimistisch an.

Bürgermeister Klaus Müller geht auf WR-Anfrage davon aus, dass schon Anfang November ein tragfähiges Modell zur Ausgestaltung des ärztlichen Notdienstes in Plettenberg und Umgebung vorgelegt werden kann.

Die Diskussion ins Rollen gebracht hat vor Ort der Facharzt Martin Boncek mit einem Brief an den Bürgermeister und alle Ratsfraktionen. Darin schildert er seine persönlichen Bedenken, die er den CDU-Politikern am Montag noch einmal näher erläuterte. Vornehmlich sieht Boncek lange Wartezeiten auf die Patienten zukommen, weil nur zwei Ärzten im Notdienst kreisweit eben nur begrenzt Kapazitäten zur Versorgung zur Verfügung stünden.

Boncek betont aber, dass unter den Ärzten vor Ort durchaus eine geteilte Meinung zu den KVWL-Plänen herrsche. Manche seien eben auch froh über die winkende Entlastung. Schließlich habe die KVWL ihre Systemreform vornehmlich unter dem Druck einer immer älter werdenden und zunehmend ausdünnenden Ärzteschaft im ländlichen Bereich erarbeitet, die den Notdienst auf Dauer nicht mehr in gewohntem Umfang sicherstellen könne. Was Boncek fuchst: Die Ärzte seien von der KVWL bislang nicht über konkrete Pläne der Umsetzung informiert worden.

Kaufmann wies darauf hin, dass es jetzt mehr denn je auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Plettenberger Ärzteschaft und Krankenhaus ankomme. Schließlich gewährleiste das Krankenhaus an der Bracht nicht nur die notärztliche Versorgung, sondern auch einen ärztlichen Notdienst vor Ort.

Da vermutet CDU-Ratsherr Heinz-Dietmar Schulz, dass sich Plettenberger Patienten ab Februar 2011 bei Inanspruchnahme des Notdienstes aus Angst vor weiten Wegen doch lieber gleich ans Krankenhaus Plettenberg wenden. „Ein zusätzliches Patientenaufkommen kriegen wir aber im Krankenhaus nur mit Unterstützung der niedergelassenen Ärzte organisiert“, entgegnete Kaufmann.

Bernd Maus

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