Hilfsprojekt : Plettenbergerin erlebt das Elend in Sri Lanka

Plettenberg/Weligama. Verkehrs-Chaos, verrostete Autos, meist Dreiräder, zerstörte Häuser: Alles ist anders, alles atmet Armut, fand Verena Boßhammer aus Plettenberg. Als sie vom Flughafen Colombo im Jeep in Richtung Weligama im Süden von Sri Lanka fuhr, spürte sie, wie wichtig Hilfsprojekte sind.
Die gebürtige Plettenbergerin Verena Boßhammer, deren Eltern in Eiringhausen wohnen, studierte in Köln und lebte elf Jahre lang dort. Dann zog die heute 33-Jährige zusammen mit ihrem kleinen Sohn Till nach Dortmund. Hier arbeitet sie an einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung mit schwierigen Kindern, denen es aber – jedenfalls in materieller Hinsicht – viel besser geht als den meisten jungen Leuten in Sri Lanka.
Die gelernte Journalistin Susanne Loos, ebenfalls gebürtige Plettenbergerin, die seit 1994 in Sri Lanka lebt, ist eine alte Freundin von Verenas Mutter Christa. Verena erfuhr viel über die Hilfsprojekte von Susanne, der Jayawickreme-Foundation, die Susanne zusammen mit ihrem Mann Sujith Jayawickreme betreibt.
Im Sommer dieses Jahres konnte Verena endlich ihren Plan verwirklichen und sich diese Hilfsprojekte einmal direkt vor Ort anschauen. Die 33-Jährige hatte Glück: Sie reiste während der Regenzeit – und es regnete nicht! So kam Verena mit den klimatischen Verhältnissen ganz gut zurecht. Sechs Stunden dauerte die rumpelige Fahrt bis zum Haus von Susanne und ihrem Mann Sujith in Sri Lanka.
Menschen wohnen in Slums
„Man kann sich das hier gar nicht vorstellen, das muss man gesehen haben!” Der Eindruck, in einem Entwicklungsland gelandet zu sein, verstärkt sich für Verena Boßhammer bei der Fahrt durch die Slums: Hier wohnen Menschen in Behausungen, die diesen Namen eigentlich nicht verdienen: in Wellblechhütten, deren Wände ersetzt sind durch alte Tücher oder Abfallprodukte. Wohnen direkt am verschmutzten Fluss, hier wird gebadet, hier findet alles statt.
Gar nicht vertraut schienen der Plettenbergerin aber auch westliche Gebäude, etwa von Coca Cola oder Pizza Hut: „Die wirkten auch ziemlich fremd daneben, was für ein Gegensatz!” Touristen, die es nach dem Tsunami nicht mehr so häufig gibt, müssen das Elend des Landes natürlich nicht sehen, denn das Land an sich ist wunderschön: „Einfach himmlisch, die Straße am Ozean entlang.”
Korruption und Unruhen
Immer wieder die Frage: „Wovon leben die Leute hier eigentlich?” Denn es gibt im Land keine Industrie, und die Landwirtschaft gibt für die Kleinbauern nicht viel her. Korruption und Unruhen verhindern Kontinuität. So versuchen die Menschen, mit etwas Landwirtschaft, kleinen Handarbeiten oder einfach mit Betteln über die Runden zu kommen, mehr schlecht als recht natürlich. „Überflüssiges” Geld, wie für die Schule, ist einfach nicht vorhanden.
Susanne Loos und ihr Mann betreiben in Weligama , einem kleinen Örtchen mit ein paar Läden, der Post und eben den Gebäuden der Stiftung, eine Plantage. Auf dieser Estate werden Kautschuk, Kokosnüsse und Bananen angebaut. Das Ehepaar will aber andere am Wohlstand teilhaben lassen und bietet durch ihre Foundation einige Möglichkeiten, aus der Armut herauszukommen, und das möglichst im Rahmen von Hilfe zur Selbsthilfe.
Spenden besonders wichtig
Wenn Susanne Loos ein- bis zweimal jährlich in ihre alte Heimatstadt Plettenberg kommt, wirbt sie um Spenden für ihre Hilfsprojekte, um dann zu diesem Zweck weiter durch Deutschland zu ziehen. Gerade jetzt, so Verena Boßhammer, sind Spenden besonders wichtig, denn der Langzeit-Hauptsponsor Playmobil will sich zurückziehen. Es fehlt an allen Ecken und Enden, und die Projekte müssen dauerhaft weiterlaufen, um wirklich Hilfe zu bringen.
Verena Boßhammer konnte sich vor Ort von den Projekten überzeugen. Die Menschen in Weligama und Umgebung leben in ärmlichsten Hütten aus Lehm und Pappe, bei Dauerregen versinken auch die Menschen in Apathie und Depression. Die Männer trinken, die Frauen und Kinder leiden.
Dass sie dennoch etwas schenken wollen, fand Verena besonders eindrucksvoll. Nach diesem Besuch in Sri Lanka hat sich Verenas Einstellung zum westlichen Luxus noch einmal relativiert, gerade in der Zeit vor Weihnachten. Bei ihrem Söhnchen Till ist ihr schon gelungen, das umzusetzen und den Kleinen zu überzeugen, von seinem kleinen Luxus etwas abzugeben.
Stiftung unterstützt Kindergärten und Schulen
Die Stiftung baut, je nach Antrag und Dringlichkeit, neue weiße Steinhäuser, 5000 Euro kostet eins. Der psychologische Effekt ist ebenso groß wie der gesundheitliche.
Die Stiftung betreibt zum einen Kindergarten und Grundschule mit nachmittäglichen Sprachkursen und sorgt auch für die in Sri Lanka obligaten Schuluniformen. Zum anderen werden feste Häuser gebaut, die Grundlage für ein Leben aus der Armut heraus sein sollen. Menschen, die sich mit kleinen Firmen selbstständig machen, werden über einfache wirtschaftliche Zusammenhänge aufgeklärt, damit sie ihre Arbeit zum Beispiel nicht über einen Zwischenhändler unter Wert verkaufen.
Es gibt aber auch Startkapital, beispielsweise für eine Frau, die zu Hause Zigaretten dreht oder Werkzeuge für einen Schreiner. Stets soll es sich um eine bedarfsbezogene Hilfe handeln.
Auch eine Altentagesstätte für 40 einsame Senioren umfasst die Foundation, man verbringt den Tag zusammen, kocht gemeinsam, sieht fern und unternimmt Wallfahrten zu buddhistischen Heiligtümern. Verena Boßhammers Geschenk an das Seniorenheim war eine solche Wallfahrt mit dem Bus, für die alten Leute ein wirklicher Höhepunkt.









