Zwischen Porzellan und Pistolen in Oberhausen

Marcus Paashaus und seine Frau Giuseppina haben das gleichnamige, über 100 Jahre alte Sterkrader Fachgeschäft übernommen.
Marcus Paashaus und seine Frau Giuseppina haben das gleichnamige, über 100 Jahre alte Sterkrader Fachgeschäft übernommen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit über 100 Jahren führt die Familie Paashaus ein ungewöhnliches Geschäft. Sie verkauft Geschenkartikel und Waffen.

Oberhausen..  In eine nur auf den ersten Blick unauffällige Ecke der Sterkrader Innenstadt drückt sich ein Geschäft, das wohl deutschlandweit einzigartig ist. Die Familie Paashaus verkauft in ihrem Laden an der Bahnhofstraße einerseits höherwertige Geschenkartikel aus Glas und Porzellan – und anderseits Gaspistolen und Messer. Eine recht ungewöhnliche, über 100-jährige Tradition, die mit Marcus Paashaus (36) nun in der fünften Generation weitergeführt wird.

In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Familienunternehmen wie in NRW. 25,6 Prozent der hier ansässigen Firmen sind laut Institut für Mittelstandsforschung familiengeführt, besonders viele im Einzelhandel. Der Generationenwechsel, der vielerorts Sorge bereitet, klappt in Sterkrade vergleichsweise gut. Ob Modehaus Lantermann, Café Cordes oder das Spielwarengeschäft Bartz – die nächste Generation rückt nach.

Für Marcus Paashaus stand schon früh fest, dass er das Geschäft seiner Eltern übernehmen wird. „Da war ich fünf Jahre und habe meiner Oma bei der Arbeit zugeschaut“, sagt der Sterkrader. 1996 hat er im Kaufhof seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht, dann freiberuflich Geschäfte bei der Präsentation ihrer Waren beraten und später für den Glas-Spezialisten Nachtmann in Köln gearbeitet. Nach Sterkrade wollte er zurück: „Ich komme hierher und bin traditionsbewusst.“

Dass sein Geschäft ein sensibles ist, dessen ist sich Marcus Paashaus bewusst. Hinter einer Glastheke rechts am Geschäftseingang sind auch Messer, Gaspistolen und auch Softair-Waffen, aus denen kleine Plastikkugeln geschossen werden, ausgestellt. Scharfe Waffen gibt es aber keine.

Längst nicht allen Kunden verkaufe er seine Waren, betont Paashaus: „Ich schaue mir die Menschen genau an.“ Wer voller Wut ins Geschäft komme, wer schon auf den ersten Blick bedrohlich wirke, den schicke er weg. Mit Opfern von Straftaten oder Senioren, die sich unsicher fühlen, suche er das beratende Gespräch.

Am Zilianplatz hat der Ururgroßvater das Familienunternehmen einst gegründet. In seiner Werkstatt schliff er Scheren und Messer, zog 1920 dann ins Haus an der Bahnhofstraße, in dem die Familie auch heute noch lebt. Im Geschäft arbeitet Paashaus mit seiner Frau, seinen Eltern und einer Angestellten. Als neuer Inhaber hat der 36-Jährige dem Laden auch schon seine eigene Handschrift verpasst: Neue LED-Lampen leuchten die Artikel aus, beim Porzellan finden sich nun Britto-Figuren und künstlerische Motive von Rizzi oder Hundertwasser.