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Zwischen blutigen Nachthemden

25.09.2009 | 17:12 Uhr

Maggy Plehn arbeitet in ihrem Traumberuf. Seit der Eröffnung vor zehn Jahren näht sie Kostüme für das heutige Metronom-Theater.

Sie hat Drachen eine feuerfeste Haut verpasst und konnte nicht verhindern, dass eine fesche Biene plötzlich im Höschen auf der Bühne stand. Sie war umgeben von Schönen und Biestern, näht Vampiren ihre Rocksäume zurecht und freut sich auf Hexen mit schrumpeligen Warzen-Nasen. Maggy Plehn ist Kostümschneiderin am Metronom Theater und feiert dieser Tage – zusammen mit dem Theater – Jubiläum: Seit zehn Jahren, also seit Bestehen des Hauses, arbeitet die Gelsenkirchenerin in dem Oberhausener Musical-Theater am Centro.

Fieser Schneemann und ein nacktes Bienchen

Maggy Plehn bei der Arbeit. Der Saum des Vampir-Rocks ist frisch vernäht. Foto: Hayrettin Özcan

Angefangen hat alles 1999 mit „Tabaluga und Lilli”, daran erinnert sich Maggy Plehn noch ganz genau. Viele der Kostüme hat sie damals selbst geschneidert, nach Zeichen-Vorlage. Den fiesen Schneemann Arktos hat sie ebenso eingekleidet wie die Affen und Ameisen. Bei den Bienen habe sie auch Hand angelegt, erzählt sie und muss lachen: Ein Mal hat sich bei einem Bienen-Rock während der Vorstellung der Knopf gelöst und die Darstellerin stand im Höschen auf der Bühne.

Info
Die Geschichte

Ausstellung im Foyer

Eröffnet wurde das Haus – damals unter dem Namen Tea-tro Centro – am 24. September 1999 mit dem Musical „Tabaluga und Lilli”, das 2001 wegen schlechter Zuschauerzahlen eingestellt wurde. Es folgten „Vom Geist der Weihnacht” (2001 und 2003), „Falco meets Amadeus” (2002) und „Blue Balance” (2004/2005). Die Erfolge waren eher mäßig.

Im August 2005 übernahm Stage Entertainment das Haus und benannte es in „Metronom Theater” um. Nach einem Groß-Umbau (Kosten: 30 Millionen Euro) feierte Ende 2005 „Die Schöne und das Biest” Premiere. Es folgte die „Blue Man Group” (2007-2008), seit November tanzen die Vampire in der Neuen Mitte. Im März 2010 kommt „Wicked - die Hexen von Oz”.

Ab Montag zeigt eine Ausstellung im Theater-Foyer die Geschichte des Hauses – mit Requisiten, Fotos und dem Grundstich-Spaten. Geöffnet montags bis freitags, 14 bis 16 Uhr, Eintritt frei.

Lang ist's her. Mittlerweile läuft mit „Tanz der Vampire” die insgesamt achte Produktion. „Als sie erfahren hat, dass die Vampire kommen, hat sie sich wahnsinnig gefreut”, verrät Theater-Sprecherin Kristina Frinke, ein breites Grinsen verrät die Untertreibung. „Ich hab' halt immer davon geträumt, gerade mit diesen Kostümen zu arbeiten”, erklärt Maggy Plehn und streicht über den voluminösen Spitzenrock, dessen Saum sie gerade genäht hat. Geträumt hat die 41-Jährige auch als Kind schon, nämlich davon, einmal Schneiderin zu werden. Ihr Traum ist in Erfüllung gegangen und die Mutter einer Tochter kann sich keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen als den, den sie hat: Zwischen blutverschmierten Nachthemden und löchrigen Strumpfhosen sitzt die sympathische Frau und lässt ihre Nähmaschine rattern. Sie stutzt, was zu lang ist und bessert aus, was beim Tanzen gerissen ist.

Blutsaugerrot und Hexengrün

Ab März nächsten Jahres wird sie sich um die Kostüme der „Wicked”-Hexen von Oz kümmern, worauf sie sich schon mächtig freut, genauso wie Kristina Frinke. „Dann passt auch die Farbe des Daches wieder”, das – im Moment Blutsauger-Rot angestrahlt – wieder in seinem ursprünglichen Drachen-Grün leuchten kann. „Tanz der Vampire” laufe ganz hervorragend, sagt die Sprecherin und ist sich sicher, dass es mit „Wicked” auch erfolgreich weiter geht. Auf die nächsten zehn!

Nadine Gewehr

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