Zwischen Angst und Hoffnung
17.06.2009 | 19:02 Uhr 2009-06-17T19:02:00+0200
Der Schauspieler Mohammad-Ali Behboudi glaubt an Veränderungen im Iran, wo er noch viele Verwandte hat
Mohammad-Ali Behboudi hat Angst. Aber er hat auch Hoffnung. Welches Gefühl überwiegt, ist schwer zu sagen. Vielleicht gehört ja auch beides zusammen in diesen Tagen, wenn du in Deutschland zu Hause bist, dich in Oberhausen heimisch fühlst, aber den Iran noch immer deine Heimat nennst. Eine Heimat, mit der der Schauspieler eigentlich ständig in Kontakt steht. Eigentlich. Denn seit einigen Tagen gibt es plötzlich Probleme mit den Kommunikationswegen.
Niemandem muss man erklären, warum beispielsweise das Telefonieren auf einmal so schwierig ist. Doch trotz der Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen findet der 52-jährige Behboudi noch Kanäle, um sich zu informieren, und was er hört, ist nicht schön. Allein bei einem Überfall auf ein Studentenheim sollen die Revolutionsgardisten sieben Menschen getötet haben.
„Meine Brüder und Schwestern sind alle älter als ich, sie werden nicht mehr auf die Straße gehen”, sagt Behboudi. „Aber um ihre Kinder mach' ich mir Sorgen.” Wie er selbst 1979 bei der Revolution gegen den Schah, so würden wohl auch seine Nichten und Neffen heute für Veränderungen kämpfen. „Wer seine Ideale durchsetzen will, muss auch den Preis bezahlen.”
Einige aus der Familie seien schon 1979 auf die Straße gegangen, so Behboudi, und viele seien sehr religiös. „Aber alle sind sehr, sehr enttäuscht.” Der Familienvater, der mit Frau und zehnjährigem Sohn in Alstaden lebt, ist fest davon überzeugt, dass Mahmut Ahmadinedschad durch Manipulation zum Wahlsieger wurde.
Vor vier Jahren bei seiner ersten Wahl, da hätten sich die Menschen vielleicht noch von ihm blenden lassen. „Was geht es mich an, was die Frauen anziehen”, habe Ahmadinedschad etwa gesagt, „ich muss mich um die Wirtschaft kümmern, das ist wichtiger.” Am Ende sei aber alles noch viel schlimmer geworden als vorher. Besonders die jungen Leute litten unter dem Mangel an Freiheit, und im Iran seien 70 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahre alt.
Und was wird nun passieren in Teheran? Eine Prognose sei äußerst schwierig, meint Behboudi, der schon seit 1995 am Stadttheater arbeitet. Dennoch scheint er durchaus an Veränderungen zu glauben. „In 30 Jahren islamischer Republik gab es immer wieder Unruhen, aber jetzt haben sie eine andere Dimension bekommen.”
Die fortschrittlichen Kräfte seien keine Kommunisten oder eine vom Ausland gesteuerte Opposition. „Mussawi war acht Jahre lang Premierminister, Rafsandschani ist Präsident des Expertenrates und war ein Vertrauter von Ayatolla Khomeini.”
Im Übrigen würden derzeit ähnliche Strategien angewandt wie beim Sturz des Schahs. So stiegen die Menschen jeden Abend zwischen 22 Uhr und 22.30 Uhr zu Hunderttausenden auf ihre Dächer und riefen „Allah ist mächtig”. Oder es würden Demos des Schweigens abgehalten, bei denen absolute Stille herrsche. „Mussawi ist klug, er ruft die Menschen zur Besonnenheit auf, damit sie keine Angriffsflächen bieten.”
Dann präsentiert Behboudi plötzlich ein internes Papier aus dem Innenministerium, das man ihm zugespielt habe und das die echten Wahlergebnisse wiedergebe. Demnach hat Mussawi 19 Millionen Stimmen erhalten, Karobi 13 Millionen und Ahmadinedschad auf Platz drei nur 5,6 Millionen.

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