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Zwei Männer, zwei Worte

04.02.2010 | 09:46 Uhr
Zwei Männer, zwei Worte

Oberbürgermeister Klaus Wehling (SPD) wehrt sich gegen Kritik von Centro-Chef Frank Pöstges-Pragal und wirft der Presse mangelnde Sorgfalt vor.

KOMMENTAR
Wer setzt, baut noch lange nicht

Von Thomas Schmitt

Setzen Sie auch fest auf die Erweiterung des Centro? Oder auf einen Sieg von RWO am Freitag gegen Rostock? Ich auch.

Heißt das aber nun, dass sich 2010 in der Neuen Mitte die Kräne drehen und das Centro mitten in der noch nicht überwundenen Wirtschaftskrise Millionen in die Hand nimmt? Oder dass Rostock gar nicht erst anreisen muss? Mitnichten!

Centro-Chef Frank Pöstges-Pragal sagt heute, was er schon im großen WAZ-Interview Anfang November 2009 gesagt hat: „Die Erweiterung wird kommen.” Wann, das indes steht in den Sternen, da der Finanzmarkt ein solches Projekt derzeit schwierig macht.

Der Unterschied zwischen „Ich setze ...” und „Wir bauen ...” ist mindestens so groß wie die Qualität von Wirtschaftsförderung auf Chef- oder nur auf Bereichsebene. Und genau dort liegt der Hase im Pfeffer.

Anstatt für eine Aussage zu einem der wichtigsten Projekte dieser Stadt in naher Zukunft selbst zu handeln, überließ Wehling dies Mitarbeitern. Und selbst jetzt, da er „nass” ist, schickt er seinen Sprecher ins Gefecht, statt selbst zu reden.

Diese Zeitung bleibt am Ball. Monat für Monat werden wir an der Neuen Mitte nach den Kränen schauen. Darauf können Sie bauen, nicht setzen.

Oberbürgermeister Klaus Wehling (62) und Centro-Manager Frank Pöstges-Pragal (44) haben am Dienstag nun persönlich über die geplante, rund 80 Millionen Euro teure Erweiterung des Einkaufszentrums in der Neuen Mitte gesprochen. Der Widerspruch in ihren Aussagen bleibt.

Es bestehe kein Anlass, „auch nur eine Silbe aus meiner öffentlichen Rede zurückzunehmen oder zu korrigieren”, ließ Klaus Wehling (SPD) Dienstagnachmittag über seine Pressestelle mitteilen. „Auch nach der öffentlichen Berichterstattung und nach einem intensiven Meinungsaustausch mit der Centro-Geschäftsführung vom heutigen Tage ist meine Zuversicht ungebrochen, dass noch in diesem Jahr mit den Arbeiten begonnen werden kann”, so der Oberbürgermeister.

Miteinander gesprochen

„Wir wollen und werden uns nicht festlegen lassen”, sagte Centro-Chef Frank Pöstges Dienstagabend. „Ich stehe zu meinen Aussagen von Montag. Es wäre unseriös, zu sagen, dass wir 2010 mit dem Bau beginnen.” Richtig sei, dass man nach der Berichterstattung in den beiden Oberhausener Tageszeitungen am Dienstag miteinander gesprochen habe. „Wir haben die entstandenen Irritationen ausgeräumt”, so Pöstges, „damit keiner keinem etwas nachträgt.”

Zudem beteuert Pöstges, dass er nicht damit gerechnet habe, dass sein Widerspruch zu Wehlings Aussagen vom Neujahrsempfang am vergangenen Freitag eine solche Welle schlagen würde. „Ich wollte Wehling nicht als Lügner dastehen lassen.”

Presserat und Paragraphen

Wehling schickte am Dienstag aber nicht nur seine Stellungnahme in die Redaktion, sondern ließ über seinen Sprecher Rainer Suhr auch mitteilen, dass er die Berichterstattung in WAZ und NRZ „für unvereinbar – mindestens – mit den Ziffern 2 und 9 der Publizistischen Grundsätze des Deutschen Presserates” halte. Zudem seien auch Tatbestände der Paragraphen 186 bis 188 Strafgesetzbuch erfüllt.

Im Klartext werfen Wehling und sein Pressesprecher beiden Zeitungen dieser Stadt mangelnde journalistische Sorgfaltspflicht (Ziffer 2 Pressekodex) und Ehrverletzung (Ziffer 9) vor; beziehungsweise üble Nachrede und Verleumdung (StGB). Das Gesetz sieht in letzteren Fällen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren vor. Was aber ist passiert?

Rede beim Neujahrsempfang

Ausgangspunkt ist die Rede des OB auf seinem Neujahrsempfang am Freitag. Dort hatte Wehling zur Erweiterung des Centro wörtlich gesagt: „Auf der anderen Seite der Bahn werden sich noch in diesem Jahr die Kräne drehen. Die Centro-Erweiterung soll beginnen. Da bin ich sehr dankbar für ein entsprechendes Signal des Managements. Für diesen Ausbau haben Centro und Verwaltung bis zum Bundesverwaltungsgericht gekämpft und gewonnen. Mitten in der noch nicht überwundenen Wirtschaftskrise nimmt das Centro Millionen (Anm. d. Red.: Hier wich der OB vom Manuskript ab. Dort steht: Geld) in die Hand.”

Nach entsprechender Berichterstattung in WAZ und NRZ kam Frank Pöstges Montag einem Anruf der Redaktion zuvor und zeigte sich verwundert über die Aussagen des OB. „O-ha, ich frage mich, welche Signale ich ausgesendet habe”, so Pöstges. Die aktuelle Situation sei „keine Schlagzeile wert”. Pöstges sprach von dem üblichen Versuch, „auf Empfängen gute Nachrichten unters Volk zu bringen. Wir arbeiten intensiv an der Erweiterung, aber ob sie 2010, 2011 oder 2012 kommt, das steht in den Sternen.”

Nicht konkret genug

Im Hauptausschuss hatte Wehling am Montag zuvor bekräftigt, dass mit der Erweiterung am Centro „noch in diesem Jahr begonnen wird”. Weil CDU-Fraktionschef Daniel Schranz dies aber nicht konkret genug war, schob Wehling nach, dass er nicht sagen könne, ob es die große Erweiterung oder kleinere Maßnahmen seien. Dazu hätte sich die Geschäftsführung nicht geäußert.

Nachdem Stadtsprecher Suhr in unserem Internetportal „DerWesten.de” abends die Berichte und Kommentare in beiden Zeitungen gelesen hatte, drängte er telefonisch auf Änderungen. Er könne beweisen, dass das Centro die Aussagen Wehlings genehmigt habe.

Kommunikation per Mail

Um 20.52 Uhr lag der Redaktion ein E-Mailverkehr zwischen den Pressestellen Centro und Stadt vor. Daraus geht hervor, dass das Centro keine Einwände dagegen hat, wenn OB Wehling sagt: „Bei den Projekten privater Investoren setze ich fest auf die Erweiterung des Centro.” Pöstges dazu: „In dem Satz ist nicht die Rede von 2010.” Hintergrund für die Korrespondenz der Pressestellen war die Anfrage einer Boulevardzeitung zu den Erwartungen von Oberbürgermeistern für das Jahr 2010. Da dieser Satz die Äußerungen Wehlings auf dem Neujahrsempfang nicht legitimiert, entschieden beide Redaktionen gegen 21.30 Uhr ihre Berichte nicht zu ändern.

Widersprüche zwischen den Aussagen Wehlings und Pöstges' gibt es nicht nur im Hinblick auf den Baustart, sondern auch im Hinblick auf die Kontakte miteinander. Wehling sagt: „Fakt ist: In den vergangenen drei Wochen gab es mindestens fünf persönliche bzw. telefonische Kontakte zwischen mir bzw. meinen engsten Mitarbeitern und dem Centro-Management. In jedem dieser Gespräche ging es um Finanzierungsfragen und die Erweiterungschancen noch in diesem Jahr.”

Pöstges sagt dazu: „Wir haben vor zwei oder drei Wochen telefoniert. Dabei ging es nicht um die Erweiterung. Es mag sein, dass ich am Ende des Gesprächs gesagt habe, wir seien auf einem guten Weg, einen Baustart für 2010 habe ich nicht angekündigt.”

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Thomas Schmitt

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