Zuschauer ermitteln beim "Mord im Alltag" in Oberhausen

Leiche im Schaufenster. Wie konnte es zu dem Mord kommen? Das Publikum ermittelt.
Leiche im Schaufenster. Wie konnte es zu dem Mord kommen? Das Publikum ermittelt.
Foto: Axel J. Scherer
Was wir bereits wissen
Das Theater Oberhausen inszeniert einen "Mord im Alltag" in der Oberhausener Innenstadt - und die Zuschauer müssen noch drei Mal das Motiv ermitteln.

Oberhausen.. Spannender als jeder Krimi ist die Teilnahme am Außenprojekt „Mord im Alltag“ des Theaters Oberhausen, das Uwe Mengel, Autor und Regisseur, im leer stehenden Ladenlokal an der Marktstraße 127 in Szene setzt.

Wer sich darauf einlässt, spielt die Rolle des Kommissars, des Psychologen und des Krimi-Lesers zugleich, geht es doch darum, herauszufinden, wie es zu der unfassbaren Tat kam. Es geschah in Oberhausen. Christine Bischoff (31) ist von Elfriede Mosbach (43), Wohnort Hamburg, in ihrer Wohnung getötet worden. Zweifel daran, dass Frau Mosbach, gespielt von Susanne Burkhard, die Mörderin sei, bestünden nicht, wie die Projektteilnehmer gleich zu Beginn erfahren. Fingerabdrücke seien eindeutig identifiziert worden, außerdem habe sie die Tat gestanden.

Deshalb kämen auch Leonhard Haas (31, Moritz Peschke), enger Freund von Elfriede Mosbach, der das Mordopfer entdeckte, ebenso wenig als Täter in Frage wie ihre Stiefschwester Mia Fröhlich (31, Anja Falkenhan), die in Frankfurt wohnt, und Holger Hoffmann aus Dresden (53, Henry Meyer), entfernter Verwandter und Liebhaber des Opfers.

In Kabinen platziert

Mit der Aufforderung, dass alle diese vier Personen ihnen nun zum Gespräch zur Verfügung stünden, werden die Projekt-Teilnehmer ins Rennen geschickt. Der Regisseur hat sie getrennt voneinander in Kabinen platziert, die allerdings Platz für mehrere Fragensteller bieten. Das erleichtert es, Hemmungen zu überwinden und Fragen zu finden, deren Beantwortung durch die Beteiligten den Krimi Mosaikstein für Mosaikstein zusammenfügen.

Fast beängstigend gelingt es den Schauspielern, ihren Rollen treu zu bleiben und dem Publikum vorzuführen, wie schwierig es ist, ihre Charaktere zu ergründen. Immer mehr Details des komplizierten Beziehungsgeflechts werden aufgedeckt. Immer mehr Zweifel daran, ob sie die Wahrheit sagen, kommen auf – und das steigert den Ehrgeiz der Fragensteller enorm.

Faszinierendes Spiel

Als nach zwei Stunden Uwe Mengel verkündet, dass das Spiel nun zu Ende ist, wüsste man gern, ob es einem gelungen ist, genug herauszufinden, um den Tathergang zu verstehen. Doch die echte Geschichte dieses Mordes bleibt Geheimnis des Regisseurs und der vier Darsteller. Pikantes Detail: Die Leiche ist zugegen, gespielt von Zoya Zolotareva, der es gelingt, die gesamte Spieldauer regungslos im Schaufenster des Ladenlokals zu liegen. Doch um mitzubekommen, wie viele Passanten das Handy zückten, um sie zu fotografieren, war das Spiel zu faszinierend.

An drei Abenden ist noch Gelegenheit, an diesem gelungenen Projekt teilzunehmen: Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 18 bis 20 Uhr.