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Kriminalität

Zum Klauen erzogen - mehr Kinder-Diebe aus Ost-Europa

30.07.2012 | 08:00 Uhr
Zum Klauen erzogen - mehr Kinder-Diebe aus Ost-Europa
Wie in dieser gestellten Szene gehen immer wieder Kinder und Jugendliche auf Beutezug – oft im Auftrag von Erwachsenen.Foto: dapd

Oberhausen.  Immer häufiger gehen strafunmündige Kinder in Oberhausen auf Diebestour. Nicht selten kommen die jungen Diebe aus Ost-Europa und werden von Familienangehörigen zum Klauen erzogen. Für Polizei, Justiz und Jugendamt ist es fast unmöglich geworden, die jungen Täter aus dem Teufelskreis zu befreien.

Einige klauen im Vorbeigehen Geldbörsen, andere tarnen sich als Spendensammler oder lenken ihre Opfer zum Beispiel mit einem Klemmbrett ab und stehlen dann Bargeld, Handys oder EC-Karten . In jüngster Zeit treten in Oberhausen wieder vermehrt sogenannte „Klau-Kids“ in Erscheinung: Mädchen und Jungen, die auf Diebstähle spezialisiert sind. Die Polizei ist in solchen Fällen meist machtlos, denn unter 14-Jährige sind stets schuldunfähig, können für ihre Taten nicht bestraft werden. Was tun?

Von Verwandten gezielt geschickt

„Die Kinder, die in Oberhausen aufgegriffen werden, kommen meist von auswärts“, sagt Polizeisprecher Axel Deitermann. In den Polizeiberichten ist in diesem Zusammenhang oft die Rede von Rumänien oder Süd-Ost-Europa. Viele von den Kindern würden von Verwandten gezielt auf Klau-Tour nach Deutschland geschickt. „Es gibt auch Oberhausener Kinder, die regelmäßig klauen. Die werden dann aber meist nicht vor Ort, sondern in anderen Städten tätig.“

Klau-Kids
Klau-Kids tricksen Passanten am Geldautomaten aus

Kinder-Diebe oder auch Klau-Kids zieht es mittlerweile auch aufs Land. Die Jungen und Mädchen, die bis zu 30 Diebstähle pro Tag begehen, werden von organisierten Banden nach Deutschland eingeschleust. Ihre „Tatorte“ sind Fußgängerzonen, Volksfeste und Bahnhöfe.

Wer beim Diebstahl erwischt wird, muss erst einmal mit auf die Wache. Dort versuchen die Beamten die Personalien der Mädchen und Jungen festzustellen – meist ohne Erfolg. „Bei der Befragung kommt selten etwas rum“, weiß Deitermann. Die meisten Kinder schweigen beharrlich, Papiere haben sie keine dabei.

„Selbst wenn wir einen Namen haben, hilft uns das oft nicht weiter, weil die Kinder nicht ordentlich angemeldet sind. Wenn wir eine Adresse hätten, würden wir die Kinder ihren Eltern zuführen“, erläutert der Polizeisprecher. Doch die Eltern sind im Fall der Klaukinder meist nicht auszumachen. Mit gescheiterten Dieben wolle zudem niemand etwas zu tun haben: „Die Kinder sind eigentlich eher als Werkzeuge zu betrachten“, ist Deitermann überzeugt.

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