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Zuhören und Respekt zeigen

03.01.2013 | 06:00 Uhr
Zuhören und Respekt zeigen
Der Theologe und Psychologe Olaf Meier leitet die Telefonseelsorge für Oberhausen, Mülheim und Duisburg. Zum Jahreswechsel suchen besonders viele einsame Menschen das Gespräch mit einem der ehrenamtlichen Helfer.Foto: Lars Fröhlich

Oberhausen.   Zur Jahreswende gehen immer besonders viele Anrufe bei der Telefonseelsorge ein.

Wenn das neue Jahr mit Raketen, Böllern und guten Wünschen begrüßt und gefeiert wird, ist die Telefonseelsorge erfahrungsgemäß besonders stark gefragt. Gerade zum Jahreswechsel geraten manche Menschen in eine besonders schwere Krise, weiß Olaf Meier. Der 55-Jährige leitet die Telefonseelsorge, die für Duisburg, Oberhausen und Mülheim zuständig ist. „Dann haben wir Anrufer, denen die Decke auf den Kopf fällt, weil sie Rückblick auf ein krisenreiches Jahr halten und skeptisch in die Zukunft schauen.“

Telefonseelsorge rund um die Uhr besetzt

Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr ist die Telefon- seelsorge besetzt. 120 gut ausgebildete Ehrenamtler wechseln sich im Schichtdienst alle vier Stunden ab. Von 14 bis 2 Uhr sind es immer zwei Ansprechpartner: 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222. Weitere Ehrenamtliche sind willkommen.

Einfach mal Danke sagen

Der Jahreswechsel bringt für die ehrenamtlichen Mitarbeiter aber auch so manch positiven Anruf: „Viele wünschen uns einen guten Rutsch, einige wollen einfach mal Danke sagen“, weiß Meier. Weil jemand Zeit hatte für sie, ihnen zugehört hat in einer kritischen Phase ihres Lebens. „Wir können die Situation ja nicht verändern“, sagt der Theologe. „Aber wir können sie mittragen und Respekt zeigen. Manchmal ist es wichtig, dass jemand etwas aushält und begleitet.“ Die meisten Anrufer meldeten sich zwischen 18 und 24 Uhr. Die Gespräche können oft eine halbe Stunde und länger dauern.

Die Männer und Frauen der Telefonseelsorge bleiben anonym, melden sich neutral mit „Telefonseelsorge, guten Tag“. Auch der Anrufer kann sicher sein, dass seine Rufnummer nicht auf dem Display erscheint.

Jederzeit mit Psychologen reden können

Die Mitarbeiter hören zu – „und nur Zuzuhören, das ist ganz schön schwer“, weiß Meier. Jeden Monat gibt es eine Supervision für die Ehrenamtlichen, die auch jederzeit mit dem Psychologen reden können. Wie man am Telefon reagiert, wenn jemand davon spricht, sich das Leben nehmen zu wollen, wird auch in der Ausbildung thematisiert. Im Schnitt, schätzt Meier, ruft etwa jeden zweiten Tag ein Mensch an „der sich das überlegt“.

Häufig melden sich einsame Menschen

Viel häufiger melden sich einsame Menschen. Anrufer, die am Abend mitteilen: „Ich habe heute noch mit niemandem gesprochen.“ Menschen, die mit einem anderen einfach mal über ihren Tag reden wollen, weil sonst keiner da ist, der ihnen zuhört. „Das werden immer mehr.“

Seit 16 Jahren leitet Meier die Telefonseelsorge. Was sich am meisten bei denen verändert hat, die das Gespräch suchen? „Die seelische Auswirkung wirtschaftlicher Not“, sagt Meier. „Das war vor 16 Jahren längst nicht so.“

Ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht:

Pro Tag
gehen bei der Telefonseelsorge etwa 60 Anrufe ein. Sie ist eine ökumenische Einrichtung, die von beiden christlichen Kirchen finanziert wird.

Gesucht werden
Ehrenamtliche. Infoabend: Donnerstag, 10. Januar, 19 Uhr, Haus der ev. Kirche, Duisburg-Mitte, Am Burgacker 14-16. Info: 0203/22657 oder unter www.telefonseelsorge-duisburg.de.

Bettina Kutzner



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