Zufrieden: Verdi und zwei Hochzeitspaare
04.02.2010 | 18:36 Uhr 2010-02-04T18:36:00+0100
Geheiratet wurde trotz Streik. Arbeitskampf beeinträchtigt öffentliches Leben kaum.
Was alles nicht mehr möglich ist, wenn die Beschäftigten in den vielen Branchen des Öffentlichen Dienstes mal nicht arbeiten, machte der gestrige Warnstreik ansatzweise deutlich. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte bekanntlich dazu aufgerufen, und Verdi-Bezirkssekretärin Henrike Greven bilanzierte am frühen Nachmittag: „Beteiligt haben sich 1200 Frauen und Männer.”
Konsequent verhielt sich das Stoag-Personal – so konsequent, dass zwischen vier Uhr gestern Morgen und drei Uhr heute Morgen kein Bus fuhr. Die Ankündigungen führten dazu, dass es nur vereinzelt zu Problemen kam – von „Arbeitsfernbleibern” wegen des Warnstreiks ist nichts bekannt. Auch vor den Kindertagesstätten blieb es bei vereinzelten Unmutsäußerungen, insgesamt wissen Betroffene seit dem letzten Jahr mit solchen Situationen umzugehen.
Nach einem ersten Treffen im Zentrum Altenberg zogen die Streikenden zum Vorplatz des Hauptbahnhofs. Dort war es natürlich weit ruhiger als normal, so dass die Kundgebung ohne Gefährdung des Verkehrs ablaufen konnte. Sprecher fast aller beteiligten Unternehmen verliehen – teils mit markigen Formulierungen – den Forderungen Nachdruck. Armin Hagen vom Müllverbrennungs-Betriebsrat wies auf die finanziellen Bedenken der Arbeitgeber hin und erinnerte an den „Banken-Schutzschirm”: „Mutter Merkel und ihre Blagen hatten viel Geld für intelligente Schmarotzer.”
Hauptforderungen sind neben einer fünfprozentigen Anhebung der Vergütungen Zusagen für eine Neuregelung der Altersteilzeit und – am heftigsten beklatscht – für eine Übernahme der Auszubildenden: „Sie sind die Zukunft im Öffentlichen Dienst”, sagte Heinz Rech als stellvertretender Vorsitzender des Personalrates der Stadtverwaltung.
An der Demonstration beteiligte sich Personal von Stadtverwaltung, Stadtsparkasse, OGM, WBO, Stoag, Müllverbrennung, BFO, EVO und Arge Soda. Stoag-Betriebsrat Detlef Schneider wies darauf hin, dass derzeit drei Tarifverträge parallel verhandelt werden: TVÖD (Tarifvertrag Öffentlicher Dienst), TVV (Tarifvertrag Versorger) und TVN (Tarifvertrag Nahverkehr). Letzterer betrifft die Stoag, und für Nordrhein-Westfalen können die Tarifverhandlungen noch einen „Zuschlag” erhalten, weil landesweit spezielle Regelungen gelten, die „an unsere Substanz gehen”, wie der um Unterstützung werbende Schneider ausführte: „Helft uns auch nach dem 31. März!”
Bis zum 31. März sollen alle Verhandlungen abgeschlossen sein, sieht der Verhandlungsfahrplan vor. Falls es in den nächsten Verhandlungsrunden kein Ergebnis gibt, beginnt ein Schlichtungsverfahren, eine mögliche Urabstimmung könnte um den 20. März herum erfolgen.
Eine „bessere Auslastung als sonst” meldete übrigens die OGM für die städtischen Bäder in Oberhausen und Sterkrade, die trotz Warnstreiks offen waren. Und im Standesamt wurden die beiden angesetzten Eheschließungen auch in die Tat umgesetzt – vom Amtsleiter Gerd Peters persönlich. Er hatte streikwilliges Personal „selbstverständlich das Recht auf den Streik” nicht nehmen wollen – den beiden Paaren aber auch nicht ihren Trauungstermin.

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