Zeitzeugin kämpft gegen das Vergessen

Schülern ein sensibles Thema einmal nicht nur aus Büchern näherbringen, sondern lebendig und aus erster Hand – so war jüngst die Idee an der Heinrich-Böll-Gesamtschule. Die jüdische Holocaust-Zeitzeugin Eva Weyl berichtete von ihren Erfahrungen aus der Zeit des Hitlerregimes.

Für die Oberstufenschüler der Niederländischkurse hielt Weyl ihren Vortrag zu gleichen Teilen auf Deutsch und Niederländisch. Weyls Familie war 1934 nach Holland geflohen.

Studienreferendarin Christina Grab hatte Weyl nach Oberhausen gelotst, nachdem sie ihren Vortrag an einer anderen Schule gehört hatte. „Ich wollte den Schülern einen anderen Blickwinkel, einen anderen Zugang bieten“, beschreibt Grab ihre Intention. Die 78-jährige Weyl berichtet von ihrer Lebensgeschichte. Ihr zentrales Ziel: „Ich bin hier gegen das Vergessen.“ Verbrechen an der Menschheit seien leider immer ein aktuelles Thema.

Die Familie Weyl kam ursprünglich aus Kleve. Nach der Machtergreifung 1933 verloren sie jedoch ihr Haus und ein familiengeführtes großes Kaufhaus in der Klever Innenstadt. Sie emigrierten nach Holland. Nach dem Kriegsausbruch konnten sich die Weyls aber auch dort dem Schrecken nicht länger entziehen.

Sie wurden nach Westerbork, einem niederländischen Durchgangslager, deportiert. „Meine Geschichte ist jedoch eine mit Happy End“, sagt Eva Weyl. Ihrer gesamten Familie blieb ein Vernichtungslager erspart und überlebte.

Die Schüler folgten den Ausführungen aufmerksam und ruhig. Das sei nicht immer so, stellte Grab im Anschluss fest. Die 18-jährige Schülerin Olivia Göbelt erklärt: „Eigentlich beschäftige ich mich nicht sonderlich mit dem Thema, aber die Geschichte eines Menschen zu hören, ist beeindruckend.“ So sah es auch Elena Böing (18): „Man behält mehr, wenn ein Mensch von seinen Erlebnissen erzählt. Es war eine besondere Erfahrung.“