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Wo einst Soldaten schmachteten

23.09.2008 | 19:38 Uhr

SERIE. Vom Steuerparadies mit großer Armut zum begehrten Wohnstandort: Schmachtendorf.

Blickt man auf das heutige soziale Gefüge der Stadt, klingt so mancher alte Straßenname doch etwas sonderbar: Die Schmachtendorfer Straße, erstmals 1840 auf einer Länge von etwas mehr als anderthalb Kilometern ausgebaut und 1894 verlängert, führt zwar heute noch in den entsprechenden Sterkrader Ortsteil. Doch von der großen Armut, von der die Bezeichnung Schmachtendorf tatsächlich kündet, ist dort heute nichts mehr zu sehen.

Der Name der Soldatenkolonie - das "Dorf" hat tatsächlich keinen bäuerlichen Ursprung - erscheint erstmals 1762 im Hiesfelder Kirchenbuch. Die Benennung erfolgte nicht durch eine behördliche Maßnahme, sondern vermutlich durch den königlichen Förster Jonas vom Forsthaus Handbeck.

1773 wurde das kleine "Colonisten-Etablissement am Strakrather Wald" vermessen, weil die damals üblichen zehn ersten steuerfreien Jahre längst verflossen waren.

Bis auf 20 Häuser wuchs die kleine Siedlung bis 1850 an, dann setzte auch hier mit der Industrialisierung - Gutehoffnungshütte in Sterkrade (1880), Zeche Hugo im Handbruch am Waldteich (1900), Ruhrchemie (1930) - eine verstärkte Besiedelung ein.

Als Schmachtendorf 1917 bei der Aufteilung der Gemeinde Hiesfeld nach Sterkrade kam, hieß der neue Stadteil zunächst Sterkrade-Schmachtendorf. Als gegen diese Bezeichnung in der Bevölkerung Protest aufkam, fand 1919 der damalige Oberbürgermeister Dr. Most einen Kompromiss, der sich noch heute auf Stadtplänen und Schildern findet: "Sterkrade-Nord".

Planung und Bau der heutigen Unterführung der Schmachtendorfer Straße am Holtener Bahnhof nahmen viele Jahre in Anspruch: Schon 1905 wurde sie gefordert, aber erst 1984 fertiggestellt. Am Holtener Bahnhof war seit 1927 die Endhaltestelle der Oberhausener Straßenbahnen. Als sie 1968 zum letzten Mal von der Linie 1 befahren wurde, war das zugleich die letzte Fahrt der ältesten städtischen Straßenbahn Deutschlands (von 1897).

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