„WM findet zu wenig Beachtung“

Die deutsche Angreiferin Celia Sasic  umringt von Norwegerinnen: Eine Szene aus dem Match Deutschland – Norwegen bei der FIFA Frauen-WM 2015.
Die deutsche Angreiferin Celia Sasic umringt von Norwegerinnen: Eine Szene aus dem Match Deutschland – Norwegen bei der FIFA Frauen-WM 2015.
Foto: imago/foto2press
Was wir bereits wissen
Kickende Mädchen und Frauen aus Oberhausen fiebern mit und drücken die Daumen fürs DFB-Team. Insgesamt würden sie sich mehr Aufmerksamkeit wünschen.

Oberhausen.. Die Frauen-WM ist in vollem Gange – und nicht nur in Kanada wird mitgefiebert, wenn die Deutsche Elf von Trainerin Silvia Neid heute Abend um 22 Uhr hiesiger Zeit im Achtelfinale auf Spanien trifft. Auch in Oberhausen werden den Damen die Daumen gedrückt. Hier ist die Saison gerade beendet, es wurde um den Aufstieg gekämpft, um Pokale, Titel und gegen den Abstieg. Eine lange, kräftezehrende Saison liegt hinter den Fußballerinnen, Trainern und Jugendleitern.

Stürmerin Katja Menzel spielt seit zwei Jahren beim RSV Glückauf Klosterhardt, auch sie hat nun endlich mehr Zeit, die WM-Spiele zu gucken: „Ich verfolge gerne abends mit Freunden und meiner Familie die Frauen-WM – allerdings nur die deutschen Spiele. Bei gutem Wetter sitzen wir dann gemeinsam im Garten und veranstalten ein Public Viewing.“ Doch die 17-Jährige würde sich mehr Aufmerksamkeit für das Turnier wünschen: „Trotz der guten Entwicklung wird der Frauenfußball noch lange nicht so anerkannt wie der Männerfußball. Das fängt schon während der normalen Saison an: Auf Sport1 werden beispielsweise nur vereinzelte Bundeligaspiele der Frauen übertragen – das ist einfach zu wenig.“ Oberhausener Vereine sehen dies genauso. Immer mehr fördern und gründen daher Mädchen- und Frauenteams – darunter die DJK Arminia Klosterhardt (Kreisliga), der TB Oberhausen (Kreisliga) oder der SC Glück Auf Sterkrade (Kreisliga). Und der Tenor ist bei allen derselbe: Der Frauenfußball bekomme zu wenig Aufmerksamkeit. Eine Förderung wie bei den Männern müsse her.

Public Viewing im Garten

Sebastian Goffloo ist Trainer beim RSV Glückauf Klosterhardt und arbeitet seit mehreren Jahren mit fußballspielenden Mädchen und Frauen zusammen. „Das wird eine spannende WM und mit Sicherheit eine gute Werbung für den Frauenfußball“, sagt er. Denn Nachwuchs wird händeringend gesucht: „Es ist schwieriger geworden, komplette Jugendmannschaften auf die Beine zu stellen. Das Interesse der Mädchen ist zwar da, doch viele kommen schon nach den ersten Trainings nicht mehr.“

„Frauen können kein Fußball spielen“ – ein Satz, den wohl schon jede Fußballerin einmal gehört hat. Dass er nicht stimmt, kann derzeit abends auf dem Fernsehschirm bei der Weltmeisterschaft in Kanada verfolgt werden. Auch die Oberhausener Frauen beweisen regelmäßig ihr Können gegen starke Gegner.

Frauen-WM bekommt zu wenig Aufmerksamkeit

Doch unterscheidet sich der Frauenfußball so sehr vom Männerspiel? Wie stehen eigentlich die Männer zum Thema Frauen-WM? „Ich kann mit Stolz sagen, dass ich die komplette WM verfolge und bisher jedes Spiel der Frauen gesehen habe“, erzählt Goffloo. Doch auch der Trainer meint: Die Frauen-WM bekomme zu wenig Aufmerksamkeit. „Natürlich spielen die Frauen im Vergleich zu den Männern anders – da geht es nicht so hart zur Sache. Dafür rollt der Ball aber bei ihnen umso schöner“, sagt Goffloo lachend.

Bei RSV-Spielerin Moureen Klasen ist die Frauen-WM während der Sommerpause ebenfalls ein heißes Thema: „Ich habe bisher kein einziges Spiel verpasst. Auch nicht, wenn dieses erst spät am Abend läuft.“ Die 18-Jährige ist im WM-Fieber und von dem Turnier begeistert: „So kann ich verfolgen, was meine Vorbilder machen.“ Auch heute Abend wird sie wieder gemeinsam mit Freunden und der Familie den deutschen Frauen die Daumen drücken: „Ich hoffe natürlich, dass wir gewinnen.“ Ihre Mannschaftskollegin Katja Menzel ergänzt: „Ich tippe auf 3:1 für Deutschland.“