Witzigkeit kennt in Königshardt keine Zeitgrenzen

Zeit, dass sich was dreht: Die Garden der 1. KG Königshardt trainierten das gesamte Jahr und zeigten tolle Tänze, wie hier zum Motto „Kirmes“.
Zeit, dass sich was dreht: Die Garden der 1. KG Königshardt trainierten das gesamte Jahr und zeigten tolle Tänze, wie hier zum Motto „Kirmes“.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die 1. KG Königshardt feiert mit 700 Narren eine ausverkaufte Karnevals-Sause. 364 Minuten Prunksitzung mit Rednern und Garden. So lang wie vier Fußball-Spiele hintereinander.

Oberhausen.. Auch der zweite ungläubige Blick auf die Armbanduhr, lässt das Runzeln auf der Stirn nicht verschwinden. „0.21 Uhr? Eigentlich wollten wir längst gehen“, sagt die Dame mit dem gold-schwarzen Schal zur Sitznachbarin. Die Karnevalssitzung der 1. KG Königshardt ist noch im vollen Gang. Sondertraining für die Zeiger der Zeiterfassung: Runde für Runde. Urige Stimmung.

In den kleinen Hausmeisterraum der Turnhalle an der Kiefernstraße zieht es Hans-Hermann Mleczak häufiger: Zwischen Pratzen vom letzten Boxtraining und einer Kiste mit Turnbeuteln, die Schüler vergessen haben, schaut der Vorsitzende der 1. KG Königshardt am späten Samstagabend auf den Plan. Zückt das Handy. Hier steht die Zeit scheinbar still. Nebenan schallt ein Schlagersänger gerade etwas wie „Siedepunkt“ ins Mikrofon. Das kommt häufiger vor, wenn Königshardt im Viertel Prunksitzung feiert.

Ingo Appelt als Stargast

Gardemädchen huschen durch die Gänge, zupfen an ihrer Uniform, während Eltern sie stolz zum Gruppenbild bitten. Kein Moment geht verloren. Doch nicht alle haben dafür jetzt einen Blick. Sänger Axel Fischer ist auf der Autobahn steckengeblieben. Traum von Amsterdam, Alptraum für Planer: Bis der große Schlager die Halle aufmischt, wird improvisiert. Die 700 Narren im Saal merken davon nichts. Überbrückungsschunkler sind in Mode. Tenor: „Trink doch eene mit...“

Interview

Ingo Appelt bahnt sich den Weg durch die Biertischgarnituren, vorbei an gold-schwarzen Luftballons. Kellnerinnen mit vollbeladenen Tabletts warten bis die Einmarschmusik verklungen ist. Der gebürtige Essener züngelt scharf, früher in den 90er Jahren auch bei „RTL Samstag Nacht“. Doch klappt der Brachial-Humor auch beim Karneval? Appelt greift zum Mikrofon, blickt durch den Lichtkegel. Und hat gewonnen. Er darf austeilen. Es geht um Herbert Grönemeyers Gesangeskünste: „Das ist keine Poesie, sondern gesungenes Scrabble!“ Um den Magerwahn bei Germanys Next Topmodel : „Was haben Heidi Klum und eine Hundehütte gemeinsam? An jeder Ecke ein Knochen.“ Appelt tanzt mit der Gürtellinie Limbo. Riesiger Applaus.

Das gesamte Jahr trainiert

Die Tanzgarden machen sich bereit. Ein ganzes Jahr haben sie geprobt, genauso wie der Elferrat, der sich als Helene Fischer (mit Bart) verkleidet und die Gruppe Pur imitiert. Hinterher: Abklatschen, gut gemacht!

Einige Besucher zieht es zum Dampf ablassen vor die Halle. Das Gladbecker Popschlager-Schwergewicht Olaf Henning holt noch das „Lasso raus“. Das Ende vom Lied: 364 Minuten Programm. Sechs Stunden. So lange wie vier Fußballspiele hintereinander. „Tolle Sitzung und Stimmung“, murmeln Gäste auf dem Weg zur Bushaltestelle. Zu lang? „Man quatscht, schaut, feiert – also: nein!“

Um 1.08 Uhr verlassen die letzten Mitglieder die Bühne. Die ersten werden um fünf Uhr in der Frühe wiederkommen. Es wird abgebaut.