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Sitzenbleiben

Wie Eltern von "Sitzenbleibern" ihren Kindern helfen können

04.03.2013 | 12:30 Uhr
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Wie Eltern von "Sitzenbleibern" ihren Kindern helfen können
Diplom-Psychologe Claus-Peter Theilig äußerte sich gegenüber der WAZ-Gruppe zum Thema Sitzenbleiben.Foto: Ulla Emig

Oberhausen.  Ist Sitzenbleiben eine veraltete Maßnahme? Oder nützt es, weil es Spätentwicklern eine zweite Chance gibt? Diplom-Psychologe Claus-Peter Theilig ist Leiter der Regionalen Schulberatungsstelle in Oberhausen - und plädiert dafür, vor allem die Ursache der schlechten Leistungen genauer zu betrachten.

Immer weniger Oberhausener Schüler müssen eine „Ehrenrunde“ einlegen und eine Klasse wiederholen. Die neue niedersächsische Landesregierung will sogar noch weiter gehen und das Sitzenbleiben komplett abschaffen . Die WAZ-Gruppe sprach mit dem Diplom-Psychologen Claus-Peter Theilig, dem Leiter der Regionalen Schulberatungsstelle, darüber, ob dieses Ziel erreichbar ist und wie man Schülern am besten helfen kann.

„Sitzenbleiben allein bringt nichts“

„Es hat sich an den Schulen etwas geändert. Der Gedanke hat sich durchgesetzt, dass das Sitzenbleiben alleine nichts bringt“, erklärt Theilig. „Der pädagogische Haken, wir zeigen dem Schüler dadurch eine Harke, dass wir ihn nicht versetzen, ist auch nicht zielführend.“ Denn Kinder, die eine Klasse wiederholen müssen, würden nicht automatisch dadurch besser werden, dass sie die Lerninhalte schon einmal hatten.

„Sie sind ja gerade deswegen nicht versetzt worden, weil sie den Stoff nicht verinnerlicht haben.“ Da jede Klasse auch anders an Themen herangeht, ist es für Sitzenbleiber oft schwer, nicht direkt weiter herabzusacken. Dass sich Schüler aber zurückziehen, nachdem sie sitzengeblieben sind, komme eher selten vor. „Es ist auch keine Stigmatisierung, Hänseleien sind heute nicht mehr so stark.“

Wichtig sei es, an die Ursachen der schlechten Leistungen heranzugehen, um dem Schüler zu helfen. „Das ist fast immer die persönliche Motivation des Kindes. In der Pubertät können sich Prioritäten verschieben und das Freizeitverhalten ändern.“ Dadurch kann die Schule in den Hintergrund rücken. „Eltern geben meistens ihr Bestes, treffen meist nur nicht den Punkt, der für die Lernunwilligkeit verantwortlich ist.“ Laut Theilig muss es darum gehen, Leistungsanforderungen neu zu formulieren und eine Umgebung zu schaffen, in dem das Kind zu Anstrengungen bereit ist. „Es geht sehr viel um Motivation.“

Wenn die Reife fehlt

Doch zunächst, müsse dem Kind klar gemacht werden, dass es überhaupt ein Problem habe. Das könnten nur Lehrer und Eltern zusammen leisten. „Man darf auch nicht so lange warten, die Probleme in der Schule anzugehen, bis schon die Versetzung gefährdet ist. Dann ist es meist zu spät.“ Schulsozialarbeiter können laut Theilig ein Instrument sein, Schülern zu helfen. „Sie werden vielleicht anders als Lehrer nicht beurteilend, sondern als unterstützend wahrgenommen.“

Der Psychologe will aber nicht ausschließen, dass die Wiederholung einer Klasse nicht manchmal doch ratsam ist. „Es gibt Einzelfälle, in denen das Sitzenbleiben ratsam ist, wenn etwa die Reife fehlt und die Entwicklung des Kindes noch nicht so weit ist. Dann ist das der richtige Weg.“

Marcel Sroka

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