Werner Overkamp ist Hüter der Finanzen bei RWO
22.01.2010 | 18:34 Uhr 2010-01-22T18:34:00+0100
Oberhausen. Eigentlich ist Werner Overkamp Vorstand der Stadtwerke Oberhausen AG (Stoag). Seit fünf Jahren wühlt er sich aber auch ehrenamtlich durch die Finanzen der Kleeblätter. Keine leichte Aufgabe. Agieren muss er zwischen strengen Regelsätzen und klammer Vereinskasse.
Acht Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, sportlich mag das beruhigen, lizenztechnisch nicht. In rund sechs Wochen muss RWO-Finanzvorstand Werner Overkamp zwei Lizenzen beantragen: Für Liga zwei im Fall des erhofften Klassenerhalts, aber auch für die 3. Liga, falls die Talfahrt der vergangenen Wochen anhält. DFL und DFB wollen das so. „Nach dem 15. März geht nämlich nichts mehr, da ist die Deutsche Fußball-Liga knallhart”, sagt Overkamp.
Der 51-jährige Vorstand der Stadtwerke Oberhausen AG (Stoag) wühlt sich seit fünf Jahren ehrenamtlich durch die Finanzen der Kleeblätter und die komplizierten Statuten der DFL. Im Profifußball wird, abgesehen vom Ergebnis der Spiele, nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen.
"Uns bleibt nicht viel Spielraum"
„Die Fans verstehen das häufig nicht”, sagt Pressesprecher Daniel Mucha (34), „uns bleibt nicht viel Spielraum. Es ist bis aufs kleinste geregelt, wer was darf und wer was nicht darf.” Fotografieren, Fahnenschwenken, Flutlicht - quasi für alles hat die DFL ein Formblatt. Mucha: „Die Liga ist bemüht, jeden Verein zu professionalisieren.”
Vor allen Dingen die Standards müssen stimmen. Das reicht von der Rasenheizung bis zur Anzahl der Sitzplätze und der perfekten Betreuung der TV-, Radio- und Print-Journalisten im Stadion. Auch Internetanschluss, Fernseher und DVD-Player für die Schiri-Umkleide sind Pflicht. Kader, Spielbericht und Ergebnis werden nur noch online eingepflegt, nach dem Spiel trifft sich der Unparteiische zur Manöverkritik mit seinem Spielbeobachter.
60 Prozent der Einnahmen sind Fernsehgelder
Fußball als Ware Unterhaltung. „36 Vereine der 1. und 2. Liga sollen an jedem Spieltag in 18 Stadien möglichst guten und attraktiven Fußball bieten, das ist das Ziel”, sagt Overkamp. Und natürlich die Vermarktung der TV-Rechte. Mittlerweile ist Bundesliga-Fußball in mehr als 100 Ländern zu sehen. „Für uns ist es gut, dass die 2. Liga mitgenommen wird. 60 Prozent unserer Einnahmen sind Fernsehgelder.”
Werner Overkamp kam 2005, als RWO auf dem Zahnfleisch kroch. Der Verein lag darnieder, war gerade aus der 2. Liga abgestiegen und führungslos: Präsident Hermann Schulz schmiss hin. „Die Initiative von Oberbürgermeister Klaus Wehling und Hartmut Gieske hat mich beeindruckt. Ich bin zu diesem Kreis gestoßen, um in schlechten Zeiten dem Verein beizustehen”, sagt Overkamp.
Bereut hat er es bis heute nicht. Die Familie leide ein wenig, sagt er. Doch Ehefrau und die beiden Kinder verlängern Jahr für Jahr die private RWO-Lizenz, sind häufig bei Spielen dabei. Und die offizielle des DFL stellt Overkamp ebenfalls nicht mehr vor unüberwindliche Hürden. „Wir haben den Verein konsolidiert und die Lizenz zuletzt ohne Auflagen bekommen.”
Konsolidiert, aber nicht schuldenfrei
Konsolidiert darf dabei nicht mit schuldenfrei verwechselt werden. Das negative Eigenkapital beträgt rund eine Million Euro. Noch heute und in den nächsten Jahren zahlt Rot-Weiß Oberhausen jährlich 500 000 Euro aus den Fernseheinnahmen an einen Darlehensgeber. Dies ist notwendig, da RWO im Jahr 2001 einen stattlichen Betrag erhielt, wovon heute nichts mehr da ist. „Das war damals ein Geschäft, das sich nicht gerechnet hat”, so Overkamp.
Mit 8,4 Mio Euro Umsatz ist RWO einer von nur vier Zweitliga-Clubs, die unter der 10-Mio-Marke liegen. Der Marktwert der Profitruppe, die sich RWO pro Saison 3,7 Mio Euro kosten lässt, beträgt laut transfermarkt.de rund 10 Mio Euro, kein anderer Verein in der 2. Liga hat weniger zu bieten. Der Kader des FC Augsburg, der am Sonntag im Stadion Niederrhein als Dritter vorspielt, ist doppelt so viel wert.
Geld ist nicht alles, manchmal sind Ideen gefragt, um der DFL gerecht zu werden. Für Behinderte arrangierte RWO im Niederrhein-Stadion kurzerhand einen Bier- und Bratwurst-Service, weil die Zugänge zu den Verkaufsständen nicht behindertengerecht gestaltet werden konnten. Praktisch - und sympathisch. RWO eben.
Fanartikel begehrt
Die Wirtschaftskrise macht auch vor dem Fußball nicht halt. Mehr als die Hälfte aller Klubs rechnet daher in der kommenden Saison mit weniger Einnahmen. Finanzielle Probleme der Sponsoren sind einer der Hauptgründe. Langfristig sehen die 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga ihr Geschäft aber positiv und erwarten wachsende Umsätze. Im internationalen Vergleich unterentwickelt ist z.B. der Verkauf von Fanartikeln. Während in England jeder Fußball-Fan pro Jahr durchschnittlich 65,40 Euro ausgibt, sind es hierzulande nur 35,40 Euro.

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