Wenn Mütter Müttern in Oberhausen helfen

Melanie Weiske-Schmitz mit ihren Töchtern Lilli (drei Jahre alt) und Linn (sechs Jahre alt, li.). Die können ab Montag wegen des Streiks nicht mehr in ihrer Gruppe in der KTE Alstaden-West spielen.
Melanie Weiske-Schmitz mit ihren Töchtern Lilli (drei Jahre alt) und Linn (sechs Jahre alt, li.). Die können ab Montag wegen des Streiks nicht mehr in ihrer Gruppe in der KTE Alstaden-West spielen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„Ich kann die Kinder nehmen.“ Ein Satz wie ein Geschenk in Streikzeiten. Melanie Weiske-Schmitz übernimmt die Betreuung von vier Kindern.

Oberhausen.. Mit einer Mutter wie Melanie Weiske-Schmitz befreundet zu sein, bedeutet ab kommenden Montag fast so etwas wie einen Sechser im Lotto. Zumindest, wenn man Nachwuchs hat, der normalerweise in einen städtischen Kindergarten geht, der ab nächster Woche unbefristet bestreikt wird. Die 33-Jährige hat nämlich zu zwei anderen Frauen gesagt: „Ich bin ja da, ich kann die Kinder nehmen.“ Ein Satz wie ein Geschenk.

Melanie Weiske-Schmitz betreut also neben ihren eigenen zwei Töchtern Lilli (drei Jahre alt) und Linn (sechs Jahre alt) noch deren Freundinnen Anike und Laya. Eigentlich besuchen die vier Mädchen die Kindertageseinrichtung Alstaden-West, aber deren Erzieherinnen streiken wie die der übrigen 17 Kindergärten in städtischer Trägerschaft ab kommenden Montag. „Auf jeden Fall 14 Tage lang – oder noch länger, hat man uns gesagt“, meint Elternbeirätin Melanie Weiske-Schmitz.

Mit den Großeltern ist so eine Sache

Soziales Also spielen die vier Lütten während des Streiks in der Wohnung am Franzenkamp, „oder wir gehen in den Garten, dann können die Kinder Rutsche und Sandkasten nutzen“, sagt die Ersatz-Erzieherin und hofft auf gutes Wetter. Für die erste Streikwoche muss sie wohl nur punktuell einspringen und nicht für die eigentlich in der Kita gebuchten 35 Stunden, „weil die eine Mutter sich eine Woche Urlaub genommen hat und die andere ihre Schwiegereltern gefragt hat“, berichtet Weiske-Schmitz.

Aber das mit den Großeltern ist so eine Sache, weiß sie aus eigener Erfahrung und auch aus dem Kita-Bekanntenkreis. „Oma und Opa sind entweder gesundheitlich nicht mehr so fit, dass sie Kinder betreuen können. Oder sie sind selbst berufstätig. Oder haben eben eigene Termine, ein eigenes Leben.“ Dass Melanie Weiske-Schmitz jetzt einspringen kann, ist ein Zufall, denn eigentlich wollte die Arzthelferin schon seit Anfang dieses Jahres wieder arbeiten gehen und die Elternzeit beenden. Aus verschiedenen privaten Umständen hat sie dies verschoben, „ein Glück“, atmet sie jetzt auf, denn ihr Mann arbeitet als Servicetechniker in Wechselschicht und kann nicht zu Hause bleiben.

Maximal 180 Notgruppenplätze

1800 Kinder in 18 Kindertageseinrichtungen sind vom Streik betroffen. Mit Gewerkschaftsvertretern hat die Stadtverwaltung verabredet, dass es in drei Kitas Notgruppen geben wird – mit maximal 180 Plätzen. „Wenn ich dann höre, dass es in Mülheim 13 Notgruppen über die Stadt verteilt gegen soll, ist das schon ein Witz“, meint Melanie Weiske-Schmitz. Zumal die Eltern keine Plätze reservieren können oder diese nach bestimmten Kriterien verteilt werden. Ab Montag, sieben Uhr, können Betroffene anrufen in den drei Kitas, die Schnellsten bekommen die Plätze.

Verständnis haben die Mütter schon für den Streik, sagt Weiske-Schmitz aus ihrer Erfahrung. „Aber teilweise sind sie stinkig, es geht ja auch um ihre Jobs.“