Wenn die deutsche Sprache verblasst

Nach groben Schätzungen leben rund 108 000 Menschen mit einer Demenz-Erkrankung in Deutschland. Jeder vierte Mensch mit einer Demenz ist einer, der ursprünglich aus einem anderen Land stammt. Kirsten Beukenbusch vom Demenz-Servicezentrum Westliches Ruhrgebiet stellte diese Zahlen in der jüngsten Sitzung des Integrationsrates vor. Sie machen deutlich: Die Krankheit Demenz in ihren unterschiedlichen Formen, die Orientierungslosigkeit, den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses und der Identität mit sich bringt, betrifft in Oberhausen gerade auch viele türkischstämmige Menschen.

„Sie wissen aber häufig nicht, wo sie Hilfe für ihr Problem bekommen können“, beschreibt Beukenbusch die Hemmschwellen der betroffenen Migranten. Sprachbarrieren erschwerten zusätzlich den Zugang zu Unterstützungsangeboten. Zusammen mit dem Oberhausener Verein „Pro Wohnen“ hat das Demenz-Servicezentrum deshalb eine Schulung speziell für Migranten angeboten, die sich ehrenamtlich als Demenzbegleiter engagieren wollen. „Sie sollen danach in der Lage sein, die pflegenden Angehörigen stundenweise zu entlasten“, sagt Beukenbusch. Über zehn Frauen und Männer haben teilgenommen, sie erhielten ihre Zertifikate am Ende der Sitzung.

In der Schulung haben sie sich mit dem Krankheitsbild beschäftigt, sie haben gelernt, wie sie mit einem Demenzpatienten umgehen sollten. Die Ehrenamtlichen sprechen türkisch, das erleichtert ihnen den Zugang zu den Patienten. Denn ein Merkmal der Demenz ist, dass alte Erinnerungen leichter abrufbar sind, als das, was am Morgen passiert ist. „Die Menschen erinnern sich an ihre Kindheit in der Türkei, aber nicht an ihr letztes Frühstück“, sagt die Expertin vom Demenz-Servicezentrum. Was bedeutet, dass sie häufig auch die deutsche Sprache verlieren. „Wenn die deutsche Sprache verblasst, wird die Herkunft immer wichtiger.“ Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass die Betreuungsperson aus dem Kulturkreis stammt und die Muttersprache beherrscht.