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Wenn Babys ohne Worte sprechen

19.06.2009 | 19:01 Uhr
Wenn Babys ohne Worte sprechen

Oberhausen. Mit einer Babyzeichensprache können sich Kinder mitteilen, bevor sie Sprechen gelernt haben. Claudia Spelz, selbst Mutter eines 18 Monate alten Jungen, gibt Kurse in ihrem Haus in Dümpten.

Frederik kann schon Polizeiauto sagen. Und er kann seiner Mama erklären, dass er zum Abendessen ein Käsebrot möchte. Oder dass er gerne noch mehr Milch hätte. Das sind schon ziemlich präzise Mitteilungen für einen Anderthalbjährigen. Frederik ist allerdings kein Frühstarter, was das Sprechen angeht. Was er sagt, sagt er nicht mit Worten – sondern mit Zeichen. „Zwergensprache” heißt die Babyzeichensprache, die seine Mutter Claudia Spelz ihm beigebracht hat. Und die sie in Kursen im Dümptener Reihenendhaus der jungen Familie auch anderen Müttern beibringt, damit die mit ihren Kindern üben können.

Claudia Spelz gibt Kurse in Babyzeichensprache. Fotos: © Tom Thöne

Die 27-jährige Sozialarbeiterin arbeitete vor Frederiks Geburt in einer Einrichtung für Hörgeschädigte – die Deutsche Gebärdensprache beherrscht sie. Da war der Schritt zur Babyzeichensprache für die junge Mutter nicht so weit – auch wenn die sich zur Gebärdensprache ungefähr so verhält wie die Zweiwortsätze von Kleinkindern zu großer Literatur. Spelz informierte sich über die „Zwergensprache”, ein Franchise-Unternehmen, und ließ sich zur Kursleiterin ausbilden – über ein langes Schulungswochenende und im Heimstudium.

Erst ein Zeichen pro Satz

Frederik war vier Monate, als Spelz begann, ihm die Gesten zu bestimmten Wörtern vorzumachen – erst sechs Monate später gebrauchte er eins. „Man fängt mit einem Zeichen pro Satz an”, erklärt sie, wenn man das Kind etwa fragt, ob es Milch möchte, zeigt man das Zeichen für Milch.

Klingt das nicht ein bisschen nach Dressur? „Wir wollen die Kinder nicht dressieren”, stellt Claudia Spelz klar, „wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, etwas zu kommunizieren, wenn sie das wollen.” Die Kinder hätten Spaß am Nachahmen, erklärt die Mutter, und sie ließen sich auch zu nichts animieren, was sie nicht tun wollten. „Die Kinder suchen sich das raus, was sie brauchen, den Rest lassen sie links liegen.”

Das erste Zeichen, das Frederik brauchte, war das für „mehr”. Hoppe-Hoppe-Reiter hatte seine Mutter mit ihm gespielt, und Frederik wollte mehr davon. Das bestätigen auch die Mütter Claudia Spelz' Fortgeschrittenen-Kurs – die meistgebrauchten, die wichtigsten Begriffe im Zwergenleben sind „essen”, „trinken” und „mehr”. Quietscheente geht auch gut oder Teddy, aber irgendwann können Kinder ihren Eltern sogar bedeuten, wo etwas weh tut oder dass sie Angst haben. Allerdings benutzten sie die Zeichen auch nur so lange, bis sie Worte zur Verfügung haben – für eine kurze Übergangszeit würde gemischt, „im Laufe der Zeit verflüchtigt sich das”.

Weniger frustriert

In einer Anfang des Jahres veröffentlichten Studie sind zwei Psychologinnen der Universität Chicago zu dem Schluss gekommen, dass Kinder, die sich im Alter von 14 Monaten mit Gesten verständlich machen können, mit viereinhalb Jahren ein größeres Vokabular haben als andere Kinder – und es oft auch später in der Schule leichter haben.

Die Hoffnung, es den eigenen Kindern im Leben leichter zu machen, ist ein Beweggrund für junge Mütter, den Kurs zu belegen. Melanie Vauth etwa geht davon aus, dass Joanna-Emma so weniger Probleme in der Schule haben wird. Aber es gibt auch einen viel praxisnäheren Grund, der den Müttern das Leben leichter macht: Mit den Zeichen können sie einfach leichter verstehen, was das Kind will oder braucht. „Ich merkte, dass Joanna-Emma was mitteilen wollte”, sagt Melanie Vauth über das inzwischen 23 Monate alte Mädchen, „und dass sie sehr frustriert war, wenn das nicht klappte.”

Mit den Zeichen habe die Frustration gleich nachgelassen. Das hat Nicole Schubert auch erlebt: Maximilian, 16 Monate alt, steht nicht mehr im Zimmer und brüllt, weil er Hunger hat – er lässt seine Mutter einfach wissen, dass er ein Käsebrot haben möchte.

Mehr zum Thema:

Fotostrecke: Zeichensprache für Babys

Monika Idems

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Kommentare
20.06.2009
09:46
Wenn Babys ohne Worte sprechen
von Birgit Butz | #1

Babyzeichen machen Spaß - dass konnte und kann ich mit meinem Sohn Ben erleben. Seit er sechs Monate alt ist zeige ich ihm Babyzeichen. Ben ist jetzt 23 Monate alt, spricht sehr viel (mehrsilbige Wörter, z.B. Feuerwehrauto, Eisenbahntür) und benutzt Drei-Wortsätze. Er verwendet aber immer noch Babyzeichen. Besonders dann, wenn ihm etwas ganz wichtig ist.

Weil ich von Babyzeichen begeistert bin, habe ich die nicht kommerzielle Webseiten
www.sprechende-haende.de und www.babyzeichen.blogspot.com erstellt.

Damit die Idee der Babyzeichen und der Spaß weitergetragen wird.

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